Bundesbildungsministerin Karin Prien nimmt heute im Cockpit Platz - nicht als Pilotin, sondern als Schülerin. Die Auszubildenden hier bei Lufthansa Technik in Hamburg erklären ihr die Instrumente und Einzelteile eines Flugzeugs. Nachwuchskräfte, wie sie, werden in der Luftfahrtbranche dringend gesucht.
„Häufig liegt das Interesse eben auf anderen Berufsbildern. Und das besser zusammenzubringen, das ist die Aufgabe auch der Politik durch eine gelingende berufliche Orientierung."
Durch die anhaltende Wirtschaftskrise gibt es weniger Lehrstellen als zuletzt. Trotzdem sind in Hamburg laut Bundesagentur für Arbeit noch rund 3.000 Ausbildungsplätze frei. Gleichzeitig suchen 2.600 Bewerber einen Platz.
Um den Fachkräftebedarf zu decken, setzt Lufthansa Technik zusätzlich zu den 600 Auszubildenden auf rund 200 Quereinsteiger: Kfz-Mechaniker aber auch Zahntechniker werden hier unter anderem zu Fluggerätemechanikern weitergebildet.
„Vom Kfz in die Luftfahrt. Man muss umdenken. [...] Im Kfz kann man mit dem Fahrzeug am Straßenrand rechts anhalten. Das funktioniert in der Luftfahrt natürlich nicht. Also das heißt, die Vorarbeit ist schon entsprechend das Wichtigste von allem. [...] Und das lernen wir hier alles nochmal, bevor wir dann wirklich auf die Motoren zugelassen werden, die dann in die Lüfte steigen."
Im Hotel- und Gastgewerbe ist der Nachwuchsmangel besonders spürbar. Das StrandGut Resort in Sankt Peter-Ording setzt deshalb auf Auszubildende aus dem Ausland. Xuan Do Tran aus Hanoi hat hier vor Kurzem seine Kochausbildung abgeschlossen. Die größte Herausforderung war für ihn dabei nicht die Sprache.
„Ich arbeite in eine neue Küche. Das ist die europäische Küche. Gibt es viele neue Rezepte, neue Sachen, die ich habe noch gar nicht so gelernt und auch gar nicht wissen."
Schleswig-Holstein wirbt inzwischen gezielt um junge Menschen aus dem Ausland für Ausbildungen im Hotel oder beim Bäcker. Gefördert wird das Programm vom Bund und der EU.
„Die Demografie hat uns voll im Griff. Jedes Jahr verlassen im fünfstelligen Bereich in Schleswig Holstein Menschen den Arbeitsmarkt, die auch nicht nachkommen. Wir werden auch Auszubildende aus Drittstaaten aus dem Ausland brauchen, um langfristig auch unsere Arbeits- und Fachkräftebedarf in Schleswig Holstein decken zu können."
In Schleswig-Holstein sind noch rund 5.700 Ausbildungsplätze frei. Auch weil es in diesem Jahr wegen der Rückkehr zu G9 weniger Schulabgänger gibt. Viele Betriebe beklagen zudem, dass Bewerber nicht immer die nötigen Grundlagen mitbringen. Bildungsministerin Prien sieht die Verantwortung auch bei den Unternehmen selbst.
„Da müssen wir besser werden. Das gilt auch für die naturwissenschaftlichen Fächer. Aber es muss schon Hand in Hand gehen. Und da mit dem Finger aufeinander zu zeigen, das bringt ja gar nichts, sondern jeder muss da seinen Beitrag leisten."
Ob klassische Ausbildung, Quereinstieg oder aus dem Ausland – damit sich am Ende wieder mehr junge Menschen für eine Lehre begeistern, müssen Politik, Schulen und Unternehmen gemeinsam gegensteuern.