,,Willkommen zurück bei RTL Nord. Und da richten wir jetzt den Blick nach Hannover. Am Sonntag wird ja in den Städten und Gemeinden bei uns im Land gewählt. Und in der Landeshauptstadt, da geht es um nichts Geringeres als um den Kampf ums Rathaus. Bleibt Oberbürgermeister Belit Onay im Amt oder muss er seinen Posten räumen? Seit 2019 steht der 45-Jährige ja an der Spitze der Landeshauptstadt, wird damals bundesweit das erste Stadtoberhaupt mit türkischen Wurzeln. Gleichzeitig gelingt es dem Grünen-Politiker, die jahrzehntelange Vorherrschaft der SPD zu durchbrechen. Entsprechend groß waren aber auch die an ihn gerichteten Erwartungen. Hat er die alle erfüllen können? Bzw. Reicht das für eine Wiederwahl aus? Denn nicht jeder in Hannover ist davon überzeugt. Ja, fragen wir doch direkt mal nach, und zwar beim Oberbürgermeister bei Belit Onay. Schönen guten Abend."
,,Hallo, schönen guten Abend."
,,Herr Onay. Sieben Jahre stehen Sie jetzt an der Spitze der Landeshauptstadt. Sieben Jahre, in denen Sie jetzt regieren. Wie fällt Ihre Bilanz aus? Also haben Sie es verdient, wiedergewählt zu werden?"
,,Ja, die sieben Jahre waren sehr intensiv. Das kann man, glaube ich, so sagen. Ich bin 2019 gewählt worden. 2020 hatten wir die Corona Pandemie. Die ganze Republik, aber auch Hannover stand unter diesen Eindrücken. Danach der Krieg in der Ukraine mit Energieengpässen, Gasmangellage und all den Krisen, die wir eben in dieser Zeit zu bewältigen hatten. Wir sind, glaube ich, gut durch diese Krisen gekommen als Landeshauptstadt. Gleichzeitig ist es in den letzten Jahren aber auch gelungen, viele Themen schon zu Beginn der Transformation Energiewende, Wärmewende, Verkehrswende, sozialer Zusammenhalt. All das ist in Hannover auf einem guten Weg. Das will ich aber auch gerne weiter voranbringen und weiter fortsetzen. Insofern, glaube ich, ist die Bilanz in Ordnung und gut. Aber es muss noch weitergehen."
,,Sie haben schon einige Dinge angesprochen und sind ja auch mit großen Ambitionen gestartet. Sie wollten unter anderem auch die Verkehrswende vorantreiben, die Stadt lebenswerter machen, den Ausbau der Fahrradwege, also die Velorouten. Das hat, glaube ich, ganz gut geklappt. Das ist durchaus sichtbar. Ihr Prestigeprojekt, die Innenstadt autofrei zu machen, das muss man sagen, ist aber auch eher krachend gescheitert. Haben Sie da am Ende zu viel versprochen?"
,,Nein, nein, ganz im Gegenteil. Ich würde auch nicht sagen, dass es gescheitert ist, sondern wir fangen gerade in Hannover ja an mit dem Umbau auch der Innenstadt, an ganz, ganz vielen Orten. Wir haben den Steintorplatz, der umgebaut wird. Rund um die Oper wird sich vieles verändern, viel attraktiver werden. Ein Kulturdreieck entstehen, also auch der öffentliche Raum deutlich attraktiver werden. Wir haben gerade in der letzten Woche ein Parkhaus eröffnet mit einem Roof Garden, also Dachbegrünung. Also auch das Thema Klima, Aufenthaltsqualität, Kultur, Sport mit den Finals in diesem Jahr. Also die Innenstadt entwickelt sich gut weiter, ist auch unter den Top fünf deutschlandweit, was die Besucherfrequenz angeht und auch die Mobilitätswende ist dort spürbar. Auch hier in der Stadt insgesamt. Auch der Autoverkehr ist 17 % zurückgegangen, 20 % mehr Radverkehr. Das liegt auch an den guten Infrastrukturprojekten wie den Velorouten."
,,In den Augen vieler Bürgerinnen und Bürger hat sich die Innenstadt ja tatsächlich verändert, allerdings auch zum Nachteil. Es gibt viele Leerstände, viel Verwahrlosung. Entwickelt sich das alles nicht dann doch eher in die falsche Richtung?"
,,Also es ist so, dass wir das Thema Sicherheit Sicherheitsgefühl auch in Hannover intensiv diskutieren, wie in vielen anderen deutschen Städten auch. Gerade nach Corona hat sich da das Gefühl insbesondere vieler Menschen verändert. Darauf haben wir seit 2022/23 sehr intensiv reagiert. Mit starken Sicherheitsmaßnahmen, mehr sozialen Angeboten, mehr Reinigungsintervalle, so dass wir auch eine saubere Innenstadt haben. Und das wirkt. Allein die Gewaltkriminalität ist ja zuletzt um 7 % zurückgegangen. Wir sind beim zweitbesten Wert der letzten zehn Jahre. Wir versuchen, mehr Attraktivität in die Innenstadt zu bekommen. Die Bauprojekte hatte ich gerade angesprochen, aber auch Aktivitäten, Events, also Kulturangebote am Raschplatz beispielsweise. An anderen Orten. Die Finals waren das Highlight des Jahres mit einem großen Multisport Event. Tausende Menschen, die nach Hannover gekommen sind. Wir müssen um die Attraktivität weiter kämpfen. Das tun wir auch in Hannover. Aber Hannover hat wahnsinniges Potenzial, gerade was das Herz unserer Stadt angeht."
,,Die Sicherheit haben Sie gerade angesprochen. Viele Menschen haben schlicht Angst, in die Innenstadt zu gehen. Wir schauen uns das eben noch mal ganz kurz an."
Laut Kriminalstatistik gehört die Landeshauptstadt im bundesweiten Vergleich zu den unsichersten Städten Deutschlands. Vor allem in der Innenstadt und rund um den Bahnhof fühlen sich viele Menschen zunehmend unwohl. Trotz zusätzlicher Kontrollen und Waffenverbotszonen liegt die Zahl der Messerangriffe weiterhin auf einem hohen Niveau. Hat die Politik vor den Problemen mittlerweile kapituliert?
,,Herr Onay, wenn Sie selbst in der Innenstadt von Hannover unterwegs sind, wie wohl fühlen Sie sich da?"
,,Also die Innenstadt Hannovers ist erstmal grundsätzlich sehr attraktiv. Wir haben aber 2023 eine Befragung gemacht, repräsentativ und die Rückmeldungen waren sehr eindeutig, wo sich Menschen unsicher fühlen. Klar benannte Orte. Dunkelheit spielt eine große Rolle. Frauen, junge Menschen, die sich unwohl fühlen. Und darauf reagieren wir seitdem. Wir haben sehr intensiv den Ordnungsdienst ausgebaut. Die Kooperation mit der Polizei ist intensiviert worden. Die Waffenverbotszone ist ausgeweitet worden. Dunkle Orte haben wir attraktiver gemacht, mit mehr Licht, mehr Reinigung, um auch ein Wohlfühlgefühl zu erzeugen. Auch das spielt bei der Sicherheitsfrage, also vor allem bei dem subjektiven Sicherheitsgefühl, eine deutlich wichtigere Rolle. Und das merken wir, dass das wirkt. Also insofern wir werden da auch in den nächsten Jahren stärker arbeiten müssen, weil dieses Gefühl zieht immer nach. Also die Statistik ist das eine, aber das Gefühl bewege ich mich gerne in der Stadt ist das andere. Das heißt, eine Stadt muss attraktiv sein und auch aktiv sein in der Stadt und Stadtgestaltung."
,,Wie aber wollen Sie denn insgesamt die zahlreichen Probleme angehen? Dazu zählen ja nicht nur Sauberkeit und Sicherheit, sondern unter anderem auch Wohnungsmangel, steigende Mieten und am Ende auch die Verkehrswende."
,,Wir haben große Herausforderungen wie viele andere deutsche Städte auch. Wir haben gerade beim Thema Wohnungsbau intensive jetzt Maßnahmen ergriffen. Der Bauturbo, die Zweckentfremdungssatzung, sodass wir Wohnungen oder Wohnraum, vielmehr der heute nicht als Wohnraum genutzt wird, sondern Spekulationsobjekt ist, auch wieder zurück als Wohnraum nutzen können. Wir werden Dachgeschosse ausbauen. Wir werden auch noch mehr in die Bauflächen, die wir bereits haben, investieren. Das läuft jetzt wieder gut an, also da bin ich sehr zuversichtlich, dass das wirken wird. Bei der Verkehrswende sind wir auf einem super Weg, gerade mit den Velorouten, dem ÖPNV. Das geht gut voran in Hannover. Aber auch da haben wir schon die nächsten Projekte in der Schublade, die wir in den nächsten Jahren ausbauen müssen. Hannover ist insgesamt gut aufgestellt, die Lebensqualität ist sehr, sehr hoch. Aber die Herausforderungen sind auch da. Die werden wir in den nächsten Jahren gemeinsam mit den Menschen angehen müssen und werden. Also insofern deshalb will ich weitermachen. Und ich glaube, wir haben da die richtigen Antworten auf die Herausforderungen."
,,Auf Ihren Wahlplakaten beschwören Sie ja auch ein ,Weiter so!'. Was konkret bedeutet das aber tatsächlich?"
,,Ich habe es gerade beschrieben. Wir haben viele Maßnahmen angefangen. Klimaschutz, Klimaresilienz, also Widerstandsfähigkeit, sozialer Zusammenhalt, aber auch eine Haltung. Also gerade in diesen Tagen geht es auch darum, die Vielfalt unserer Stadt zu verteidigen, also das Zusammenleben. Armut zu bekämpfen, bei Kindern also kinderfreundliche Kommune und Stadt zu sein. Das sind Punkte, die jetzt angefangen haben. Aber ich bin noch nicht fertig. Und gerade auch für Hannover möchte ich mich weiterhin einsetzen, diese Projekte weiter voranbringen. Dass Menschen sich in dieser Stadt einfach zu Hause fühlen, egal wo sie herkommen. Eine gemeinsame Stadt entwickeln, ihre Zukunft dort sehen. Dafür möchte ich als Oberbürgermeister weitermachen. Und das ist das Angebot an die Menschen."
,,Ja, genau darüber entscheiden dann die Wählerinnen und Wähler am Sonntag. Zunächst erstmal ganz herzlichen Dank für Ihren Besuch hier bei uns im Studio. Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay Dankeschön."
,,Vielen Dank für das Gespräch."