Und genau dort schalten wir jetzt hin in die Antarktis, auf die Neumayer-Station III, wo ich jetzt mit Ingo Gerstmann verbunden bin. Schön, dass Sie Zeit für uns haben, Herr Gerstmann. Bei uns sind es gerade noch um die 28 Grad. Was sagt denn das Thermometer bei Ihnen?
Ja, hallo. Ich kann gleich gucken. −35,2 Grad.
Uiuiui, das ist auf jeden Fall ein großer Unterschied. Das passt auch zu meiner ersten Frage. Sie gehören ja zum Überwinterungsteam der deutschen Neumayer-Station. Mit nur sieben weiteren Menschen sind Sie dort vor Ort. Wie kam denn bei Ihnen die Idee, zu sagen: Ich lasse meinen eigentlichen Job und die Familie in Hannover zurück und gehe direkt in die Antarktis?
Ja, also diese Stelle wird tatsächlich jedes Jahr neu ausgeschrieben, und ich habe schon einige Jahre lang immer wieder diese Stellenanzeige gelesen. Und das war so ein bisschen immer im Hinterkopf, ob das nicht vielleicht eine Alternative zu der normalen Krankenhaustätigkeit gewesen wäre oder sein könnte. Und tatsächlich habe ich mir dann ein Herz gefasst und mich beworben, als ich das Buch von Aurelia Hölzer, „Polarschimmer“, gelesen hatte, die dann ihre eigene Überwinterung sehr detailliert und gut lesbar beschrieben hat. Und da habe ich dann die Kurve gekriegt, sozusagen den Entschluss gefasst, habe ich erst zu Hause beworben und dann auch beim Alfred-Wegener-Institut.
Und das hat ja auch geklappt. Wie sieht denn der Alltag jetzt da vor Ort aus? Es muss ja dann doch schon sehr anders sein als der Klinikalltag in Neustadt am Rübenberge. Welche Aufgaben haben Sie denn konkret vor Ort?
Also, meine Aufgabe ist die des Leiters, des Stationsleiters. Und unsere gemeinsame Aufgabe ist es, die Station durch den Winter zu bringen, also den Betrieb aufrechtzuerhalten. In vielerlei technischer Hinsicht, aber auch in wissenschaftlicher Hinsicht, die Observatorien am Laufen zu halten. Auch das ist viel technische Arbeit. Und meine Aufgabe ist eben viel Organisation, auch solche Dinge wie Öffentlichkeitsarbeit, aber eben auch das Bordhospital zu organisieren und in Betrieb zu halten und im Zweifelsfall als Arzt tätig zu werden.
Und mit welchen Wehwehchen kommen denn die Kolleginnen und Kollegen zu Ihnen ins Bordhospital? Und ist vielleicht auch mal was Ernstes dabei?
Glücklicherweise war bislang in meiner Überwinterung nichts Ernstes dabei. Wir mussten auch nichts operieren. Und ansonsten sind es alle möglichen Beschwerden, die jeder Mensch jederzeit haben kann und womit man dann normalerweise zum Arzt geht.
Ja, bei Ihnen ist ja gerade Winter, hier noch Sommer. Gibt es denn irgendwas, was Sie vermissen aus Niedersachsen? Irgendwas zu essen, was zu trinken aus Ihrem eigentlichen Alltag?
Also, was ich besonders vermisse, ist zum einen meine Familie und das andere ist der Wechsel der Jahreszeiten. Jetzt gerade, wo wir jetzt einige Monate schon hier sind. Wir sehen hier halt nur einen Wechsel der Lichtverhältnisse, aber es wächst ja nichts. Also hier ist kein Grün, keine Blüte, die aufgeht, keine Frucht, die reift. Und insofern, das ist schon etwas, wo ich gern dran denke, dass ich das auch bald wieder sehen darf. Ja.
Ja, da kann ich mir vorstellen, dass Sie sich auf zu Hause freuen. Ein bisschen ist es ja noch. Insgesamt 13 Monate sind Sie am anderen Ende der Welt, und die Internetverbindung hat mitgespielt. Vielen lieben Dank für Ihre Zeit und weiterhin alles Gute für Sie vor Ort. Grüßen Sie die Pinguine von uns.
Sehr gerne.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen