Gähnende Leere heute Morgen am VW-Werkstor in Wolfsburg - während sich Konzernchef Oliver Blume drinnen den Fragen der Belegschaft stellt. Das Interesse ist groß - nach Angaben des Betriebsrats verfolgen mehr als 10.000 Beschäftigte die außerordentliche Versammlung. Nach wochenlangen Spekulationen zu möglichen Werksschließungen und Stellenstreichungen fordert die Belegschaft Antworten vom Konzernvorstand. Doch erneut gibt es keine Gewissheit:
"Keine Werksschließungen, keine konkreten Zahlen zum drohenden Stellenabbau, keine Entscheidung. Volkswagen kauft sich heute in Wolfsburg wieder mal Zeit. 6 bis 12 Monate will sich der Konzern nehmen, um eine Lösung für die tobende Krise zu erarbeiten. Das klingt nach Entwarnung, ist es aber nicht. Die Probleme bleiben. Die Lösung der größten Krise des Volkswagenkonzerns wird ein weiteres Mal verschleppt."
Der Konzernbetriebsrat kritisiert Oliver Blume für seine "verpasste Chance" und spricht nach Angaben aus Teilnehmerkreisen von beschädigtem Vertrauen in den Konzernvorstand. Das ist heute auch bei der Belegschaft deutlich spürbar, wie auch bei Luigi Catapano, dessen Familie bereits in vierter Generation bei VW arbeitet.
"Ich bin enttäuscht, weil da kam nichts. Wir als Belegschaft haben Ängste, dass schon seit Jahren. Das weiß man auch. Herr Blume spricht mit uns nicht, geht immer über die Medien. Und das mögen meine Kollegen überhaupt nicht. Und deswegen sind sie stinksauer. Aber diese Ängste, die wir haben, das wird auch immer schlimmer."
Ende Juni hatte es erste konkrete Berichte von möglichen Standortschließungen der VW-Werke in Emden, Zwickau und Hannover sowie dem Audi-Werk in Neckarsulm gegeben - zudem war von bis zu 100.000 Stellenstreichungen weltweit die Rede. Hintergrund sollen hohe Produktions- und Standortkosten und eine zunehmende, kostengünstigere Konkurrenz aus China sein. Konkrete Informationen zu den angekündigten Maßnahmen vonseiten des Konzernvorstands blieben allerdings aus. In der Belegschaft fühlt man sich im Stich gelassen, so auch heute bei der zweiten Betriebsversammlung in Braunschweig. Die Stimmung:
"Nachdenklich. Das trifft es eigentlich am ehesten, weil Sie natürlich die Hoffnung haben, dass es nicht so schlimm kommt, dass sie eben nicht um ihre Existenz bangen müssen."
Bereits gestern Abend besuchen Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrats-Mitglied Olaf Lies sowie VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo das von der Schließung bedrohte VW-Werk in Hannover. Beide zeigen sich kämpferisch.
"Der niedersächsische Weg ist immer der Weg, der anstrengend ist. Man setzt sich zusammen und findet gemeinsame Lösungen. Und ich setze auch jetzt darauf, dass wir gemeinsame Lösungen finden mit und für die Kolleginnen und Kollegen an den Volkswagen Standorten."
"Meine Linie ist klar Wir schließen betriebsbedingte Kündigungen definitiv aus. Wir haben eine Beschäftigungssicherung erkämpft. Und wir werden natürlich auch in Zukunft darum kämpfen, dass Veränderungen sozialverträglich stattfinden."
Gemeinsame und sozialverträgliche Lösungen für die Beteiligten finden - das ist das große Ziel. Die nächste Betriebsversammlung findet morgen in Emden statt. Viele Fragen, viele Sorgen, aber die Antworten bleiben vorerst aus.