Reise ins Problem-Netz: Nur jeder zweite Zug pünktlich! DAS läuft schief bei der Deutschen Bahn
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Zugausfälle, Verspätungen, Frust – was ist los bei der Deutsche Bahn? Wir begleiten einen ICE einen ganzen Tag lang von Dortmund bis Frankfurt und schauen hinter die Kulissen eines Konzerns im Dauerkrisenmodus. Marode Gleise, 26.000 Baustellen im Jahr und uralte Stellwerke bringen das Netz an seine Grenzen. Mehr seht ihr im Video!
Was ist los, Deutsche Bahn? Die Pünktlichkeit der Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn hat im vergangenen Jahr weiter nachgelassen.
Bauwahn macht Bahn lahm. Die Deutsche Bahn hat bei der Pünktlichkeit im letzten Monat schon wieder einen neuen Tiefstand erreicht.
Wir fahren einen Tag mit dem ICE durchs Land – vom Ruhrgebiet in Dortmund geht es südwärts – und wir beleuchten die Probleme.
Um in Frankfurt dann ins Hirn der Deutschen Bahn vorzustoßen. Arbeiten auf der Baustelle – so sieht’s aus. Und ja, auch nach diesem Tag frage ich mich: Was ist los, Deutsche Bahn?
„Ganz ehrlich: Ich fahre total gerne Bahn. Ich finde es angenehm, komfortabel und so weiter. Aber ich ärgere mich auch andauernd. Ausfälle, Verspätungen – Deutschlands liebstes Aufregerthema neben Wetter, Streusalz oder Gil Ofarim. Es wird, glaube ich, ganz dringend Zeit, mal einen genauen Blick darauf zu werfen: Was ist da los bei der Deutschen Bahn?"
Und das haben wir heute den ganzen Tag gemacht. Es ging richtig früh los. Wenn ein Zug morgens von Dortmund aus losfährt, dann hat er vorher hier übernachtet und wurde von Stefan Terlau und seinem Team vorbereitet.
Jetzt haben wir gut eine Stunde vor der Abfahrt des Zuges. Diese Züge befinden sich seit ungefähr 22:00 Uhr hier im Betriebsbahnhof.
Seit 22:00 Uhr wird daran gearbeitet.
Wenn man es genau nimmt: Der Zug besteht heute aus zwei Teilen. Einer war schon um 18:00 Uhr hier, einer ist um 22:00 Uhr gekommen. Wir haben verschiedene Bereitstellungsprozesse an den Zügen durchgeführt – so nennen wir das. Das ist unser Tagesgeschäft. Beide Zugteile waren bereits in der Instandhaltung.
Trotzdem kann es zu einer verspäteten Bereitstellung kommen – wie bei uns gestern auf dem Weg von Berlin nach Dortmund. Was kann da passiert sein?
Wir hatten hier tatsächlich Tauben an der Oberleitung. Die haben wir dann in der Fahrzeughalle rausgelassen, weil so eine Taube durchaus zu einem Kurzschluss führen kann.
Kollege Heiko Bauer kümmert sich mit seinem Team darum, dass die Züge – sofern sie taubenfrei sind – auch sauber losfahren. Ihre Schicht geht langsam zu Ende.
Ja, eine ganze Nacht Arbeit. Unsere Mitarbeiter schaffen im Schnitt acht Züge pro Nacht. Rund 50 Minuten haben wir Zeit, um mit einem Trupp einen Zug wieder auf Vordermann zu bringen.
Oliver ist der Bereitstellungslokführer und liefert den Zug pünktlich am Dortmunder Hauptbahnhof ab.
Jetzt übernimmt das Team von Eileen Junklewitz. Eileen ist Zugchefin und macht sich erst einmal auf Kontrollgang.
Was ich vor der Fahrt schon geprüft habe, ist zum Beispiel, ob genug Notfallwasser vorhanden ist. Falls wir Verspätung haben, haben unsere Fahrgäste Anspruch auf Fahrgastrechte – dazu gehören auch Getränke. Die sind hier gelagert, und es muss immer ein gewisser Bestand vorhanden sein.
Gelegentlich wird das auch gebraucht.
Auf den ersten Kilometern kommen wir schwer voran. Im Ruhrpott heißt es: Der Zug hält an jedem dicken Baum – oder eben in Bochum, Essen, Duisburg. Und so sammeln wir die ersten Verspätungsminuten ein.
Hier im Ruhrgebiet kommt das häufig vor, weil von der S-Bahn über den Regionalexpress bis hin zum Fernverkehr alles auf denselben Gleisen fährt.
Ist das für ein so hochfrequentiertes Gebiet wie das Ruhrgebiet vielleicht zu wenig Gleis?
Vielleicht sind es eher zu viele Züge. Aber wir haben viele Fahrgäste – also brauchen wir auch viele Züge.
In Duisburg wird gebaut. Einige Gleise stehen nicht zur Verfügung. Eine Großbaustelle mit Folgen.
Das Streckennetz der Deutschen Bahn ist marode. Die Baustelle hier ist eine von 26.000 in diesem Jahr. Ein Riesenprojekt für 300.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dazu kommt: 2.000 von 4.000 Stellwerken arbeiten noch mit Vorcomputertechnik.
Reichlich Gründe für Frust bei Fahrgästen – auch wenn es heute bei 15 Minuten Verspätung bleibt.
Nur 60,1 Prozent aller Züge waren 2025 pünktlich. Im Januar 2026 sogar nur 52,1 Prozent. Vier Prozent aller Fernzüge sind ausgefallen – viermal so viele wie im Vorjahr.
Das Bahnnetz wurde über Jahrzehnte kaputtgespart. Die Investitionen ziehen erst seit Kurzem an – und die Konsequenzen fahren verspätet durchs Land.
Ganz ehrlich: Wir sind entspannt, weil wir in den Urlaub fahren. Wenn ich zur Arbeit müsste, fände ich das nicht witzig.
Ist das ein Fehler der Bahn oder des Staates?
Wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Mit einem so großen Sondervermögen müssen sie es jetzt schaffen. Wenn nicht, wäre das ein riesiges Armutszeugnis.
Klar, die Deutsche Bahn verschuldet viele Negativschlagzeilen selbst. Aber kürzlich traf sie ein Schicksalsschlag, für den sie nichts kann: Ein Zugbegleiter wurde bei Koblenz von einem Fahrgast im Dienst getötet.
Seitdem werden Kontrolleure, die es wünschen, mit Bodycams ausgestattet. Übergriffe auf Bahnpersonal geschehen viel zu häufig.
Keine zweieinhalb Stunden nach Abfahrt kommen wir mit 13 Minuten Verspätung in Frankfurt an.
In der Verkehrsleitung werden rund 900 Fernfahrten am Tag überwacht. Unser Zug hat inzwischen 90 Minuten Verspätung – Grund war eine Weichenstörung.
Vier Minuten können entscheidend sein, wenn es um Anschlüsse geht. Dann kann aus wenigen Minuten schnell eine Stunde werden.
Jan entscheidet mithilfe moderner Systeme, welche Anschlüsse warten können und welche nicht.
Je mehr gebaut wird, desto eingeschränkter sind die Kapazitäten im Netz – und desto anspruchsvoller wird die Arbeit in der Verkehrsleitung.
Also, was ist los, Deutsche Bahn?
Überall wird gebaut und investiert, damit es besser wird – pünktlicher, verlässlicher, komfortabler. Aber weil Politik und Bahn zu lange zu viel haben schleifen lassen, wird es erst einmal schlechter, bevor es in den 2030er-Jahren wieder bergauf gehen kann.
Wie bei einem Fieber.
Wäre doch gut, wenn Staat und Unternehmen künftig besser auf das größte öffentliche Bahnnetz Europas aufpassen. Denn eigentlich ist es ziemlich cool.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche
