Vor einem Jahr verschwand die Schülerin spurlos

Rebeccas Mutter Brigitte Reusch: "Für mich lebt sie"

15. Februar 2020 - 7:47 Uhr

Im Video: So war das Jahr ohne Rebecca

"Wann ist dieser Albtraum zu Ende?" Seit einem Jahr ist ihre Tochter Rebecca verschwunden. Ein Jahr voll Trauer, Verzweiflung, Bangen – aber auch Hoffnung. Und die gibt Brigitte Reusch nicht auf. Im Interview mit RTL schildert sie, wie ihre Familie das letzte Jahr ohne Rebecca erlebt hat. Warum sie fest davon überzeugt ist, dass ihre Tochter noch lebt - im Video.

Seit Rebecca weg ist, ist es still

Jeden Morgen und jede Nacht begrüßt Brigitte Reusch das große Foto ihrer verschwundenen Tochter, das sie aufgestellt hat. "Guten Morgen mein Schatz" oder "Guten Morgen Püppie", sagt sie dann. Seit Rebecca weg ist, sei es still in dem Haus, erzählt sie. "Ich habe ihr die Brote gemacht, dann hat sie schnell gefrühstückt oder ich habe es ihr hinterhergetragen, weil sie sich ja noch fertig gemacht hat. Und teilweise hat sie so lange getrödelt, dass sie dann den Bus verpasst hat […] Wir hatten morgens immer Hektik und jetzt ist Ruhe."

Fotos und Videos sind das Einzige, das Brigitte Reusch derzeit von ihrer Tochter hat. Knapp ein Jahr nach ihrem Verschwinden konnte ein RTL-Experte mit Hilfe der Familie sogar ein Handy-Back-up von Rebecca Reusch wiederherstellen - darunter waren auch die beiden letzten Videos, die Rebecca vor ihrem Verschwinden aufgenommen hat.

Rebeccas Mutter Brigitte vor dem Bild ihrer Tochter
Im Haus der Familie steht ein großes Bild von Rebecca - umringt von Blumen und Kerzen.
© RTL

Falsche Verdächtigungen und Spekulationen belasten Familie Reusch schwer

In den Tagen und Wochen direkt nach Rebeccas Verschwinden habe sie kaum schlafen können. "Da habe ich eigentlich nur funktioniert, aber ich habe nicht richtig drüber nachgedacht, warum muss ich das überhaupt machen", beschreibt Brigitte Reusch den Zustand, in dem sie sich damals befand. Von allen Seiten prasseln damals Mitleidsbekundungen und mögliche Hinweise auf die Familie ein. Aber es gibt auch Kritik und Verdächtigungen gegen die Familie. "Es gab Menschen, die uns Kraft geben wollten, aber auch viele, die eben mit Verdächtigungen und Beschimpfungen oder Tipps oder Hellseher – also es gab alles. Es gab durch die Bank alles. Ich war entsetzt, wie weit die Menschen gehen." Die Spekulationen im Internet seien besonders schlimm, so Rebeccas Mutter.

In diversen Internet-Foren ist auch ihr Schwiegersohn Florian R., der kurz nach dem Verschwinden von der Polizei verhaftet worden und dann wieder freigelassen worden war, immer wieder Thema. Die Verhaftung von Florian R. in der eigenen Küche sei der schlimmste Moment für sie gewesen, erzählt Brigitte Reusch. Als sie ihm dann auf der Polizeiwache gegenüberstehen mussten, hätten sie und ihr Mann aber gleich so ein Bauchgefühl gehabt: Nein, das ist es nicht. Die Familie ist bis heute von seiner Unschuld überzeugt.

Mutter glaubt an Entführung von Rebecca Reusch

Ihr Bauchgefühl sagt Brigitte Reusch auch, dass ihre Tochter noch lebt: "Ich denke, dass sie wirklich weggesperrt ist […] Bei irgendeinem Spinner, der sie einfach nur festhält. Für mich lebt sie." Trotzdem könne sie auch mit dem Tod ihrer Tochter umgehen. Denn das Schlimmste sei für sie die Ungewissheit. "Mit dem Tod könnte ich umgehen, aber die Ungewissheit, was ist mit ihr – das ist furchtbar."

Rebecca Reusch mit ihrem Vater Bernd
Familie Reusch hat immer gern Weihnachten gefeiert - Tradition war es, dass Rebecca den Stern auf die Baumspitze steckte.
© privat

Familienfeste ohne Rebecca sind besonders schlimm

Traditionelle Familienfeste wie Weihnachten und Silvester sind besonders schlimm für Familie Reusch. Zu Weihnachten sei ihnen nicht nach Feiern oder Deko gewesen, hatte Brigitte Reusch im Dezember noch im RTL-Interview gesagt. "Silvester müssen wir ehrlich sagen, waren wir alle sehr traurig in dem Jahreswechsel, sonst immer feuchtfröhlich. Wir hatten hier wirklich fünf Minuten Gruppenumarmung und nur geweint."

Wie sie das alles bisher schaffen konnte? Das wisse sie selbst nicht genau, sagt Brigitte Reusch. "Mein Glaube, meine Hoffnung, die Liebe, die wir alle haben – ich glaube das gibt mir die Stärke."

TVNOW Doku "Wo ist Rebecca? Ein Jahr vermisst"

Wie Rebecca Reuschs Eltern jetzt, ca. ein Jahr nach dem Verschwinden ihrer Tochter, den Alltag bewältigen, sehen Sie in der TVNOW Doku "Wo ist Rebecca? Ein Jahr vermisst".