Sie erklärt Politik in 60 Sekunden und erreicht damit auf Social Media Hunderttausende Menschen. Nina Poppel ist das, was man heute eine Newsfluencerin nennt. Ungefähr zwei bis drei Stunden Arbeit stecken in einem ihrer Videos.
"Ich versuche so wenig wie möglich Meinungen mit reinzugeben und wenn, dann sieht man auch, dass ich das kommentiert habe. Und ich versuche auch immer so pro und kontra. Oder was sagen Leute, die finden das gut? Was sagen Leute, die finden das schlecht? Damit man sich selber eine Meinung bilden kann."
Wo Menschen Nachrichten suchen, hängt stark vom Alter ab. Bei den 18- bis 24-Jährigen führt Instagram mit 52 Prozent, dahinter YouTube und TikTok. Bei den über 55-Jährigen dominieren WhatsApp und Facebook.
Vor allem bei jungen Menschen verlagert sich die Nachrichtennutzung zunehmend auf soziale Plattformen. Und dort spielt Persönlichkeit eine größere Rolle. Genau dort boomen News Creator wie Nina Poppel oder Fabian Grischkat. 30 Prozent der Jüngeren beziehen ihre Nachrichten inzwischen von ihnen. Unterhaltsamer sei das laut Digital News Report – vertrauenswürdiger als klassische Medien finden sie aber nur elf Prozent.
"Von Creatorn, Newsfluencern oder Newscreator können bestehende, etablierte Medien lernen, dass man vor allem über Personenmarken, über Persönlichkeiten //punkten kann Und gleichzeitig muss man das natürlich in eine gute Balance bringen mit den journalistischen Standards und Ansprüchen. Und das ist gar nicht so einfach, weil häufig sehe ich Dinge, die auf Plattformen gut funktionieren, zum Beispiel Zuspitzung, Subjektivierung oder auch Polarisierung."
Doch dieselben Mechanismen haben auch eine Kehrseite Nicht die Information steht im Mittelpunkt, sondern häufig der eigene Standpunkt – aus Information wird Meinungsmache. Und das im selben Feed wie echte, sorgfältig geprüfte Nachrichten klassischer Medienmarken.
Wie weit das geht, zeigen diese Beispiele: Tim Kellner, früher Polizist, verbreitet rechtspopulistische Inhalte – Correctiv hat ihm mehrfach Verschwörungserzählungen nachgewiesen. Julian Reichelt, früher Bild-Chefredakteur, betreibt NIUS – mehrere seiner Behauptungen haben Gerichte untersagt. Und Ken Jebsen, früher RBB-Moderator, wurde mit seinen Verschwörungsvideos von mehreren Plattformen gelöscht.
"..es gibt berechtigten Grund für Kritik, auch daran, dass manche vielleicht das Label der Journalistin, des Journalisten nur nutzen, um sich damit gewisse Authentizität zu erhaschen, die sie eigentlich gar nicht verdient haben. Und im selben Moment ist es gefährlich, sich über alle zu erhöhen und zu sagen, da macht keiner irgendwas Gutes."
Was journalistische Inhalte von anderen Posts unterscheidet, ist also nicht die Plattform. Entscheidend ist, wie sie entstehen:
"Quellen prüfen, Informationen gegenchecken, Nachricht und Meinung trennen und Fehler transparent korrigieren. In unserer Redaktion gibt es dafür zusätzliche Kontrollinstanzen. Bei unabhängigen Creatorn liegt diese Verantwortung oft bei einer einzigen Person"
Nina Poppel ist Redaktion, Chefredaktion und Faktencheck in einer Person. Wer kontrolliert sie – und was passiert, wenn sie sich irrt?
" Deswegen mache ich so ein Newsthemen nicht, sondern erkläre Wenn schon, was hat die Nachricht für einen Einfluss auf uns jetzt// es gibt ja einfach Seiten, da ist klar, dass das dann richtig ist. Also jetzt zum Beispiel Ich hinterfragt die Bundeszentrale für politische Bildung eher nicht. Oder auch ich schaue auch viel in Fachliteratur nach."
Nina Poppel prüft, was sie veröffentlicht. Verpflichtet ist sie dazu nicht – sie macht es trotzdem.
Und sie erreicht damit junge Menschen dort, wo Nachrichten für sie immer häufiger stattfinden: in sozialen Medien.
Für eine Demokratie ist das eine Chance – wenn Nutzer unterscheiden können: Was ist journalistisch geprüft? Was ist persönliche Meinung? Und wer übernimmt Verantwortung für das, was veröffentlicht wird? Demokratie braucht viele Stimmen. Aber auch Menschen, die sie einordnen können.