Einige von ihnen prägen heute noch unser Stadtbild. Vor 200 Jahren sind sie das Symbol einer neuen Zeitrechnung, die hier in Hannover beginnt - Gaslaternen.
((Janet von Stillfried, Historikerin))
"Das war eine Sensation. Also es gab ja vorher schon immer Bedürfnisse, Straßenlaternen hier zu errichten. Es sind ja jetzt nicht die ersten, aber diese Form von professioneller Straßenbeleuchtung und mit Gas, die gab es eben nicht."
Die vorherigen Laternen werden damals mit Talg oder Öl betrieben. Das Licht ist jedoch schwach und die Instandhaltung teuer.
Ein passende Lösung kommt aus England. Denn dort gibt es bereits Gaslaternen.
((Janet von Stillfried, Historikerin))
"Hannover war Residenzstadt der Welfen und natürlich ist das, davon gehen wir mal ganz stark aus, die Möglichkeit gewesen, mit London und Hannover eine Verbindung aufzubauen. Georg der Vierte hat da sicherlich ganz stark dazu beigetragen."
Die guten Kontakte Georg des Vierten sorgen dafür, dass die Imperial Continental Gas Association 1825 in Hannover die erste Gasanstalt auf europäischem Festland errichtet. Direkt auf dem heutigen Glocksee-Gelände. Hier steht auch noch ein denkmalgeschützter Gasometer.
((Janet von Stillfried, Historikerin))
"Damals lag das vor den Toren Hannovers, das muss man ganz klar sagen. Hier waren Gärten und hier waren Nachbarn. Und die Nachbarn waren auch nicht sehr begeistert, dass man sich hierfür entschied.// Sie hatten Angst vor den Gerüchen,// Schadstoffe, Umwelt. Tatsächlich auch Umwelt und eben Industrielautstärke."
Das sogenannte Leuchtgas wird damals aus Steinkohle gewonnen. Ein Jahr nach Baubeginn der Gasanstalt schreibt Hannover schließlich Geschichte.
((Janet von Stillfried, Historikerin))
"Der 12. August 1826 war der Geburtstag Georg des Vierten. Und da gab es eben diese Probe der Anstalt anlässlich dieses Geburtstags. Und scheinbar lief alles gut, denn Anfang September, am 2. September, wurde die Anstalt in Betrieb genommen, und zwar vor Berlin und vor Paris. Also tatsächlich ist es die erste Anlage auf dem europäischen Kontinent gewesen, hier in Hannover."
Schätzungsweise 300 Gaslaternen bringen die heutige Altstadt sowie die Calenberger Neustadt zum Leuchten. So wie diese beiden Exemplare, die immer noch vor dem Leineschloss in Hannover stehen. Zwar nicht mehr mit Gas betrieben, aber immer noch ein Blickfang.
((Janet von Stillfried, Historikerin))
"Das Licht war die Sensation. Endlich war es erhellend. Es geht auch darum, dass es nicht mehr so viel Kriminalität gibt. Ist es aber eben auch wieder kulturell. Das heißt, die Geschäfte konnten ihre Auslagen beleuchten. Und wie gesagt, die ganze Gastronomie oder alles, was daran hing, hatte dann plötzlich auch Freude daran."
So konnte jeder auch nach Einbruch der Dunkelheit nun unbeschwerter durch die Stadt gehen. Die Gasversorgeung - zunächst ein Experiment. Und auch nicht alles verläuft ganz reibungslos.
((Janet von Stillfried, Historikerin))
"Das hat was mit den Materialien zu tun. Es gab auch keine guten Materialien.// Und das hat dann zur Folge, dass im Winter natürlich die Gaslaternen dann irgendwann einfroren.//Deswegen kam diese Diskussion um die Sicherheit des Gases ja auch auf. Also kann das explodieren? Was passiert mit uns? Aber die erste Gasanstalt war ja deswegen bewusst vor den Toren Hannovers."
Die Gasversorgung entwickelt sich Stück für Stück weiter. Hält schließlich auch Einzug in die privaten Haushalte.
Und auch wenn in den 1880er Jahren die ersten elektrischen Straßenlaternen in Betrieb gehen, erleuchten noch 100 Jahre später vereinzelte Gaslaternen die Straßen Hannovers.
((Janet von Stillfried, Historikerin))
"Die letzten Gaslaternen wurden 1983 abgebaut. Eine davon hier in Linden, in der Nedderfeldstraße,// Sie waren halt einfach nicht mehr zeitgemäß. Licht verändert sich ja auch. Und der Bedarf an Licht verändert sich auch. Auch das kann uns auch heute wieder ereilen irgendwann. Es ist halt die typische Transformation."
Hannover und seine Gaslaternen - eine Pionierleistung, die vor 200 Jahren Licht ins Dunkel bringt und deren historische Zeitzeugen ihren Glanz nicht verloren haben.