Eine Woche nach RücktrittChats belasten Ex-Fluchtministerin – Abteilungsleiterin rief zum Handeln auf, Paul ignorierte

von Vanessa Brodka

Eine Woche nach dem Rücktritt von Josefine Paul (Grüne) liegen RTL WEST neue Chats vor. Sie zeigen interne Warnungen nach dem Anschlag von Solingen. Die Opposition spricht von Versagen und fordert weitere Konsequenzen.

Chats liegen RTL WEST vor

Der Druck wurde zu groß nach dem Terroranschlag von Solingen. Am Dienstag (27.01.) trat Josefine Paul als NRW-Fluchtministerin zurück. Der Fall wird im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss aufgearbeitet. Doch viele Akten gelten als lückenhaft. Jetzt tauchen neue Chats auf, die RTL WEST vorliegen. Sie stammen vom Morgen nach der Messerattacke - und sie belasten das Krisenmanagement der damaligen Hausspitze.

Interne Warnungen blieben unbeachtet

In den Chats warnt die Abteilungsleiterin für Integration eindringlich. „Es ist ein Fest der Vielfalt gewesen“, schreibt sie. Als Ministerin für Zusammenhalt sei das genug Grund, vor Ort zu sein. Sie empfahl, das Lagezentrum zu besuchen. Doch dazu kommt es nicht. Paul reiste stattdessen zu einem Pressetermin nach Frankreich. Dabei war sie bereits zwölf Stunden zuvor über den Anschlag informiert.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Im Video: Interview mit Lisa Kapteinat (SPD)

Politischer Streit um Verantwortung

Mehrfach drängte die Abteilungsleiterin zum Handeln. Staatssekretär Lorenz Bahr meinte jedoch: „Ich würde jetzt mal abwarten, ob es etwas Offizielles gibt.“ Später heißt es intern: „Wichtig nur, dass wir zeitnah informiert werden.“ Die Opposition spricht von machtpolitischem Kalkül. FDP und SPD fordern nun auch Bahrs Rücktritt.