Thomas Jell, Reporter
Und wir sprechen jetzt nun mit Kommandeur LandesKommando Hamburg, Kurt Leonars. Die Übung findet ja auch teilweise öffentlich statt. Warum und welche Botschaft wollen Sie damit auch der Bevölkerung senden, aber auch dem Gegner?
Kurt Leonards, Kommandeur Landeskommando Hamburg
Also zum ersten Mal müssen wir ja bei der Gesamtverteidigung darauf achten, dass das nicht ein Geschäft ist, was die Bundeswehr alleine hinbekommt, sondern das muss in der zivilmilitärischen Gemeinschaft passieren. Deshalb suchen wir die Schnittstellen. Wo könnte es Kooperation mit Polizei, mit Blaulichtorganisationen, mit Feuerwehr, aber auch mit der Wirtschaft geben? Und das findet halt in der Öffentlichkeit statt. Und natürlich ist diese gemeinsame Übung auch ein Teil der Abschreckungsmaßnahmen, um zu zeigen: Wir bereiten uns auf eine Situation vor, die wir nicht haben wollen. Und damit sie nicht passiert, wollen wir es üben, um zu zeigen: Wir sind vorbereitet und das Risiko für jemand anderes wird zu groß.
Sie sprechen es an: Es geht auch um die Zusammenarbeit zwischen Militär und Zivilgesellschaft. Woran hapert es denn in Deutschland derzeit?
Kurt Leonards, Kommandeur Landeskommando Hamburg
Also wir haben eine ganz klare Trennung: Für die innere Sicherheit ist die Polizei zuständig, und für die äußere Sicherheit ist die Bundeswehr zuständig. Drohnenangriffe, andere hybriden Attacken sind oft in der grauen Schnittmenge. Und deshalb gibt es auch Berührungspunkte. Es gibt auch Berührungspunkte bei einem Aufmarsch von NATO Streitkräften durch Kolonnen, die durch Deutschland fahren würden. Auch da muss die zivile Welt und die Bundeswehr zusammenarbeiten, um diesen Aufmarsch von Streitkräften durch Deutschland realisieren zu können. Deshalb haben wir genug Themen, über die wir uns unterhalten können. Die Bundeswehr kann dies nicht alleine lösen.
Kritiker sagen auch die Gesellschaft wird dadurch militarisiert. Geht es auch darum, dass jeder von uns ein bisschen kriegstüchtig wird?
Kurt Leonards, Kommandeur Landeskommando Hamburg
Es geht darum, dass die Resilienz der Gesellschaft gestärkt wird. Und diese Resilienz, das ist die gute Botschaft, kann jeder in seinem Hause weiterentwickeln, kann jede kleine Firma weiterentwickeln und jedes große Unternehmen weiterentwickeln. Deshalb gibt es Krisenvorsorge, Pläne vom Bevölkerungsschutz. Deshalb gibt es Krisenvorsorge, Pläne von den Handelskammern. Deshalb gibt es erste Überlegungen, wie auch die Resilienz von Krankenhäusern in Hamburg weiterentwickelt werden können. Also es gibt ganz viele Instrumente, um Resilienz zu stärken. Und wir haben halt erfahren: Nur die Übung hilft wirklich besser zu werden. Konzepte sind in Ordnung, aber üben, üben, üben sind die drei Schlagworte, um resilienter zu werden.
Herr Leonhards. Vielen Dank für das Gespräch.