5 Kinder starben in Solingen

Urteil im Prozess um Kindermorde in Solingen: Höchststrafe für Angeklagte

13. Dezember 2021 - 19:50 Uhr

Christiane K. zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt

Sie hat sich selbst mit ihrer unfassbaren Tat das Liebste genommen: Am 3. September 2020 soll Christiane K. fünf ihrer sechs Kinder nacheinander umgebracht haben. Nur ihren ältesten Sohn verschonte sie, schickte ihn zu ihrer Mutter, bevor sie versuchte, sich selbst das Leben zu nehmen. Der Prozess gegen die 28-Jährige endete heute vor dem Landgericht Wuppertal. Die Frau aus Solingen wurde zu zu lebenslanger Haft verurteilt. Außerdem stellten die Richter die besondere Schwere der Schuld fest.

Angeklagte nimmt Urteil regungslos mit gesenktem Blick entgegen

"Der Täter ist eindeutig", erklärte der Richter. Aus seiner Sicht war Christiane K.s Motiv ein Mix aus Demütigung und Kränkung einer narzisstisch strukturierten Frau, außerdem habe Rache eine Rolle gespielt.

Die 28-Jährige saß regungslos mit traurigen Augen an ihrem Platz im Gerichtssaal, wie RTL-Reporter Valerio Magno vor Ort beobachtete. Ihren Blick hielt sie auf ihren Tisch vor sich nach unten gesenkt. Sie trug weiße Turnschuhe, verwaschene graue Jeans, ein helles Langarm-Shirt und einen weißen Strickschal um den Hals.

Video: RTL-Reporter Ulrich Klose bei der Urteilsverkündung in Wuppertal

Christiane K. hatte den Tatvorwurf bestritten. Laut ihrer Aussage soll sich ein maskierter Fremder Zutritt zur Wohnung verschafft und die fünf kleinen Kinder im Alter von 1 bis 8 Jahren getötet haben. Für die Polizei eine Schutzbehauptung: "Wir sind dem natürlich nachgegangen, haben aber nichts gefunden, was dafür spricht", sagte einer der Ermittler nach der Tat.

Chatprotokolle mit dem Vater der Kinder, die während der Verhandlung vorgetragen wurden, warfen allerdings ein anderes Licht auf das Geschehen. Gut ein Jahr vor der Tat hatten sich der Vater der vier jüngsten Kinder und die 28-Jährige getrennt. In seinem Profilbild bei WhatsApp hatte er sich mit einer neuen Frau gezeigt. Daraufhin schrieben sich die Mutter und Vater im Streit mehrere Nachrichten. Unter anderem tippte Christiane K. im Streitverlauf am Todestag ihrer Kinder, dass er sie nie wiedersehen werde. In den von der Polizei wiederhergestellten Nachrichten der Mutter heißt es auch, die Kinder seien "schon da oben, wo ich auch gleich bin" und "die Kinder sind tot."

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Der Todeskampf hat bei jedem Kind drei bis fünf Minuten gedauert

Der Vortrag der Gerichtsmedizinerin zur Todesursache von Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8) schockierte selbst erfahrene Gerichtsreporter. Die Mutter habe ihren Kinder zunächst einen Medikamentencocktail gegeben und sie so schläfrig gemacht. Anschließend soll sie die Kinder nacheinander in die Badewanne gelegt haben, bevor sie sie in Handtücher wickelte und auf ihr Bett trug. Jedes Kind wurde dort von Polizisten mit nassen Haaren gefunden. Im Bett habe die 28-Jährige ihre Kinder erstickt. Lediglich bei der zweijährigen Leonie sprächen die Spuren eher für ein Ertrinken des Mädchens, so die Gerichtsmedizinerin. Der Todeskampf habe bei jedem Kind drei bis fünf Minuten gedauert. Christiane K. hörte dem Vortrag regungslos zu.

Staatsanwalt hatte lebenslange Haft für Christiane K. gefordert

Während des Prozessverlaufs warf einer der Verteidiger eine weitere Theorie rund um den Tod der fünf Kinder auf: Der Vater hätte einen Auftragskiller engagiert, um keinen Unterhalt zahlen zu müssen. Doch auch für diese Theorie konnten die Ermittler keine Beweise finden. In den abschließenden Plädoyers hatte Verteidiger Thomas Seifert einen Freispruch beantragt. Es gebe nach wie vor Zweifel an der Täterschaft seiner Mandantin. Er räumte aber ein, dass die Angeklagte eine hochgradige Narzisstin sei, vom Ausmaß vergleichbar mit Donald Trump. Sollte das Gericht dem Antrag auf Freispruch nicht folgen, regte er ersatzweise eine Strafe von acht Jahren wegen Totschlags mit Unterbringung in einer Psychiatrie an.

Laut Experteneinschätzung soll Christiane K. während der Tötung ihrer Kinder keine Kontrolle über ihre Impulse gehabt haben. "Die Mutter war in einer gefühlsmäßigen Vollnarkose", erklärt Dr. Christian Lüdke im RTL-Interview. Die Staatsanwaltschaft sah Christiane K. als schuldfähig an und plädierte auf lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere ihrer Schuld, was eine Haftentlassung nach 15 Jahren nahezu ausschließt.

Die Hausfrau habe die fünf Kinder heimtückisch umgebracht, indem sie sie erst betäubte und dann nacheinander ertränkte oder erstickte, hatte der Staatsanwalt am Dienstag in seinem Plädoyer gesagt. (dpa/lha/jgr)

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