Ja, es gibt einiges zu sortieren und einzuordnen nach der Kommunalwahl bei uns in Niedersachsen. Und genau das wollen wir jetzt tun mit dem Politikwissenschaftler Philipp Köker. Hallo! Hallo Herr Kök. Niedersachsen hat gewählt. Wie blicken Sie denn jetzt auf die Ergebnisse?
Ja, das war gestern schon ein wirklich spannender Wahlabend, gerade weil wir gesehen haben, Einige Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber haben mit einer großen Mehrheit gewonnen. Aber in anderen Regionen sah es dann doch wieder anders aus. Was natürlich auch sehr spannend war, ist, dass CDU und SPD entgegen des Bundestrends doch eigentlich noch relativ stark geblieben sind, auch wenn sie tatsächlich Verluste eingefahren haben.
Wo hat es denn da aus Ihrer Sicht die größten Überraschungen gegeben? Also hier in Hannover zum Beispiel ist Peter Karst um das Amt des Oberbürgermeisters ja hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Belit Onay Deutlich stärker. Wo gab es da für Sie die größten Überraschungen?
Ja, also für mich war es tatsächlich auch in Hannover. Da hatten sie zwar Umfragen darauf hingedeutet, dass Belit Onay möglicherweise 40 % im ersten Wahlgang bekommen würde. Das ist jetzt allerdings so viel ist und das zum Schluss nicht nur die SPD, sondern eben auch die CDU so stark abgeschlagen ist. Das war trotz der ganzen Kontroversen um die Ermittlungsverfahren bei Peter Karst dann doch etwas unerwartet.
Die AfD hat ihre Ergebnisse verdreifacht. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Ja, also die AfD hat bei der letzten Kommunalwahl vergleichsweise schlecht abgeschnitten und die Zuwächse war in gewisser Weise schon zu erwarten. Auch jetzt hat sie vor allem in ihren Hochburgen gepunktet. Da, wo Regionen schon seit langer, langer Zeit von der wirtschaftlichen Transformation Strukturwandel betroffen sind. Interessanterweise hat sie es aber auch da nicht wirklich geschafft, über den Bundestrend oder über ihr Bundestagswahlergebnis vom letzten Jahr hinauszukommen.
Lassen Sie uns noch mal einen Blick auf die Wahlbeteiligung werfen. Wie ist die im Vergleich?
Ja, tatsächlich ist die Wahlbeteiligung gestiegen. Das können wir durchaus auch positiv sehen. Mehr Menschen beschäftigen sich mit Politik. Vielleicht auch wegen der Landtagswahl vor einer Woche, wo dann doch sehr viel darüber berichtet wurde. Wir spüren sicherlich eine gewisse Unzufriedenheit auch mit den etablierten Parteien. Aber es ist doch positiv zu sehen, dass Menschen dann auch zur Wahl gehen und diese Möglichkeit nutzen, um was zu ändern.
Sie hatten es eingangs schon angesprochen, gerade politisch. Welche Rolle spielt denn da auch der Bundestrend? Also wie viel Einfluss hat der Bund hier auch bei uns in Niedersachsen?
Normalerweise sagt man, dass gerade bei Kommunalwahlen die Parteien gar nicht so eine große Rolle spielen. Es geht um die Personen vor Ort. Was für eine Arbeit die leisten? Aber hier hat man doch gesehen, dass auch diese Unzufriedenheit mit der Bundesregierung mitschwingt. Und viele Parteien haben auch berichtet, dass ihnen beim Wahlkampf an den Infoständen auch der Unmut der Bürger entgegengekommen ist.
Sagt der Politikwissenschaftler Philipp Köker. Ganz herzlichen Dank für Ihre Einordnung für das Gespräch. Vielen Dank! Gerne.