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Deutschland schaltet Atomkraft ab: Was sind die Folgen für unseren Strom?

„Atomkraft ? – Nein, danke!“ - Jetzt wird es Realität!

Deutschland schaltet Atomkraft ab: Was sind die Folgen für unseren Strom?

Abschaltung von drei weiteren Atomkraftwerken zum Jahresende Atomausstieg 2022

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Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C gehen endgültig vom Netz

„Atomkraft ? – Nein, danke!“ Dieser Slogan aus den 1980er Jahren wird Realität. 2022 soll Schluss sein mit der Kernenergie, das Kapitel Atomkraft ein für alle Mal in Deutschland beendet sein – das ist seit 2011 gesetzlich verankert. Jetzt werden drei Kernkraftwerke endgültig abgeschaltet. Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C gehen am 31. Dezember vom Netz und speisen keinen Strom mehr ein. Doch ist die flächendeckende Stromabdeckung auch ohne Kernenergie garantiert – und wird der Strom nun teurer?

Energie-Experte Dr. Thilo Schaefer erklärt, was der Exit aus dem Atomstrom für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeuten kann – und wir werfen einen Blick auf die Kritik an einem „unvollständigen“ Ausstieg aus der Atomenergie, die immer lauter wird.

Lese-Tipp: Atomkraft kommt in unseren Nachbarländern zurück - nur in Deutschland nicht

Im Video: Wird der Strom für Verbraucherinnen und Verbraucher teurer?

„Wir haben ja jetzt in den letzten Monaten schon erlebt, dass Energie teurer wird. Das hat aber alle möglichen Gründe“. Beim Strom sei es so, wenn weniger erneuerbare Alternativen und teure Kraftwerke den Strom lieferten, sei das – wie in den letzten Monaten – ein Preistreiber, erklärt Energieexperte Schaefer im RTL-/ntv-Interview.

„Auf der anderen Seite hat die neue Bundesregierung angekündigt, die EEG-Umlage abzuschaffen – das wird sicherlich etwas dämpfend wirken auf den Strompreis.“

Lese-Tipp: Elon Musk übt Kritik an deutschem Atomausstieg: „Nicht die richtige Entscheidung“

Experte: Wegfallende EEG-Umlage kann Strompreis dämpfen Atomausstieg 2022

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Energieexperte Schaefer erklärt im Video: Muss Deutschland Atomenergie aus dem Ausland zukaufen?

Ob Deutschland auch in Zukunft Strom – vor allem Atomenergie aus dem Ausland zukaufen muss, hängt von der Entwicklung der erneuerbaren Energien hierzulande ab, so IW-Energieexperte Schaefer: „In Deutschland hat sich die Diskussion sehr darauf konzentriert, was wir nicht mehr wollen, nämlich Strom aus Kernenergie und Strom aus Kohlekraft. Wenn es uns nicht gelingt, unser Energiesystem so umzubauen, dass wir mit erneuerbaren Energien diese Stromerzeugungskapazitäten ersetzen können, dann wird das dazu führen, dass wir genau diesen Strom, also Atomstrom von unseren westlichen Nachbarn und Kohlestrom von unseren östlichen Nachbarn importieren werden“, erklärt Schaefer.

Der Energiemix hat sich laut dem IW-Energieexperten somit nicht wirklich verändert – nur sehe die Klimabilanz in Deutschland etwas besser aus. Es gehe jetzt darum, erst einmal die Alternativen, also erneuerbare Energien zu schaffen und dann die fossilen Quellen nach und nach abzuschalten.

Lese-Tipp: Großbritannien und Frankreich setzen auf Atomkraft

IW-Experte: Importieren von Energie ist wahrscheinlich Schaefer zu Atomausstieg 2022

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BUND fordert zügige Umsetzung des vollständigen Atomausstiegs

Während eine schrittweise Umstellung von Atomenergie auf erneuerbare Energien von vielen Seiten gefordert wird, mahnt die Naturschutzorganisation BUND die Bundesregierung, den vollständigen Atomausstieg nun zügig umzusetzen. Sie müsse jetzt die naturverträgliche Energiewende weiter vorantreiben und gleichzeitig alle noch laufenden Atomanlagen in Deutschland abschalten, teilte der BUND Schleswig-Holstein mit. Atomausstieg und Klimaschutz seien kein Widerspruch.

Neben Brokdorf werden am 31. Dezember 2021 mit Grohnde und Gundremmingen C zwei weitere Atom-Meiler in Deutschland abgeschaltet. Übrig bleiben dann nur noch drei - bis Ende 2022 sollen auch dort für immer die Lichter ausgehen.

Die Bundesregierung soll sich dem BUND zufolge auch auf internationaler Ebene dafür einsetzen, dass Atomkraft nicht mehr gefördert und beendet wird. Die EU-Kommission berät derzeit darüber, ob Atomenergie künftig als „nachhaltige“ Investition eingestuft werden kann - also ob sie eine Art grünes Label bekommen soll.

Lese-Tipp: Bundesumweltministerin Lemke im "Frühstart": „Atomkraft ist nicht nachhaltig“

Warum sollen zwei Atomfabriken aktiv bleiben?

ARCHIV - 29.11.2019, Berlin: Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), steht bei einer Bade-Aktion von BUNDjugend-Aktivisten gegen das Klimapaket der deutschen Bundesregierung am Spreeufer. (zu dpa «Umweltverban
BUND-Chef Bandt
christoph soeder jai, dpa, Christoph Soeder

Wegen des Weiterbetriebs von Atomfabriken über das Jahr 2022 hinaus hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den deutschen Atomausstieg als „unvollständig“ kritisiert. „Noch immer haben wir in Deutschland keinen vollständigen Atomausstieg“, sagte der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt der Deutschen Presse-Agentur.

Auch nach dem für Ende 2022 geplanten Atomausstieg werde etwa die Urananreicherungsanlage im nordrhein-westfälischen Gronau weiter betrieben. Gleiches gelte für die Brennelemente-Fabrik im niedersächsischen Lingen, sagte Bandt. Die besagten Atomfabriken in Gronau und Lingen bleiben auch nach dem Ausstieg aus der Atomenergie 2022 aber weiter in Betrieb. „Damit ist Deutschland Teil der nuklearen Kette und beliefert Schrott-AKWs im europäischen Ausland mit Brennelementen. Das muss die neue Bundesregierung stoppen und die beiden Atomanlagen abschalten“, forderte der BUND-Chef. Die Anlage in Lingen richtet ihre Produktion vor allem auf den Export von Brennelementen aus - etwa nach Belgien. Auch das in Gronau angereicherte Uran wird exportiert. (dpa/lwe)

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