Und wir Journalisten haben in der regionalen Berichterstattung eine ganz besondere Rolle, die wir auch bei RTL Nord sehr ernst nehmen. Darüber spreche ich jetzt mit unserer RTL Nord-Programmchefin Sonja Schwetje.
Herzlich Willkommen bei uns im Studio und wie schön, dass du da bist, Sonja.
Ich freu mich auch.
Warum braucht Demokratie gerade regionalen Journalismus?
Demokratie ist ja nichts abstraktes, was nur im Bundestag oder in Berlin stattfindet. Das ist etwas, was vor unserer Haustür stattfindet und wir sind da direkt vor Ort mit unseren Reporterinnen und Reportern. Das heißt wir können die Leute direkt fragen: Wo drückt der Schuh? Welche Themen findet ihr wichtig? Wo sollen wir mal genauer hingucken? Das kann eine geschlossene Schule sein oder eine U Bahn Linie, die gebaut wird, oder auch ein größeres Unternehmen, was Stellenabbau plant. Und wir machen dann auch sichtbar, wer diese Entscheidungen trifft und konfrontieren dann auch diese Menschen mit den Sorgen und Fragen der Bürgerinnen und Bürger.
Jetzt gibt es aber ja Informationen, gefühlt überall, in sozialen Netzwerken, auf Plattformen, aber vielleicht auch bei Politikern und Unternehmen irgendwie direkt selbst. Warum braucht es denn da wirklich den Journalismus dafür?
Das stimmt. Es gibt keinen Mangel an Informationen. Es gibt aber schon auch eine große Unsicherheit. Menschen, die gerade bei Social Media oder im Internet diese Informationen finden, wissen nicht so genau, Was kann ich Ihnen davon jetzt glauben und was nicht? Das ist ja genau unsere Aufgabe als regionale Journalismusanbieter zu sagen Wir gehen hin. Wir fragen nach. Wir machen uns vor Ort wirklich ein eigenes Bild der Lage und teilen diese Erkenntnisse, die wir dann haben. Und das macht natürlich auch die Arbeit so spannend. Aber auch dann da mal genau nachzufragen, wo Leute eigentlich gerne hätten, dass wir da nicht hingucken. Das ist etwas, was es so in dieser Informationsflut nicht gibt. Das heißt, es gibt eine gewisse Orientierung und das bieten wir unseren Nutzerinnen und Nutzern gerne an?
Ein ganz wichtiges Thema. Die Frage ist nur: Wie können denn diese Nutzerinnen und Nutzer denn diese Informationen auch bekommen? Weil gefühlt gibt es ja so so viel und die Menschen schicken immer mehr Informationen ins Netz. Es geht so schnell, dass sie entweder ungeprüft einfach ein Bild teilen und das kommentiert wird oder das vielleicht wirklich mit einem Hintergedanken – auch Fake News oder Videos oder Fotos ins Netz gestellt werden. Und ich finde, heute kann man die kaum schon erkennen. Wie können wir sicherstellen, dass unsere journalistischen, fundierten und recherchierten Inhalte denn auch wirklich nachher gefunden werden von den UserInnen und Usern?
Ja, das ist ein ganz wichtiger Aspekt, weil tatsächlich gerade das, was bei Social Media zu den Menschen gelangt, das entscheiden die Algorithmen. Und die sind eben programmiert nach den jeweiligen Interessen der Plattformen. Und das geht eben nicht danach, wer wirklich Faktenchecks gemacht hat oder Videos verifiziert hat. Es geht nicht darum, wer die besten Perspektiven reingebracht hat, sondern die lauten und die polarisierenden Stimmen. Die setzen sich meistens durch. Und hier müssen wir einen bewussten Gegenpol setzen und sagen Wir suchen so viele Meinungen und Positionen, wie vielleicht zu einem Thema auch vorhanden sind und bieten eine faktenbasierte Grundlage. Wir möchten ja niemandem die Meinung vorgeben. Wir möchten die Grundlage, die er oder sie braucht, um sich eine eigene Meinung zu bilden, anbieten. Und dann kommt natürlich dazu und das ist dann, glaube ich, auch eine medienpolitische Aufgabe, dass man sicherstellen muss, dass diese ja nachweislich auch und auch überwachten Inhalte an die Menschen gelangen. Und da ist dann die Frage, ob da nicht die großen globalen Techplattformen zu viel Gestaltungsspielraum haben und ob es nicht im Sinne der Demokratie und einer pluralistischen Gesellschaft besser wäre, wenn man sicherstellt, dass auch gerade Nachrichtenanbieter wie RTL Nord, die ja auch beaufsichtigt sind, mit ihren Inhalten leichter auf den Radar kommen.
Ich könnte mir vorstellen, dass genau diese Aufgabe dich wahrscheinlich wahnsinnig auf Trab hält. Aktuell. Was bedeutet das denn für dich als Geschäftsführerin und als Programmchefin von RTL Nord dann ganz konkret?
Ich glaube, wir müssen immer wieder aufzeigen, wo die Herausforderungen liegen. Wir wollen ja das Gute von KI und der Digitalisierung auch mitnehmen. Und das nutzen wir auch ganz aktiv an den Stellen, wo es Sinn macht. Wir wollen aber eben auch gleichzeitig ein gutes Angebot machen. Ich glaube, heutzutage ist es wichtiger denn je, dass Menschen auch unterschiedlicher Meinung sein können und sich streiten können. Und dieser Diskurs aber trotzdem auf so einer faktenbasierten Grundlage stattfindet. Was wir tun müssen als Unternehmen auch sehr gerne tun, ist nah an den Menschen dran sein, zuhören, den Finger in die Wunde zu legen, da wo es Not tut, aber eben auch vielleicht Gestaltungsspielräume aufzuzeigen. Demokratie ist ja auch eine Sache, die Beteiligung erfordert. Also wir zeigen auch gerne Guck mal, hier könnt ihr mitgestalten. Hier gibt es kleine Möglichkeiten. Wir sind nicht ausgeliefert und das macht es dann für mich auch wieder schön, in so einer vielfältigen Gesellschaft zu leben. Und deswegen machen wir auch bei der Demokratiewoche gerne mit.
Eine schöne Aktion, die auf jeden Fall Hoffnung gibt. Ganz, ganz herzlichen Dank dir für das Gespräch Und wie schön, dass du heute hier bist. Sonja Schwetje.
Dankeschön.