Sorgerechtsstreit endet im Blutbad: Was über den mutmaßlichen Täter und die Fahrerin bekannt ist
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Sechs Menschen sterben bei der Bluttat in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade. Der mutmaßliche Täter soll wegen eines Sorgerechtsstreits zum Termin erschienen sein und das Feuer eröffnet haben. Nun rücken auch die mutmaßliche Fahrerin des Fluchtwagens und die Vorgeschichte um die drei Monate alte Tochter in den Fokus der Ermittlungen.
Der Schock sitzt tief in der Dancers Straße in Stade. Immer wieder kommen Menschen vorbei und legen am Tatort Blumen nieder.
Anwohnerin:
„Ich bin hier, weil ich Abschied nehmen möchte von den Leuten, die jetzt gestorben sind. Ja, weil ich sie sehr gut kannte. Ich war selber in der Einrichtung und man hat viel mit denen zusammengearbeitet. Und ja.“
Die Einrichtung verfügt über Mutter-Kind-Wohngruppen, in denen junge Eltern gemeinsam mit ihren Kindern betreut werden. Im Unterschied zu Frauenhäusern sind die Adressen meist bekannt und Besuche erlaubt.
Anwohnerin:
„Werden Termine abgesprochen, dass die Kinder später dorthin kommen können, um ihr Kind zu sehen.“
Dass ein Mann bei einem Termin wegen eines Sorgerechtsstreits plötzlich eine Waffe zieht und auf Mitarbeitende schießt, damit hat wohl niemand gerechnet. Kurz nach 12 Uhr dringen Hilfeschreie aus der Einrichtung für junge Mütter und ihre Kinder. Anschließend fallen Schüsse.
Zeugin:
„Ich war zu Fuß mit meinen zwei kleinen Kindern. Ich bin nur weggerannt. Als ich die Schreie gehört habe, bin ich weggerannt. Es war schrecklich.“
Vier Menschen sterben noch am Tatort. Eine weitere Person stirbt im Rettungswagen, eine im Krankenhaus. Unter den Opfern sind auch drei Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover.
Polizeisprecher:
„Der Täter hatte heute zusammen mit vielen der Opfer einen Termin, um über das weitere Sorgerecht seiner drei Monate alten Tochter, die sich im Objekt zusammen mit der Kindsmutter befand.“
Bei dem Tatverdächtigen soll es sich um einen 45-jährigen Deutschen mit türkischen Wurzeln handeln.
RTL-Reporterin:
„Die Staatsanwaltschaft Hannover hat mir bestätigt, dass dort wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen ermittelt wird. Die Ermittlungen richten sich gegen den Beschuldigten und seine Ehefrau. Bis heute ist unklar, wer damals das erst neun Monate alte Baby möglicherweise geschüttelt hat. Die Ermittlungen dauern an, zudem soll der Vater den Ärzten gedroht haben, falls dem Kind etwas passieren sollte.“
Deshalb sollen bei dem Sorgerechtsgespräch unter anderem gezielt mehr Mitarbeitende als sonst üblich anwesend gewesen sein. Mutter und Kind bleiben unverletzt. Das drei Monate alte Mädchen befindet sich in Obhut, die Mutter in Polizeigewahrsam.
Polizeisprecher:
„Zu den weiteren Maßnahmen kann ich Ihnen sagen, dass sich eine weitere Person ebenfalls in polizeilichen Maßnahmen befindet und der Status dieser Person geklärt wird.“
Dabei handelt es sich vermutlich um die Fahrerin des Fluchtwagens. Jan Rink arbeitet in einem Versicherungsbüro gegenüber der Einrichtung. Er erlebt mit, wie die Polizei versucht, den Fluchtwagen zu stoppen.
Jan Rink:
„Und dann fielen die Schüsse. Dann hat der Polizist, der dort auf der anderen Straßenseite war, mit seiner Maschinenpistole auf das Auto geschossen.“
Die Polizei nimmt sofort die Verfolgung auf. Auf einer Landstraße bleibt der Fluchtwagen schließlich mit zerschossenen Reifen stehen. Der Tatverdächtige wird festgenommen.
Jan Rink:
„Meine Kollegin hat auch gleich gesagt: Da ist eine Fahrerin, eine Frau am Steuer gewesen.“
Bei der Fahrerin soll es sich um eine 65-jährige Deutsche handeln, die in einem interkulturellen Familienverband tätig sein soll.
RTL-Reporterin Maria Wille:
„Eine Kollegin der Fahrerin hat uns hier heute reingelassen. Die wirkte sehr überrascht, aber auch aufgelöst. Sie sagte uns, dass sie schon eine Vermutung gehabt hätte. Ihre Kollegin soll in einem privaten Verhältnis mit dem Täter gestanden haben und ihn in einem Sorgerechtsstreit unterstützt haben.“
Für die Nachbarn der mutmaßlichen Fahrerin ist das kaum vorstellbar.
Nachbarin:
„Dass sie damit beigewohnt hat oder mit dabei war und das mitgeplant hat oder was auch immer. Das kann ich mir nicht vorstellen. Überhaupt nicht. Dafür ist sie einfach auch zu lieb, zu nett und zu höflich.“
Ob die Fahrerin in die Tat verstrickt oder nur zufällig beteiligt war, müssen nun die Ermittler klären. Der Tatverdächtige wird noch am Abend einem Haftrichter vorgeführt.
