Ja, und damit Demokratie funktionieren kann, gelten wie überall im Leben ganz bestimmte Regeln. Das gilt natürlich auch für den Journalismus. Und dass diese Regeln auch eingehalten werden, dafür gibt es Cornelia Holsten von der Bremischen Landesmedienanstalt. Hallo, guten Abend Frau Holsten, Wie genau sieht denn da Ihre Aufgabe aus? Beziehungsweise Warum ist es so wichtig, dass es auch Regulierungen innerhalb der Medienlandschaft gibt?
Also erst mal gibt es vor allem Freiheiten im Bereich der Medien. Wir haben die Pressefreiheit, die Medienfreiheit, die Medienvielfalt. Und damit Freiheit funktionieren kann, braucht es Leitplanken. Kann man sich ganz leicht vorstellen. Nehmen Sie eine Kreuzung. In der Einsamkeit muss es eigentlich keine Regeln geben, wenn da ein Auto lang fährt. In dem Moment, wo es sich aber nicht um ein Auto, sondern vielleicht um 1050 oder 100 handelt, ist es ganz praktisch, wenn man weiß, wer fährt, wann und an welche Leitplanken, an welche Regeln hat man sich zu halten? Das hat damit zu tun, dass im Bereich der Medien eben häufig Rechte anderer betroffen sind. Es wird über etwas berichtet. Die einfachste Regel Das sollte auch wahr sein.
Welche Bedeutung haben gerade in diesem Zusammenhang die klassischen Medien, also Zeitungen, Radio und natürlich auch Fernsehen, wo ja tatsächlich journalistische Beiträge recherchiert werden, eingeordnet werden und eben fundierter Journalismus auch angewandt wird.
Die Rolle ist viel größer, als sie häufig wahrgenommen wird. Man denkt ja oft, das ist so eine Selbstverständlichkeit. Und ich finde, den Gedanken wird man schnell los, wenn man sich überlegt Was wäre eigentlich los, wenn wir nur ein Buch hätten in Deutschland, in Europa oder nur ein Medium? Und die Vielfalt, die sorgfältige Recherche auch, vor allem die Recherche vor Ort im Regionaljournalismus, die machen Themen nahbar, die vermitteln warum ist was wichtig. Und die vermitteln auch oft Warum kann ich eigentlich jedes Thema von zwei Seiten aus betrachten?
Nun stehen aber gerade die klassischen Medien in einem krassen Wettbewerb mit den Techkonzernen und all ihren Social Media Plattformen. Da hat man häufig den Eindruck, je lauter, je aggressiver, je doller der Influencer auftreten, desto mehr Aufmerksamkeit bekommen sie, desto mehr Klicks bekommen sie. Inwieweit muss auch da reguliert werden? Oder kann da tatsächlich jeder einfach etwas etwas veröffentlichen ohne journalistischen Hintergrund?
In der Welt von Social Media kann jeder alles veröffentlichen. Und das Problem, warum da eben auch die Plattformen so mächtig geworden sind, ist, dass die Gesellschaft sehr, sehr lange sich so ein bisschen, wenn ich das sagen darf, hat einlullen lassen von den Plattformen, die immer gesagt haben, Wir sind nur die Vermittler, wir reichen Informationen nur durch, wir sind dafür gar nicht verantwortlich. Das muss ganz dringend geändert werden. Da muss auch eine Haftung für Plattformbetreiber viel ernster genommen werden. Und es ist schon längst nicht mehr alles unreguliert, was die großen Techplattformen machen. Auch da gelten beispielsweise Transparenzpflichten oder Diskriminierungsverbote.
Nun ist die Meinungsfreiheit ja ein sehr hohes Gut. Trotzdem gibt es zunehmend Menschen, die der Meinung sind, man dürfe nicht mehr alles sagen, die sich eingeschränkt fühlen. Wir haben uns hier in Bremen mal umgehört, wie die Menschen in der Hansestadt darüber denken. Schauen wir uns mal ganz kurz an. Meinungsfreiheit wird ja jetzt sehr verwechselt von Ich darf meine eigene Meinung kundtun und ich werde beleidigend. Wenn man eine andere Meinung hat, dann wird man vielleicht auch des Öfteren heutzutage schon in eine Ecke gestellt, wo man nicht hin, wo man nicht ist. Ich finde, es sollte auf jeden Fall mehr Einschränkungen geben, weil ich es schon teilweise erschreckend finde. Ich persönlich habe kein Social Media, das heißt ich halte mich davon fern. Man muss schon schauen, wo man was äußert, damit man selber einer gewissen Hetze nachher nicht ausgesetzt ist. Frau Holsten hat da einen Punkt. Beziehungsweise was müssen auch Journalisten tun, damit eben gar nicht erst dieser Eindruck entsteht. Ich glaube, ganz wichtig ist, dass Journalisten ja auch die Aufgabe haben, neben der Recherche einzuordnen und immer wieder zu schaffen, dass es viele Perspektiven gibt auf Themen und auch Menschen zu ermuntern, sich nicht an Hasskommentare oder Fake News zu gewöhnen. Nun ist die Landesmedienanstalt sie ja auch nicht nur dafür da, zu regulieren, sondern auch zu informieren und aufzuklären. Wird da schon genug getan oder müssten auch sie da noch ein bisschen mehr machen? Ich glaube, das ist eine Aufgabe Aufklärung, mit der ist man nie fertig. Da wird es nie heißen Check. Wir haben alle Menschen aufgeklärt und das liegt nicht daran, dass irgendeine Person oder Einrichtungen zu langsam wäre, sondern das liegt daran, dass sich einfach die Themen so wahnsinnig schnell verändern und dass wir sehr, sehr viele Menschen haben. Medien betreffen uns alle, die berühren alle, die bewegen alle. Deswegen haben auch alle was dazu zu sagen. Nur auf Social Media, da gibt es halt wenige, die sprechen und viele, die Schreihälse sind. Besonderes Gesprächsthema ist momentan ja auch das Thema KI. Also künstliche Intelligenz betrifft uns im Journalismus natürlich auch, gerade in Bezug auf die Demokratie. Sehen Sie künstliche Intelligenz eher als Gefahr oder eher als Chance? Ich glaube, das kann man jetzt noch nicht sagen. Das hat beides. Das erleichtert manche Dinge, aber birgt natürlich auch Risiken. Die Menschen, denen ist das, glaube ich, weitgehend egal, ob der Wetterbericht von einer KI eingesprochen wird oder nicht. Was den Menschen aber nicht egal ist, das ist gekennzeichnet werden muss. Wenn kein Mensch mehr drüber schaut und das ist, glaube ich, ein Punkt, der auch für die Glaubwürdigkeit des Journalismus eine große Rolle spielt. Sagt Cornelia Holsten von der Bremischen Landesmedienanstalt. Ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit und für diese Hintergründe, vielen Dank! Danke Ihnen!