Nach Skandal-Aufnahmen aus SchlachthofSchweine ersticken vor dem Schlachten! Gibt es keine andere Lösung?

Ist das Leid alternativlos?
Bevor sie geschlachtet werden, werden rund 80 Prozent der Schweine in Deutschland in einer Grube mit CO₂ betäubt. Die Methode ist legal, aber seit Jahren umstritten. Nach den Aufnahmen aus einem Schlachthof in Kellinghusen (Schleswig-Holstein) steht sie mehr denn je in der Kritik. Doch gibt es überhaupt eine schmerzfreie Lösung für die Tiere? Wissenschaftler Daniel Mörlein klärt auf.
Universität Göttingen forscht zu alternativen Gasen
Bei der CO₂-Betäubung werden die Schweine in Gruppen in eine Gondel getrieben und in eine Grube mit hoch konzentriertem Kohlendioxid abgesenkt. Bis die Tiere das Bewusstsein verlieren, vergehen Sekunden, die für die Schweine extrem belastend sind: Atemnot, Hyperventilation, Schreie und Fluchtversuche. Weil sich auch die Wissenschaft einig ist, dass dieser Vorgang tierschutzrechtlich problematisch ist, forscht Dr. Daniel Mörlein von der Universität Göttingen an alternativen Betäubungsmethoden für Schweine.
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Die Atemnot der Schweine bei der CO₂-Methode hat mehrere Ursachen. Wenn der Stoff mit Wasser in Kontakt kommt, bildet sich Kohlensäure. Diese kann die Schleimhäute reizen. Außerdem löst die hohe CO₂-Konzentration Atemnotreflexe aus. Deshalb beschäftigt sich die Forschung mit alternativen Gasen, darunter Argon und Stickstoff. Sie sollen die Schweine betäuben, ohne die gleichen unangenehmen Reaktionen hervorzurufen. In einem Forschungsprojekt der Universität Göttingen wurden diese Alternativen bereits getestet. Die Ergebnisse klingen vielversprechend: „Die Fleischqualität bleibt gleich und der Tierschutz wird besser, weil die Tiere deutlich kürzere Abwehrreaktionen zeigen”, verrät der Wissenschaftler im Gespräch mit RTL.
Doch bevor die Alternativen in großen Schlachthöfen eingesetzt werden können, muss noch geprüft werden, ob sich die Verfahren technisch überhaupt umsetzen lassen. Auch die Kosten könnten steigen, so Mörlein, denn bei der Betäubung mit Argon müssen die Tiere länger in der Betäubungsatmosphäre bleiben. „Und das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Durchsatz, also wie viele Tiere ich pro Stunde schlachten kann, reduziert wird”, sagt er.
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CO₂-Betäubung habe für Schlachthöfe auch Vorteile
Dr. Daniel Mörlein ist es wichtig zu betonen, dass die CO₂-Betäubung nicht ausschließlich Nachteile hat. Für Schlachthöfe biete das Verfahren ganz praktische Vorteile: Viele Schweine können gleichzeitig betäubt werden, die Bewusstlosigkeit ist tief und hält lange an. Auch die Fleischqualität gilt als gut. Bei Alternativen wie der Elektrobetäubung müssen die Schweine dagegen häufig einzeln voneinander getrennt werden. Das kann für die Tiere zusätzlichen Stress bedeuten.
Im Video: Diese Bilder zeigen mutmaßliche Tierquälerei
Die meisten Schlachtbetriebe in Deutschland setzen also auf die bisher tragbarste Lösung: die CO₂-Betäubung. Durch Forschungsprojekte wie das von Dr. Daniel Mörlein könnte sich das künftig ändern. Wie sich eine Alternative auf die Kosten auswirken könnte, hat er beispielhaft an einem Betrieb berechnet: „Da kam raus, dass das pro Kilo Schweinefleisch einen Cent ausmacht.”
Die Schätzung lasse sich allerdings nicht ohne Weiteres auf andere Schlachtbetriebe übertragen. Und ob die Unternehmen die Mehrkosten selbst tragen oder ob sie an die Verbraucher weitergeben werden, sei ebenfalls noch offen.
Verwendete Quellen: Eigene RTL-Recherche

































