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Fünf Kinder in Solingen getötet - Prozess: Wurde Christiane K. (28) als Kind missbraucht?

Lehrerin der Angeklagten sagt vor Gericht aus

Fünf Kinder in Solingen getötet: Wurde Christiane K. (28) als Kind missbraucht?

Die angeklagte Mutter (r) spricht mit einem ihrer Anwälte - in einer wegen Corona angebrachten Scheibe spiegelt sich das Wort "Gesetz" vom Fenster.
Der Prozess gegen Christiane K. startete am 14. Juni vor dem Landgericht Wuppertal.
obe kde, dpa, Oliver Berg

Kinder betäubt und anschließend erstickt, erwürgt oder ertränkt

Diese Tat ist schockierend: Christiane K. (28) soll fünf ihrer sechs Kinder betäubt und dann in der Badewanne eins nach dem anderen erstickt, erwürgt oder ertränkt haben. Nur der damals elfjährige Marcel überlebte. Melina (†1), Leonie (†2), Sophie (†3), Timo (†6) und Luca (†8) starben. Im Prozess vor dem Wuppertaler Landgericht gegen die Mutter Christiane K. kommen nun weitere Details ans Licht. Offenbar gibt es Hinweise darauf, dass die Angeklagte als Kind sexuell missbraucht wurde.

Christiane K. fehlte im Unterricht und ekelte sich vor Tapetenkleister

Eine ehemalige Lehrerin von Christiane K. sagte als Zeugin im Prozess aus. K. sei zunächst eine gute, unauffällige Schülerin gewesen, berichtete die Frau. In der 7. Klasse hätten dann aber die Probleme begonnen: Die Schülerin behauptete, ein Mann mit schwarzer Kapuze würde sie verfolgen, darum könne sie nicht zum Unterricht kommen. „Sie war Spitzenreiterin bei den Fehlstunden“, sagte die ehemalige Lehrerin der Angeklagten.

Christiane K. habe auch häufiger hyperventiliert, mehrfach sei der Krankenwagen gerufen worden. Im Kunst-Unterricht habe sie nicht mit Tapetenkleister arbeiten können. Dies sei ein typisches Anzeichen für sexuellen Missbrauch.

Fünf tote Kinder in Solingen Prozess in Wuppertal
02:45 min
Prozess in Wuppertal
Fünf tote Kinder in Solingen

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Schule vermutete, dass Christiane K. sexuell missbraucht wurde

Ihr Vater habe die Gesprächsversuche der Schule boykottiert. „Wir haben später sexuellen Missbrauch vermutet“, sagte die Lehrerin. Sie habe ihren Verdacht dem Sozialpsychologischen Dienst mitgeteilt. Christiane K. sollte daraufhin mehrere Wochen in die Kinder- und Jugendpsychiatrie.

„Die Eltern wollten das aber nicht, nahmen sie wieder mit. Dann passierte, was so oft passiert: Telefonnummer gewechselt, Abmeldung von unserer Schule, Anmeldung an anderer Schule“, schilderte die Lehrerin. Später habe ihr ein Polizist gesagt, dass sie mit ihrer Vermutung recht gehabt habe und das Mädchen missbraucht worden sei.

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War eine neue Freundin des Vaters der Grund für die Tat?

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mm, AP, Martin Meissner

Wie in der bisherigen Verhandlung klar wurde, soll Christiane K. kurz vor der Tat im September 2020 erfahren haben, dass ihr getrennt lebender Noch-Ehemann eine neue Freundin hatte. Er soll bei WhatsApp ein Bild von sich und seiner neuen Freundin – einer Frau aus der Nachbarschaft – geteilt haben.

Über den Nachrichtendienst habe es im Anschluss einen Streit zwischen Christiane K. und dem Vater von vier ihrer Kinder gegeben. In dem habe er ihr deutlich gemacht, dass es für ihn kein Zurück mehr gebe. Darauf soll die Mutter geantwortet haben, dass er seine Kinder nie wiedersehen werde , berichtete RTL-Reporter Ulrich Klose, der während der ersten Verhandlung vor Ort war.

Christiane K. soll ein Kind nach dem anderen getötet haben

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mm, AP, Martin Meissner

Anschließend soll Christiane K. laut Anklage am Morgen des 3. Septembers ihre fünf jüngsten Kinder mit einem Medikamentencocktail betäubt haben, den sie in die Frühstückssäfte der Kinder mischte. Die schläfrigen und wehrlosen Kinder habe sie in der Folge eins nach dem anderen – beginnend mit dem jüngsten – ins Badezimmer gebracht und in der Badewanne erstickt, erwürgt oder ertränkt.

Die Leichen habe sie in Handtücher gewickelt und in die Kinderbetten gelegt. Nur der älteste Sohn überlebte – seine Mutter hatte ihn zur Großmutter geschickt. Am Nachmittag entdeckte die Polizei die schreckliche Szene in der Wohnung der Angeklagten. Am Montag vor Gericht erzählten die Beamten, die zuerst vor Ort waren, dass die Großmutter der Kinder die Polizei alarmiert habe.

Ein 28-jähriger Beamter schilderte, wie die Polizei in die Wohnung eindrang und er unter einem Stapel Decken kleine Füße herausragen sah. Bei dem kleinen Jungen habe schon die Leichenstarre eingesetzt. Danach hätten sie die vier weiteren Kinderleichen entdeckt.

Ausnahmesituation für die Polizei

Christiane K. habe die Tat anschließend bestritten. Ein maskierter Einbrecher sei in die Wohnung eingedrungen, habe sie gefesselt und geknebelt und dann ihre Kinder umgebracht, erzählte sie damals der Polizei. Für diese Behauptung konnten die Ermittler allerdings keine Spuren oder Hinweise finden.

Vor Gericht sagten die Beamten aus, dass sie in der Wohnung keine Kampfspuren finden konnten: „Das war eine Ausnahmesituation für mich, ich habe so etwas noch nicht erlebt“, sagte ein 24 Jahre alter Polizist später der dpa. Er war damals einer der ersten Ermittler am Tatort. „Es sah aus, als würden die Kinder schlafen.“ Nach Angaben des Polizeipräsidenten nahmen alle beteiligten Polizeibeamten im Nachgang psychologische Hilfe in Anspruch.

Christiane K. droht bei einer Verurteilung lebenslange Haft

Laut einem Bericht des „Solinger Tagesblatts“ verweigerten sowohl die Mutter der Angeklagten als auch die Großmutter väterlicherseits die Aussage. Auch der Bruder von Christiane K. sowie ihr Noch-Ehemann hätten bereits über Dritte angekündigt, sich nicht äußern und vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen zu wollen. Sie waren bisher nicht als Zeugen geladen. Der Ehemann wolle wohl aber den Inhalt der polizeilichen Vernehmung für das Gericht freigeben.

Am Donnerstag (24. Juni) soll der Prozess fortgesetzt werden. Hier werden laut Gerichtssprecher die Polizeibeamtin befragt, die die erste Aussage von Christiane K. aufgenommen hatte sowie eine Psychologin aus der JVA, die mit der Mutter Gespräche geführt hat. Außerdem soll ein toxikologisches Gutachten zu Blutuntersuchungen der Kinder aber auch zu Christiane K. vorgestellt sowie Zeugen aus dem persönlichen Umfeld des Vaters befragt werden. Im Falle einer Verurteilung droht Christiane K. lebenslange Haft. (nfi/jgr/dpa)