Seit dem 18. Februar 2019 verschwunden

Zwei Jahre vermisst, aber nicht vergessen: Die Chronologie im Fall Rebecca Reusch

18. Februar 2021 - 11:45 Uhr

Eltern glauben fest daran: Rebecca Reusch lebt!

Seit nunmehr 730 Tagen ist Rebecca Reusch aus Berlin verschwunden. Die damals 15-Jährige hatte in der Nacht auf den 18. Februar 2019 bei ihrer älteren Schwester Jessica und deren Mann Florian R. übernachtet. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie das Haus nicht mehr lebend verlassen hat. Schwager Florian R. gilt auch heute noch als der einzige Verdächtige in dem Fall – Rebeccas Familie hält trotzdem weiter zu ihm. Wir haben eine Chronologie der Ereignisse erstellt.

Der Vermisstenfall Rebecca Reusch - vom 17. Februar 2019 bis heute

Renault Twingo
Das Auto von Rebeccas Schwester und deren Mann wurde am 18. Februar auf der Autobahn von Berlin ins südöstliche Brandenburg von einem Kennzeichenerfassungssystem registriert. Foto:Polizei Berlin
© deutsche presse agentur

17. Februar 2019: Die damals 15 Jahre alte Rebecca Reusch übernachtet im Haus ihrer großen Schwester Jessica (27) und deren Mann Florian R. (27) in Berlin-Britz.

18. Februar 2019:

  • 05:45 Uhr: Florian R. kehrt nach eigener Aussage von einer Feier nach Hause zurück.
  • 07:00 Uhr: Schwester Jessica verlässt mit ihrem Kind (2) das Haus.
  • 07:46 Uhr: Eine eigene Analyse der Familie Reusch durch einen IT-Experten habe ergeben, dass das Handy um 07:46 Uhr zum letzten Mal eingeloggt gewesen sei.
  • 08:15 Uhr: Rebeccas Freundin erwacht und sieht, dass sie via Snapchat ein Foto von der 15-Jährigen erhalten hat – ihr womögliches letztes Lebenszeichen. Eine Antwort erreicht Rebecca schon nicht mehr. Familie Reusch glaubt, dass dieses Foto irgendwann zwischen 07:00 und 07:46 Uhr an jenem Morgen gemacht und versendet wurde. Es müsse im Haus, genauer im Flur entstanden sein, so die Mutter.
  • 08:36 Uhr: Brigitte Reusch schickt ihrer Tochter eine WhatsApp-Nachricht. "Diese hat sie bekommen", sagt Frau Reusch. "Das heißt, sie muss irgendwo nochmal an einem Router vorbeigekommen sein, der ihr diese Nachricht übermittelt hat. Das kann an der Schule gewesen, an der Gropius Passagen oder auch bei ihr an der Gemeinde Dreieinigkeitskirche. Oder wo sie noch eingeloggt war."
  • 09:40 Uhr: Rebecca Reusch erscheint nicht zum Unterricht an der Walter-Gropius-Schule.
  • 10:47 Uhr: Der himbeerfarbene Renault Twingo von Jessica und ihrem Mann Florian wird vom Brandenburger Kennzeichenerfassungssystem KESY auf der A12 zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) in Fahrtrichtung Polen registriert.
  • Nachmittag: Als Rebecca Reusch nicht nach Hause kommt, melden die Eltern ihre jüngste Tochter als vermisst.

19. Februar 2019:

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  • 22:39 Uhr: Der Twingo des Schwagers wird erneut von einer Kamera auf der A12 zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) registriert. Die Ermittler sind sich sicher: Nur der Schwager hatte zu diesen Zeitpunkten Zugriff auf das Auto. Wohin er genau fuhr, ist unklar. Seine Aussagen dazu sind widersprüchlich und passen nach Angaben der Polizei nicht zu den Bewegungsdaten seines Wagens.

Am 28. Februar 2019 wird Rebecca Reuschs Schwager erstmals festgenommen

Schwager
Florian R., der Schwager der vermissten Rebecca Reusch aus Berlin.

21. Februar 2019: Die Polizei wendet sich mit einem Foto der vermissten Berliner Schülerin an die Bevölkerung und bittet um Hinweise zum Verbleib der 15-Jährigen.

23. Februar 2019: Die Mordkommission übernimmt die Ermittlungen in dem Fall, es könne "nicht mehr ausgeschlossen werden, dass das Mädchen einer Straftat zum Opfer gefallen ist". Die Ermittler veröffentlichen einen Zeugenaufruf und eine ausführliche Personenbeschreibung. Demnach habe habe Rebecca Reusch eine rosafarbene Plüschjacke, einen weißen Kapuzenpullover mit der Aufschrift "RAP MONSTER", eine blaue Jeans mit zerrissenen Knien, schwarz/weiße Sportschuhe der Marke "VANS" getragen und eine große beige-rosafarbene Handtasche sowie einen roten Rucksack dabei gehabt.

26. Februar 2019: Verwandte von Rebecca verteilen Flugblätter mit ihrem Foto, ihre acht Jahre ältere Schwester Vivien ruft bei Instagram zu einer Suchaktion im Stadtteil Rudow auf.

27. Februar 2019: Die Polizei sucht den Schulweg ab, setzt einen Hubschrauber ein und durchsucht Parks und Altkleidercontainer in Berlin-Britz.

28. Februar 2019: Polizei und Staatsanwaltschaft teilen mit, dass die Ermittlungen den "Verdacht einer Straftat erhärtet" haben. In diesem Zusammenhang sei eine Person festgenommen worden. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um den Schwager der Vermissten handelt.

Schwager verwickelt sich in Widersprüche: "Florian, rede einfach!"

ARCHIV - 01.03.2019, Berlin: Kriminaltechniker der Berliner Polizei untersuchen das Haus und den Garten der Schwester der verschwundenen 15-jährigen Rebecca. (zu dpa «Rebecca vor zwei Jahren verschwunden - Schwager weiter unter Verdacht») Foto: Bernd
Kriminaltechniker der Berliner Polizei untersuchen das Haus und den Garten der Schwester der verschwundenen 15-jährigen Rebecca.
© dpa, Bernd von Jutrczenka, bvj nic dna

1. März 2019: Die Ermittler schreiben erstmals öffentlich, dass sie im Fall Rebecca Reusch von einem Tötungsdelikt ausgehe, da es noch immer kein Lebenszeichen gebe. Am Vormittag durchsuchen Kriminaltechniker das Haus von Florian R. und seiner Frau in Berlin-Britz. Der 27-Jährige wird einem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser kann keinen dringenden Tatverdacht feststellen und ordnet an, den Schwager wieder auf freien Fuß zu setzen.

4. März 2019: Die Staatsanwaltschaft legt Beschwerde gegen die Freilassung ein, der Ermittlungsrichter erlässt "angesichts der gemeinsamen Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei Berlin" Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des Totschlags gegen Florian R. Der 27-Jährige wird noch am frühen Abend erneut festgenommen und kommt in U-Haft.

6. März 2019: Fotos des Schwagers und seines Twingos werden veröffentlicht. Am Abend tritt Michael Hoffmann vom Landeskriminalamt Berlin in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" auf und spricht von "seltsamen und klärungsbedürftigen Fahrten mit dem Auto". "Er hatte in seiner ersten Vernehmung eben keine nachvollziehbare Erklärung gegeben, wo er zu dieser Zeit war", erklärt Staatsanwalt Martin Glage. Hoffmann ist sich sicher, dass Rebecca das Haus nicht verlassen hat. Zur fraglichen Tatzeit sei der Schwager mit ihr alleine im Haus gewesen.

Aufsehen erregt in diesem Zusammenhang eine Aussage von Bernd Reusch in einem exklusiven RTL-Interview. Zu den ungeklärten Fahrten kurz nach Rebeccas Verschwinden sagt ihr Vater: "Die ganze Nummer hängt mit einer anderen Sache zusammen, die ich aber nicht sagen darf." Mit Rebecca habe das überhaupt nichts zu tun. "Florian, rede einfach! Klär das, damit die ganze Suche in die andere Richtung geht, und zwar in die richtige. Wir müssen Becci finden", appelliert Bernd Reusch an Florian R. Am 10. März 2019 kommen dann Gerüchte auf, der Schwiegersohn sei für Drogengeschäfte unterwegs gewesen. Der Leitende Staatsanwalt Martin Glage hält diese Theorie jedoch für wenig plausibel.

Wollte Rebecca Reusch aus Berlin sich mit einem Internetflirt treffen?

07.03.2019, Brandenburg, Kummersdorf: Am Donnerstag ist eine Hundertschaft der Berliner Polizei nach Brandenburg ausgerückt, um bei Storkow (Oder-Spree) ein Waldstück nach der vermissten Rebecca Reusch abzusuchen. "Wir gehen einem Hinweis nach", erkl
Eine Hundertschaft der Berliner Polizei durchsucht am 07. März 2019 mit Schaufeln und Stöcken ein Waldstück bei Storkow (Oder-Spree) nach der vermissten Rebecca Reusch.
© dpa, Patrick Pleul, ppl

07. März 2019: Die Spurensuche in dem himbeerroten Renault Twingo des Schwagers ist abgeschlossen, das Auto wird der Halterin übergeben. Kriminaltechniker fanden in dem Wagen angeblich Haare von Rebecca Reusch, sowie Fasern einer lilafarbenen Fleecedecke, die der Schülerin gehört und die ebenfalls verschwunden ist.

07. – 09. März 2019: Nach der ZDF-Sendung gehen rund 700 Hinweise bei den Ermittlern ein. Daraufhin durchsucht die Polizei mit einer Hundertschaft, einem Hubschrauber, Leichenspürhunden und Suchhunden ein Waldgebiet in Brandenburg zwischen den Orten Kummersdorf und Wolzig. Der Renault Twingo soll dort am 18. Februar gesehen worden sein. Am 10. März wird die Suche beendet.

12. März – 11. April: Es folgen zahllose weitere Suchaktionen – auch gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk (THW) und einem Bodenradargerät. Mit Tauchern, Leichenspürhunden und Echolot. In dem Gebiet entlang der Autobahn zwischen Berlin und der polnischen Grenze, auf dem Wolziger See in Brandenburg, am Herzberger See in Ost-Brandenburg, am Stahnsdorfer See und in mehreren Waldstücken südlich der A12. Nirgends findet sich auch nur eine Spur von der vermissten Rebecca Reusch. Am 13. April wird die Suche vorerst eingestellt.

13. März 2019: Die Anwältin von Florian R. legt Haftbeschwerde ein. In einem Interview berichtet Mutter Brigitte Reusch über eine Internetbekanntschaft ihrer Tochter. "Es gab da wohl tatsächlich jemanden. Einen Max oder Maxi", sagt sie. Das habe Rebecca ihr im Januar erzählt. Außerdem habe sie gesagt, dass er sie bald besuchen kommen wolle. "Ich sagte ihr, dass sie ihn auf keinen Fall allein treffen dürfe […] Sie versprach mir, jemanden mitzunehmen." Brigitte Reusch vermutet, dass sie sich am 18. Februar doch mit ihm verabredet haben könnte – auch, weil eine pinke Fleecedecke zusammen mit ihrer Tochter verschwand. "Vielleicht hat sie diesen Jungen getroffen und die Decke mitgenommen, um sich draufzusetzen", erzählt sie der "Bunte".

14. März 2019: Schwester Vivien bestätigt den Internetflirt in einer Instagram-Story. "Die Polizei weiß seit Tag eins davon", sagt sie.

15. März 2019: Vater Bernd Reusch erzählt im RTL-Interview, dass das Instagram-Profil von Max oder Maximilian seit dem 20. Februar gelöscht sei. Er halte seinen Schwiegersohn nach wie vor für unschuldig und macht den Ermittlern Vorwürfe, die seiner Ansicht nach zu einseitig vorgehen. Später stellt Staatsanwalt Martin Glage klar, dass man dem Hinweis mit dem Internetflirt nachgegangen sei, sich diese Spur aber "zerschlagen" habe.

16. März 2019: Wieder sucht die Polizei mit drei Mantrailer-Hunden nach "Becci". Dieses Mal an Anschlussstellen der A12 zwischen Friedersdorf und Frankfurt (Oder). Zu diesem Zweck sperrten die Ermittler auch Autobahnabfahrten. Die Hunde sollen die Spur von Rebeccas Schwager Florian R. erschnüffeln, erklärt die Polizei RTL. Auf diese Weise versuche man zu rekonstruieren, wohin er mit seinem Renault Twingo gefahren sei. In der Nähe der Ausfahrt Fürstenwalde West schlagen die Hunde tatsächlich an. Daraufhin wird eine Landstraße abgesucht. Am Scharmützelsee endet die Suche bei Einbruch der Dunkelheit. Familie Reusch erfährt aus dem Radio von der neuerlichen Suche. Florian wurde in Frankfurt (Oder) geboren und hat viele Verwandte in der Gegend, kennt sich dort gut aus.

18. März 2019: Die Polizei sucht mit Spürhunden auf dem Wolziger See in Brandenburg nach Hinweisen – vergeblich. Die Suche wird am Nachmittag ohne Ergebnis beendet.

21. März 2019: Brigitte Reusch verfolgt auf eigene Faust eine Spur, die nach Lelkendorf führt, ein kleines Dorf bei Rostock. RTL darf die Mutter und Schwester Vivien begleiten – doch ein Hinweis entpuppt sich als Lüge.

22. März 2019: Florian R. wird aus der Untersuchungshaft entlassen, da Zweifel am dringenden Tatverdacht des Totschlags bestehen. Er gilt bei den Ermittlern weiter als verdächtig, ihnen fehlen jedoch die Beweise. Die Staatsanwaltschaft erwägt dieses Mal nicht, Beschwerde gegen die Freilassung einzulegen.

Immer wieder Suchaktionen - und eine junge Zeugin

Rebecca als kleines Kind.
Rebecca Reusch aus Berlin als kleines Kind.
© Instagram

25. März 2019: Rebeccas Schwester Jessica äußert sich im Interview mit RTL erstmals zu den Vorwürfen gegen Florian R.. Sie sagt: "Mein Mann ist unschuldig!"

29 März 2019: Wieder sucht die Polizei mit einem Spürhund nach Rebecca Reusch. Dieses Mal südlich der A12 Berlin-Frankfurt (Oder). Unterdessen ist sich ihre Mutter Brigitte im RTL-Interview sicher, dass die 15-Jährige "irgendwo festgehalten wird". Sie fleht die vermeintlichen Entführer an: "Ich möchte darum bitten, wenn diejenigen mich hören, sie endlich freizulassen."

10.-11. April 2019: Zwei Tage lang durchkämmt eine Hundertschaft die Gegend am Herzberger See, ein abgesperrtes Gebiet zwischen Diensdorf-Radlow und Glienicke im westlichen Landkreis Oder-Spree in Brandenburg nahe der A12.

16. April 2019: Erneut durchsucht die Polizei mit einer Hundertschaft das abgesperrte Waldgebiet in Diensdorf-Radlow bei Bad Saarow. Auch ein Leichenspürhund und ein Hubschrauber sind im Einsatz.

17. April 2019: Über 2.000 Hinweise sind bei der Polizei eingegangen, darunter auch ernstzunehmende, sagt Martin Stelter, der Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Das ist alles andere als ein Cold Case." Für die Ermittler gilt weiterhin Rebeccas Schwager Florian R. als Hauptverdächtiger. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass Rebecca tot ist.

18. April 2019: Hatte Rebecca Reusch kurz vor ihrem Verschwinden Streit? So zumindest schildert es ein zehn Jahre altes Mädchen. Es habe seiner Mutter erzählt, Rebecca am Tag ihres Verschwindens noch vor der Walter-Gropius-Schule gesehen zu haben. "Unserer Bekannten hat sie berichtet, dass das Mädchen hübsch und groß war und dass sie fürchterlich geweint hat", sagt Brigitte Reusch RTL. "Sie konnte sich wohl losreißen und ist dann weggerannt." Offenbar hatten sie die Jungs vorher festgehalten.

Immer wieder melden sich auch Leute direkt bei den Eltern. "Es hat jemand angerufen und gesagt, dass er Rebecca in Polen gesehen hat, in einem Kaufhaus in Begleitung eines Mannes", erzählen Rebeccas Eltern RTL. Der Informant, ein Mann, sei dann angeblich nach Hause gefahren und habe sich nochmal Fotos der Vermissten angesehen und sei sich dann sicher gewesen: Es war Rebecca. Sie habe deutsch gesprochen und eine Zahnspange getragen. Ein Detail, dass in den Medien zuvor nicht erwähnt worden war. Bernd Reusch habe die Mordkommission über den Hinweis informiert.

17. Mai 2019: Die Eltern schreiben einen offenen Brief. Darin heißt es unter anderem: "Wir sind verloren in unsere Angst."

18. Mai 2019: Die Polizei bestätigt RTL, dass seit April nicht mehr nach Rebecca gesucht wird.

Video zeigt Rebecca nur zwei Tage vor ihrem Verschwinden

3. – 4.September 2019: Gibt es wieder Hoffnung? Ermittler suchen zwei Tage lang mit 100 Einsatzkräften, Kriminaltechniker und fünf Leichensuchhunden im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg nach dem vermissten Teenager. Aus Ermittler-Kreisen erfährt RTL exklusiv, dass vor wenigen Tagen in dem Waldgebiet beim routinemäßigen Abarbeiten von Hinweisen ein Spürhund angeschlagen haben soll. Daraufhin hat die Polizei wieder eine großangelegte Suche in dem Gebiet gestartet. Möglicherweise hat die Hitze in den vergangen Wochen Spuren freigelegt, die bei der großen Suche im März noch verdeckt waren. Doch am 05. September folgt die Ernüchterung: Man habe Rebecca nicht gefunden.

20. November 2019: Neue Untersuchungsergebnisse entlasten angeblich den Schwager. Die in seinem Auto sichergestellten blonden Haare, die die Ermittler Rebecca zugeordnet hatten, sollen nach RTL-Informationen nicht von der Vermissten stammen. Inzwischen sei eine kriminaltechnische Untersuchung erfolgt, die das widerlege. Die Haare von Rebeccas Schwester haben demnach eine ähnliche Länge und Farbe. Auch der Einsatz eines erfahrenen Leichenspürhundes hätte nicht ergeben, dass im Auto eine Leiche transportiert wurde.

18. Dezember 2019: Rebeccas Vater, Bernd Reusch, verrät im Interview mit RTL, dass er damals der Polizei helfen sollte, seinen unter Mordverdacht stehenden Schwiegersohn zu überführen. Und das, obwohl er nie an die Schuld von Florian R. geglaubt habe.

13. Februar 2020: Einem RTL-Technikexperten ist es in Zusammenarbeit mit ihrer Familie gelungen, ein Back-up von Rebeccas Handy wiederherzustellen. Das bisher unveröffentlichte Material wird über einen Anwalt der Polizei übergeben. Unter den wiederhergestellten Daten sind mehrere Fotos, aber auch zwei Tik Tok-Videos, die Rebecca nur zwei Tage vor ihrem Verschwinden zeigen. Im Interview mit RTL erzählt Brigitte Reusch, dass sie noch immer daran glaubt, dass ihr Kind lebt.

Und sie bringt im Gespräch mit RTL eine neue Theorie zu jenem Tag ins Spiel, an dem Rebecca verschwand. Sie glaube, dass Rebecca geplant hatte, Fanfotos für die südkoreanische Boyband BTS zu machen, die sie so sehr mochte. Lila sei die Farbe der K-Pop-Gruppe und auch die Fleecedecke, die Rebecca mitgenommen haben könnte und die ebenfalls seit dem 18. Februar verschwunden ist, sei lila. Die Mutter sieht da einen deutlichen Zusammenhang. Außerdem habe ihre Tochter ein Sweatshirt der Band und ihre Polaroid-Kamera mitgehabt. Ein weiterer merkwürdiger Zufall: "J-Hope", eines der Bandmitglieder, hat am 18. Februar Geburtstag. Wollte Rebecca vor der Schule also wirklich noch Fotos für ihr Idol machen?

21. Mai 2020: Ermittler suchen Rebecca Reuschs Handy im Ausland. "Wir wollen nichts unversucht lassen und haben ein Rechtshilfeersuchen an die zuständigen Stellen gestellt", sagte Staatsanwalt Martin Glage.

Mädchen auf Foto sieht Rebecca zum Verwechseln ähnlich

Dieses Bild wurde Rebeccas Eltern anonym zugesandt. Zu sehen sein soll angeblich ihre verschwundene Tochter.
Dieses Bild wurde Rebeccas Eltern anonym zugesandt. Zu sehen sein soll angeblich ihre verschwundene Tochter.
© privat

16. Juni 2020: Rebeccas Familie wird anonym via Instagram ein Foto zugespielt. Darauf zu sehen: Ein Mädchen, das "Becci" zum Verwechseln ähnlich sieht. "Als ich das Bild sah, schlug mein Herz erst einmal schneller, ich dachte, kann das sein?", sagt Brigitte Reusch.

17. Juni 2020: Das Verifizierungsteam von RTL entdeckt das Foto auch auf Sex-Portalen. "Am 31. März wurde dieses Foto auf diversen Online-Plattformen für Dating und Sex hochgeladen mit einem Profil dahinter von einer jungen Frau in Osnabrück", sagt Andreas Greuel. Es bleibe weiter unklar, ob es sich bei der jungen Frau tatsächlich um die Vermisste Rebecca Reusch handele. "Es kommt nicht selten vor, dass Leute irgendwelche Inserate auf solchen Plattformen hochladen und sich vorher bei Instagram oder anderen sozialen Netzwerken irgendwelcher Bilder bedienen und die dann einfach da hinterlegen, ohne dass diese Personen das wissen". Spezialisten der Gesichtserkennung überprüfen, ob das Mädchen aus dem Internet wirklich Rebecca sein kann.

4. Dezember 2020: RTL erfährt aus Ermittlerkreisen von einem Verdacht der Polizei: Die vermutet, dass ein verlorener Ehering der Grund für die zweite Fahrt von Florian R. am 19. Februar 2019 gewesen sein könnte. Die Theorie: Rebecca Reuschs Schwager könnte den Ring nach der möglichen Beseitigung der Leiche vermisst haben und dann erneut losgefahren sein, um ihn zu suchen. Brigitte Reusch weist das entschieden zurück. Der Ring sei erst später, nämlich kurz nach der Festnahme von Florian R. verschwunden. "Der Ehering war bei der Verhaftung noch in der Jacke von meinem Schwiegersohn. Dieser wurde dann nicht mehr bei der Polizei aufgefunden. Meine Tochter hat da noch hinterhergeschrieben. Er war nicht mehr zu finden", sagt sie RTL. "Aber wir haben ihn hier noch gesehen, weil die Ermittler ihn festgenommen haben und die Jacke blieb hier hängen. Später haben die Ermittler die Jacke abgeholt und in der Zwischenzeit haben wir geguckt, was er in der Jacke hat. Und da war dieser Ring. Nicht untypisch, wenn er arbeiten ist, macht er den Ring ab."

Ein Schläger? Investigativ-Podcast wirft neues Licht auf Florian R.

Die wichtigsten Meilensteine im Vermisstenfall Rebecca Reusch.
Die wichtigsten Meilensteine im Vermisstenfall Rebecca Reusch.
© RTL Grafik

19. Dezember 2020: Intensive Recherchen der beiden Journalistinnen Miriam Arndts und Lena Niethammer fördern einige Informationen zum Fall Rebecca zu Tage, die in der Öffentlichkeit bislang nicht bekannt sind. Sie stoßen bei der Arbeit für ihren Podcast "Im Dunkeln - Der Fall Rebecca Reusch" auf eine Zeugin, die der Polizei einen Hinweis zu einem bestimmten Waldgebiet bei Kummersdorf gegeben hatte. In dem investigativen Podcast spricht die Frau über einen "auffälligen Mann" mit Baseballkappe, den sie am Tag von Rebeccas Verschwinden kurz vor Mittag bei einem Ausritt dort gesehen haben will. Er sei direkt aus dem Wald gekommen und habe sich ständig in alle Richtungen umgesehen. Bekannt war schon, dass ein anderer Zeuge ein Auto, das aussah wie der himbeerrote Renault Twingo des Schwagers, nahe einem Wald beim Ort Kummersdorf südlich der Autobahn gesehen hatte.

19. Januar 2021: In demselben Podcast spricht eine angebliche Ex-Freundin namens Angie und erhebt schwere Vorwürfe gegen Florian R.. Er sei fremdgegangen und soll sie geschlagen haben. In der Beziehung sei es auch zu sexueller Gewalt gekommen. Beweise für die Vorwürfe habe sie nicht. Sie sei damals nicht zur Polizei gegangen. Rebeccas Schwager wurde also auch nie juristisch für seine angeblichen Gewaltausbrüche belangt. Angie betont den Journalistinnen zufolge, dass sie sich aber nicht vorstellen könne, dass er der 15-Jährigen etwas angetan habe. Das habe sie auch der Polizei erzählt, die nach Rebeccas Verschwinden im Umfeld von R. ermittelte und auch ihr Fragen zu ihrem ehemaligen Freund stellte.

5. Februar 2021: Der Fall ist nicht abgeschlossen, betont Staatsanwalt Martin Steltner. Er sei kein "Cold Case". "Wir suchen weiter nach Rebecca. In den vergangenen zwei Jahren haben wir Tausende Hinweise aus der Bevölkerung abgearbeitet, sind ihnen nachgegangen und tun das auch weiterhin." Der Schwager, Florian R., stehe weiter im Verdacht, das Mädchen getötet zu haben. "An den Verdachtsmomenten hat sich nichts verändert. Es ist ein Verdacht, nicht mehr und nicht weniger." Es habe sich damals gezeigt, "dass Rebecca plötzlich und spurlos verschwunden ist, ohne dass es irgendwelche Hinweise darauf gab, dass sie freiwillig verreist, untergetaucht oder gar entführt worden sein könnte".

Rebeccas Mutter Brigitte Reusch glaubt jedoch auch zwei Jahre nach dem Verschwinden ihrer Tochter, dass sie noch lebt und womöglich irgendwo gegen ihren Willen festgehalten wird. Die Familie hält weiterhin zu Florian R. Der Anwalt der Familie kritisiert das Vorgehen der Ermittler. Laut Khubaib-Ali Mohammed haben sich die Behörden zu sehr auf eine Richtung festgelegt, obwohl es keine Beweise gibt, dass Rebecca getötet wurde.