Es ist für die meisten ein ungewohntes Bild. 65 teils gepanzerte Fahrzeuge rollen mitten in der Nacht durch Hamburg. Geübt wird hier die Verlegung von Soldaten vom Flughafen Richtung Hafen - für viele eine Premiere. Auch für diesen Oberfeldwebel ist es die erste Teilnahme an der Übungsserie.
Oberfeldwebel
"Das ist sehr nah am Alltag. Wir sind viel mit den LKWs unterwegs. Und das Ganze jetzt auch mal in einem größeren Verbund bei Nacht zu üben, stärkt auf jeden Fall die Fertigkeiten."
Auch Teil der Übung: Dieser nachgestellte Protest, der die Militärkolonne behindert.
"Zurück, Zurück, Zurück"
Für eine stillstehende Kolonne kann es schnell gefährlich werden. Sie wäre ein einfach anzugreifendes Ziel. Solange Deutschland juristisch im Frieden lebt, darf die Bundeswehr im Inland nicht tätig werden und den Protest selbst auflösen. Daher muss die Polizei in diesem Szenario aushelfen.
Jürgen Bredtmann
Oberstleutnant
"Hier in der Situation gibt es gerade keine Variante, um diese Demonstration drumherum zu fahren. Die Polizei muss also jetzt hier die Demonstration auflösen."
Heute Morgen dann plötzlich ein realer Demonstrations-Einsatz im Hamburger Hafen. Gegen 6 Uhr protestieren laut Polizeiangaben 60 Aktivisten der Bewegung "Ende Gelände" unter anderem gegen Waffenlieferungen. Die Gleise wurden im Laufe des Tages geräumt.
Nicht weit entfernt geht die Übung Red Storm Charlie weiter. Nun soll die Zusammenarbeit zwischen Rettungskräften verschiedener Gewerke wie dem Technischen Hilfswerk und der Feuerwehr geschult werden. Simuliert wird ein Unfall eines Bundeswehrlasters bei Blohm und Voss. Ammoniak tritt aus. 5 Soldaten werden verletzt
Matthias Freudenberg
Feuerwehr Hamburg
"Davon waren drei nicht mehr gehfähig, weil sie so viel Gas eingeatmet haben. Zwei waren noch gehfähig und es war die Aufgabe, die erste Aufgabe, diese Menschen aus dem Gefahrenbereich rauszuholen."
Ein Szenario dass durchaus realistisch ist. Im Hamburger Hafen wird Ammoniak in großen Mengen umgeschlagen.
500 Soldaten nehmen an der dritten Übung dieser Art teil. Ziel ist es, gemeinsame Abläufe zu trainieren, wenn etwa Truppen mit ihrer Ausrüstung in Hamburg ankommen und von hier weiter in Richtung Osteuropa verlegt werden.
Am Nachmittag dann die letzte Übung für heute: Diese Drohne bringt einen Sprengsatz an dem Waggon hier an. Er ist mit militärischen Güter beladen. Sabotage!
Jürgen Bredtmann
Oberstleutnant
"Dann sind die Feldjäger halt zuständig. Die werden jetzt in Kürze hier landgebunden und auch luftgebunden hier erscheinen und dann um diesen Zug herum einen militärischen Sicherheitsbereich einrichten."
In der Realität würden die Feldjäger jetzt Beweismaterial sichern und auswerten.
Bisher sind das alles nur Übungen. Sollte es tatsächlich zum Verteidigungsfall kommen, kann die Wehrpflicht wieder eingeführt werden.
Bundesweit gab es dagegen heute Streiks, so wie hier in Kiel. 600 Teilnehmer waren auf der Straße.
Sie wollen keinen Krieg, wie die meisten.
Doch deutsche Soldaten wollen und müssen auf alles vorbereitet sein. Die Übung Red Storm Charlie ist dafür laut Bundeswehr und Sicherheitsbehörden ein wesentlicher Bestandteil.