Bis gestern konnte man hier im Niu Hotel als Gast eines der 166 Zimmer buchen - ab heute ist das Hotel Unterkunft für bis zu 340 Geflüchtete aus der Ukraine.
Direkt gegenüber betreibt Werner Pfeifer die "Fischhalle" - ein Kulturzentrum mit Restaurant. Er engagiert sich seit Jahren in der Flüchtlingshilfe. In seinem Betrieb arbeiten zwei syrische Flüchtlinge. Er hat auch schon eine ukrainische Familie bei sich beherbergt - und trotzdem sieht er die Unterkunft kritisch, die Freude über das neue Hotel war groß im Harbuger Binnenhafen.
"Es war sehr international und genau das brauchen wir. Das war ein echter Lichtblick"
Werner Pfeifer und die meisten in der Nachbarschaft verstehen, dass die geflüchteten Ukrainer untergebracht werden müssen. Für das Quartier ist diese Lösung trotzdem nicht ideal.
"Das ist ja auch eine wichtige Thematik. Aber dass man, dass die Verhältnismäßigkeit stimmt, nicht, Weil in dem Moment, wo man hier etwas hat, was jetzt hier eine Entwicklung für die Bürger abkürzt, das ist nicht gut, Das schafft auch kein Vertrauen, schafft Politikverdrossenheit."
In Harburg ist man große Unterkünfte gewohnt, etwa die auf dem Schwarzenberg und die an der Schlachthofstraße. Beide Standorte sollen in den kommenden Jahren schließen oder verkleinert werden. Es ist vor allem die fehlende Kommunikation, die für Unmut sorgt, nicht die geflüchteten Menschen, die kommen, betont Michael Sander von der Grünenfraktion Harburg.
"Wir haben, finde ich, große Leistungen erbracht, gerade in der Betreuung von Geflüchteten große Integrationsleistungen. Wir haben wenige Schwierigkeiten mit denen Unterbringung, Unterkünften, die wir haben. Und ich glaube, dass das das eine Leistung ist, die man auch wertschätzen sollte und dass wir es eigentlich nicht verdient haben, gar nicht vorab informiert zu werden."
Er selbst habe erst am Wochenende von den Plänen erfahren. Die zuständige Sozialbehörde begründet das damit, dass die Lösung kurzfristig gefunden werden musste.
Wir haben auch immer wieder die Situation, dass Plätze bei uns kurzfristig wegfallen durch Standortschließungen oder auch durch andere Faktoren und da müssen wir dann teilweise sehr kurzfristig reagieren."
Auch für die Sozialbehörde ist diese Form der Unterbringung nicht ideal.
"Aktuell arbeiten wir ja daran, Hotelplätze in erster Linie abzubauen in Hamburg. Wir sind da auch auf einem guten Weg. Werden bis Ende des Jahres rund 1000 Hotelplätze abgebaut haben, weil die einfach sehr, sehr kostenintensiv sind."
Auch das Niu Hotel soll spätestens im Juni 2027 wieder für Gäste freigegeben werden. Die Kosten für ein Zimmer liegen, so die Behörde, im Durchschnitt in Hamburg bei 82€ pro Nacht. Welche Gründe es für das Hotel gab kurzfristig an die Stadt zu vermieten, hätten wir gerne gefragt. Der Hotelbetreiber war auf RTL Nord Anfrage nicht für ein Statement zu erreichen.
Gastronom Werner Pfeifer hat für die kommenden Monate vor allem eine Bitte an die Behörde:
"Redet mit dem Bezirk, redet mit den Anwohnern, macht eine Informationsveranstaltung. Wir fressen keine Menschen. Wir freuen uns auch über Flüchtlinge. Wir brauchen Flüchtlinge"
Im Harburger Hafen brauchen sie alle aber auch gute Kommunikation - damit die Integration der neuen Nachbarn im Hotel und ein gemeinsames Miteinander gelingen kann.