Im Kampf gegen Klimawandel

Großbritannien und Frankreich setzen auf Atomkraft

Um seine Klimaziele einzuhalten, will Großbritannien noch vor der nächsten Wahl ein neues Kernkraftwerk finanzieren. Und auch Frankreich setzt auf die Kernschmelze als Klimalösung.
Um seine Klimaziele einzuhalten, will Großbritannien noch vor der nächsten Wahl ein neues Kernkraftwerk finanzieren. Und auch Frankreich setzt auf die Kernschmelze als Klimalösung.
© deutsche presse agentur

18. Oktober 2021 - 11:11 Uhr

Veraltete Technologie oder neuer Trend?

Der Klimawandel schreitet voran und Energie wird teurer. Einige Länder greifen deswegen nun auf eine Technologie zurück, die man in Deutschland schon abgeschrieben hatte: Atomkraft.

Um seine Klimaziele einzuhalten, will Großbritannien noch vor der nächsten Wahl ein neues Kernkraftwerk finanzieren. Und auch Frankreich setzt auf die Kernschmelze als Klimalösung. In Deutschland fühlt sich die AfD bestätigt.

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Wende vor zehnJahren

2011 war ein Wendepunkt in der Deutschen Energiepolitik – ausgelöst durch ein Ereignis am anderen Ende der Welt in Fukushima, Japan. Die Großstadt auf der asiatischen Insel erreichte vor zehn Jahren traurige Bekanntheit als ausgelöst durch ein Erdbeben das Kernkraft nähe der Stadt zerstört und die Umgebung großflächig verstrahlt wurde. Im Zuge dieser Katastrophe entschied Deutschland, in Zukunft auf Atomenergie zu verzichten und bis Ende 2022 alle Atomkraftwerke abzuschalten. Ein Wendepunkt.

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Dieser Schritt schien damals einem Trend zu folgen. Auch andere Länder stoppten kurzfristig ihre Atomförderung. Doch jetzt gibt es eine Gegenbewegung. Mehrere europäische Länder sprechen sich nun wieder für die Förderung von Atomenergie aus – auch aus Klimaschutzgründen.

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Großbritannien und Frankreich preschen nach vorn

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© AP, Sarah Meyssonnier, BC

Rund zehn Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) haben die EU-Kommission jüngst dazu aufgefordert, Kernenergie als "grüne" Energiequelle anzuerkennen. Der Grund: Kernenergie stößt so gut wie keine Emissionen aus.

Auch Großbritannien will vermehrt auf Atomkraft setzen. "Wir versuchen, in den nächsten Jahren mindestens ein weiteres großes Atomprojekt zu genehmigen, um die Energiesicherheit zu stärken und Tausende von Arbeitsplätzen zu schaffen", erklärte ein Regierungssprecher auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters. Gleichzeitig will das Land die Kohlenstoffemissionen bis 2035 auf null drücken.

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Auch Frankreich fährt eine Atom-Offensive in der Energiepolitik. Anfang Oktober appellierte Bruno Le Maire, der Wirtschafts- und Finanzminister des Landes, in einem offenen Brief an die französische Wirtschaft, mehr auf Kernenergie zu setzen: "Wenn wir den Kampf gegen den Klimawandel gewinnen wollen, brauchen wir Kernenergie. Sie ist für uns alle ein unverzichtbarer und verlässlicher Faktor für eine kohlenstofffreie Zukunft", heißt es in dem Brief, der Welt und den Partnerzeitungen der Leading European Newspaper Alliance (Lena) vorliegt.

"Kurz gesagt", so Le Maire: "Kernenergie ist eine saubere, sichere, unabhängige und wettbewerbsfähige kohlenstoffarme Energiequelle." Europa dürfe diese "entscheidende Chance nicht ungenutzt lassen." Auch der polnische Umweltminister und der finnische Wirtschaftsminister haben den Brief unterschrieben

AfD dafür, junge Union offen

Die umweltpolitische Sprecherin der AfD-Delegation im EU-Parlament, Sylvia Limmer, freut sich über den Vorstoß der euopäischen Nachbarländer: "Was die AfD schon lange forderte, wird nun international zum Mainstream: Wenn man es ernst meint mit einer Reduktion von CO2-Emissionen, kommt man an der Kernkraft nicht vorbei." Ohne Kernkraft käme es ansonsten zu "Deindustrialisierung, Verarmung und Bevormundung".

Auch die junge Union (JU) forderte eine offene Diskussion über die deutsche Energiepolitik – inklusive Atomenergie. Der Vorsitzende der des großen JU-Landesverbandes NRW, Johannes Winkel, meinte zum RedaktionsNetwerk Deutschland: "Es passt zur neuen deutschen Selbstgenügsamkeit, dass in der Klimadebatte niemand über unsere Landesgrenzen hinausschaut." Er forderte eine "offene und ehrliche Debatte über die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, etwas später aus der Kernenergie auszusteigen, um dafür so schnell wie möglich die Kohleverstromung in Deutschland zu beenden".

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Ein Umdenken in der deutschen Atompolitik scheint derzeit mehr als unwahrscheinlich, da sich keine der drei Sondierungsparteien dafür stark macht. Wie eine mögliche kommende Regierung dem größer werdenden Energiebedarf bei ambitionierteren Klimazielen entgegen treten will, wird sich am Ende der Koalitionsverhandlungen zeigen. (dpa/Reuters/ DJ News/ skn)