In Schlachthof in Schleswig-Holstein Schweine in Not! Geheime Aufnahmen dokumentieren mutmaßliche Tierquälerei
„Die Tiere haben ein Erstickungsgefühl.”
Kurz vor der Schlachtung werden circa 80 Prozent der Schweine in Deutschland mit CO₂ betäubt. Doch das in der EU zulässige Verfahren steht schon länger in der Kritik. Laut Tierschutz-Aktivisten geht ein Großschlachthof in Kellinghusen (Schleswig-Holstein) jetzt zu weit: Die Tiere durchleben einen „Todeskampf”, sagt Anna Schubert von Animal Rights Watch über die geheimen Aufnahmen.
Verstörende Bilder aus dem Schlachthof
Schreiende Tiere, Schweine, die auf den Boden fallen oder nach Luft schnappen, Tiere, die geschlagen werden: Die geheim entstandenen Aufnahmen wurden der Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch nach eigenen Angaben zugespielt. Am Montag (19. Oktober) wendet sich die Organisation an die Presse.
Entstanden sind die Aufnahmen laut Animal Rights Watch an mehreren Tagen im März und April 2026 in einer Großschlachterei in Kellinghusen. Dort werden jedes Jahr rund eine Million Schweine geschlachtet. Seit mehr als zehn Jahren gehört der Betrieb zum größten deutschen Schlachtunternehmen Tönnies, dessen Dachgesellschaft sich im vergangenen Jahr in Premium Food Group umbenannt hat. Diese verteidigt in einem schriftlichen Statement die Vorgehensweise in den Videos.
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Schlachtunternehmen sieht keine strukturellen Mängel
„Die in unserem Unternehmen eingesetzten Verfahren entsprechen den geltenden rechtlichen Vorgaben und werden durch zusätzliche Kontrollmechanismen abgesichert”, heißt es im Statement der Premium Food Group, dem Dachunternehmen des Schlachthofs Tönnies, auf Anfrage von RTL. „Umgehend nach ersten Hinweisen auf mögliche irreguläre Verhaltensweisen haben wir ein ausführliches Tierschutzaudit am Standort durchgeführt. Hier sind keine systematischen oder strukturellen Mängel zu Tage getreten.”
Zur CO₂-Betäubung heißt es im Statement, dass es laut Fachleuten die „praktikabelste und tierschutzgerechteste Methode” für die Betäubung von Schweinen sei und die Firma dennoch an Alternativen forsche.
Mitarbeiter schneidet Schweinen Hinterfüße ab
Doch die Videos zeigen nicht nur die CO₂-Betäubung, sondern auch mutmaßliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz: Im Video schlagen Mitarbeiter mutmaßlich mit sogenannten Treibpaddels auf die Tiere ein. In zwei Fällen schneidet ein Mitarbeiter Schweinen jeweils einen Hinterfuß ab, bevor sie getötet werden. Dazu schreibt Tönnies: „Dieses Verhalten tolerieren wir nicht. Gleichwohl zeigen die Bilder eine tiefe Narkotisierung der Tiere durch die tiefe CO2-Betäubung und damit keine Wahrnehmungsfähigkeit.”
Lese-Tipp: Es sind nicht die ersten Aufnahmen dieser Art
Den mutmaßlich unzulässigen Einsatz von Treibpaddels, wie etwa durch das Einschlagen auf besonders schmerzempfindliche Stellen, bezeichnet die Firma als „einmalig”. Im Unternehmen arbeite man nur noch mit Poolnudeln aus Schaumstoff.
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Für Tierschützer kein Einzelfall
Laut Animal Rights Watch kann das im Unternehmen Tönnies kein Einzelfall sein. „Daher, dass diese Aufnahmen an unterschiedlichsten Tagen entstanden sind, an unterschiedlichen Stellen im Schlachthof, das heißt unterschiedliche Mitarbeitende zeigen, sieht man, dass das einfach der Standard ist, wie dieser Betrieb eben läuft”, sagt Anna Schubert von Animal Rights Watch. „Und das liegt natürlich daran, dass in diesen großen Schlachthöfen ein Fließbandsystem herrscht.” Animal Rights Watch hat Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe prüft den Fall.
Verwendete Quellen: Eigene RTL-Recherche

































