Morgens beginnt für Andreas R. Eine besonders geschäftige Zeit. Der Ingenieur, selbst Vater, knipst vor dieser Münchner Grundschule Fotos von Autos, die Gehwege zuparken, und bringt das dann zur Anzeige.
„Über 650 Kinder strömen hier morgens in die Schule, in einem Zeitfenster von 20 oder 15 Minuten. Dass die Gehwege eingeschränkt werden, eingeengt werden und die Kinder weichen dann auf die Straße aus, was zu Verletzungen führen könnte."
Sein wohl wichtigstes Arbeitsmittel ein Smartphone, um die Beweisphotos an die Polizei weiterzuleiten. Dass der selbsternannte Hilfssheriff dafür Gegenwind bekommt, kann er gar nicht verstehen.
„Ich zeige keine Menschen an, sondern Autos, die falsch parken. Das ist ein sachliches Thema zum Einhalten der Verkehrsregeln."
Na ja, ganz so sachlich sehen diese Eltern das aber nicht.
„Das Problem ist, dass der immer da steht, mit so einem selbstgefälligen Grinsen und die Menschen zurechtweisen."
„Uns allen hier liegt die Sicherheit unserer Kinder sehr am Herzen. Und wo hier ein Problem gibt, sehe ich jetzt nicht wirklich. Der hat mittlerweile über 600 Anzeigen in ganz Waldtrudering an die Polizei gebracht. Das ist ein Wahnsinn. Wir sind hier 1/4, wir kennen uns alle. Man hilft sich und man zeigt sich nicht gegenseitig an."
Die Emotionen kochen also hoch im Stadtteil Waldrudering. Aber der Ingenieur macht weiter, kontrolliert auch dort, wo er zufällig vorbeikommt. Immer mit dabei dieses Lasermessgerät. Autos, die keinen Mindestabstand von 1,5 Meter für Fußgänger frei lassen, werden von Andreas R angezeigt.
„1,17 Meter. Das heißt für mich ist das anzuzeigen, weil wenn meine Kinder jetzt hier durchradeln und jemand aus der Einfahrt rauskommt, ist nicht genug Platz. Und dann muss ich meine Kinder auf die Straße lotsen."
Und auch hier ein Parksünder. Aber mal ehrlich, warum überlässt er das nicht einfach der Polizei?
„Weil die das zu wenig machen. Sonst hätten wir nicht die Situation, dass so viele Autos auf dem Gehweg parken."
Die Polizei selbst konnte uns bislang kein Interview geben. Fast schon ironisch. Sie hat ihm wohl ein besonderes Hilfstool empfohlen.
„Ich habe ursprünglich eine Email an die Polizei geschickt, weil ich das Foto ja übermitteln muss. Nach wenigen Wochen hat mich die Polizei darauf hingewiesen, dass solche Emails, formlose Emails, viel bürokratischer Arbeitsaufwand sind und hat mich auf eine Plattform hingewiesen, wo man das Foto hochladen kann und dann per KI Farbe, Autotyp, Kennzeichen Tatzeit Tatort ist in den Metadaten des Bildes drin automatisch befüllt wird."
Wegen einer Beschwerde hat sich jetzt eine Behörde eingeschaltet. Das Landesamt für Datenschutz. Der Grund Die sogenannten Beweisfotos.
„Wenn jetzt zum Beispiel auch Kinder darauf zu sehen sind und man würde sehen, die Fotos würden weitergegeben werden an irgendwelche Dritte, das sind dann so Faktoren, die für ein Bußgeld sprechen."
Soweit die Theorie. Das Verfahren gegen Andreas R aber läuft noch. Er selbst sagt, er achte darauf, dass auf den Fotos keine Kinder abgebildet sind. Die Aufnahmen habe er immer ordnungsgemäß nach der Anzeigenstellung gelöscht.