Kerstin Schaper und ihre zwei Söhne Justus und David wollen nicht akzeptieren, dass ihr Schulalltag möglicherweise bald völlig anders aussieht. Gemeinsam mit Hunderten anderen protestieren sie gestern auf dem Hamburger Rathausmarkt gegen die geplanten Kürzungen bei Ganztagsschulen.
Kerstin Schaper
"Unser Problem ist, dass die Verzahnung von Vormittag und Nachmittag aufgehoben werden soll. Unsere Schule beispielsweise hat ein ganz tolles Begabungsprogramm für Kinder, die besondere Begabungen haben.
Und deswegen ist die Ganztagsschule ein großer Gleichmacher für alle Kinder."
Konkret geht es um die gebundenen Ganztagsschulen. In Hamburg machen sie rund ein Drittel der 226 Grundschulen aus. Das Konzept: Über den Tag wechseln sich Unterricht und Betreuungsphasen ab, die Lehrer sind den ganzen Tag da. Da die Schulbehörde sparen muss, möchte sie ab dem kommenden Schuljahr Lehrer nicht mehr für die Betreuung, sondern nur noch für den klassischen Unterricht einsetzen. Wie an den offenen Ganztagsschulen sollen die Betreuungsangebote zukünftig in der Hand von Erziehern liegen. Bis zu 220 Lehrerstellen sollen wegfallen und 16,5 Millionen Euro pro Jahr im Bildungsetat gespart werden. Diese Rechnung geht für viele Eltern nicht auf.
Kerstin Schaper
“Bei Sprachen zum Beispiel. Es ist einfach unglaublich wichtig, dass es eine Person ist, die das studiert hat. Es gibt Teilbereiche am Nachmittag, die können nur Lehrkräfte machen."
Mit dieser Befürchtung ist Kerstin Schaper nicht allein. Es gibt sogar eine Petition.
"Was das Thema Inklusion angeht, ist dort meine Tochter stark davon betroffen, weil sie als Autistin sehr darauf angewiesen ist, dass auch im Ganztag eine qualifizierte Lehrkraft einen strukturierteren Unterricht gibt."
"Wir haben ein Gesamtbudget von 6,36 Milliarden € für Bildung, und da sollen 16 Millionen nicht drin sein?"
"Und wo sollen die Erzieherinnen herkommen?
Aufgrund des großen Widerstands gegen die Pläne gibt es eine öffentliche Anhörung im Schulausschuss. Eltern, Lehrer und Verbände können hier ihre Argumente und Fragen an den Senat vortragen. Der Andrang im Rathaus ist so groß, dass es nicht alle in den Großen Festsaal schaffen. Über Stunden hinweg tragen die Betroffenen ihre Bedenken vor. Schulsenatorin Ksenija Bekeris glaubt, dass die Entwicklung der Schüler nicht unter der Neuausrichtung leidet. Sie möchte jede Schule aber doch nochmal einzeln betrachten.
Ksenija Bekeris
"Jetzt gibt es eine Arbeitsgruppe, die ganz konkret an Fragestellungen arbeitet, die sich damit beschäftigen, wie funktioniert und wie schaffen wir die konkrete Organisation an Schule vor Ort.
“Ich werbe im Moment dafür, dass wir den Haushaltsplanentwurf, so wie wir ihn eingebracht haben, dass er so von der Bürgerschaft auch beschlossen wird. Aber wir müssen auch Transparenz herstellen. Wir müssen auch die Sorgen und Nöte ernst nehmen."
Für Kerstin Schaper und ihre Söhne bleibt die Hoffnung, dass die Einsparungen nicht in der geplanten Form kommen und die Qualität ihres Schulalltags vielleicht doch aufrechterhalten wird.