Ermittler suchen nach Motiv von Christiane K. (27)

Fünf Kinder in Solingen ermordet: Haftbefehl gegen Mutter - eine Chronologie der Ereignisse

Was am Donnerstag im nordrhein-westfälischen Solingen geschehen ist, erschüttert viele Menschen bis ins Mark.
Was am Donnerstag im nordrhein-westfälischen Solingen geschehen ist, erschüttert viele Menschen bis ins Mark.
© dpa, Roberto Pfeil, rp alf

18. September 2020 - 11:07 Uhr

Mutter soll fünf ihrer sechs Kinder ermordet haben - Eine Chronologie der Ereignisse

Was am Donnerstag im nordrhein-westfälischen Solingen geschehen ist, erschüttert viele Menschen bis ins Mark. In einer Wohnung im dritten Stockwerk eines Mehrfamilienhauses im Ortsteil Hasseldelle fand die Polizei die Leichen von fünf Kindern vor. Einzige Tatverdächtige ist die 27-jährige Mutter. Christiane K. soll ihren Töchtern Melina (†1), Leonie (†2) und Sophie (†3) sowie ihre Söhne Timo (†6) und Luca (†8) getötet haben. Ihr Sohn Marcel (11) überlebte. Es ist ein verstörender, schockierender Fall, der eine quälende Frage aufwirft: Warum? Wir haben eine Chronologie der Ereignisse zusammengefasst.

Tatzeit, überlebender Sohn, Rolle der Großmutter

Zwischen Mittwochnachmittag und Donnerstag 11 Uhr soll die junge Mutter ihre drei Töchter und zwei Söhne ermordet haben. Sie sind mutmaßlich erstickt, wie die Ermittler am Freitag schilderten. Ihr ältester Sohn Marcel war am Donnerstagvormittag noch in der Schule. Unter dem Vorwand eines Todesfalls in der Familie soll Christiane K. Marcel frühzeitig von der Schule abgeholt haben. Danach stiegen sie gemeinsam in die S-Bahn 1 zum Düsseldorfer Hauptbahnhof.

Noch im Zug soll die 27-Jährige ihre eigene Mutter über den Tod ihrer Enkelkinder informiert haben. Die Mutter der Frau habe daraufhin gegen 13.45 Uhr beim Polizeipräsidium Mönchengladbach angerufen und von der Horror-Tat berichtet. Fünf Minuten später standen die Einsatzkräfte vor der Wohnung in Hasseldelle.

Polizei, Tatort in Solingen, das Bild des Grauens

Als die Polizeibeamten die Tür der Wohnung in der Hasselstraße 155 gewaltsam öffneten, fanden sie die leblosen Körper der Kinder in ihren Betten vor. Was sich dort abgespielt hat - man mag es sich nicht vorstellen. Ein Bild des Grauens, schwer zu ertragen für die Ermittler, betont der Einsatzleiter. Nicht auszuschließen, dass die Mutter ihnen auch eine Substanz verabreichte, die toxikologischen Untersuchungen stehen noch aus.

Man habe eine Frühstückssituation in der Küche vorgefunden. "Schälchen standen noch auf dem Tisch", berichtet der Leiter der Mordkommission, Marcel Maierhofer. "Wir haben keine Anzeichen für scharfe oder stumpfe Gewalt am Tatort entdeckt", teilte er mit. 80 Einsatzkräfte seien am Nachmittag vor Ort gewesen.

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Mutter überlebte Suizidversuch schwer verletzt

Währenddessen fuhr K. mit ihrem Sohn Marcel in der S-Bahn. Am Düsseldorfer Hauptbahnhof stieg sie aus und versuchte, sich das Leben zu nehmen. Sie überlebte schwer verletzt und wird zurzeit in einem Krankenhaus behandelt. Die 27-Jährige sei nicht vernehmungsfähig, so die Ermittler. Ihr Sohn Marcel fuhr alleine weiter zu seiner Großmutter nach Mönchengladbach.

Warum ist Marcel der Einzige, der nicht getötet wurde? Die Ermittler können nur mutmaßen, vielleicht hatte er einfach Glück, dass er zur Tatzeit in der Schule war. Er befindet sich jetzt in Obhut der Großmutter, sagten die Ermittler am Freitag.

Haftbefehl, Motiv, Jugendamt, Väter der Kinder

Inzwischen wurde Haftbefehl gegen Christiane K. erlassen. Ob die 27-Jährige nun in ein Justizvollzugskrankenhaus kommt, sei noch ungewiss. Quälend ist auch die Frage nach dem Motiv - was trieb die Frau an? Eine Tat im "Zustand emotionaler Überforderung", meint Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt. Man habe vorher aber keine Hinweise darauf gehabt, dass das Kindeswohl gefährdet gewesen sei.

Vier der getöteten Kinder stammten wohl aus einer zerrütteten Ehe, die Partner lebten seit einem Jahr voneinander getrennt. "In dieser Zeit hat es eine Diebstahlsanzeige der Mutter gegen den Vater gegeben", so die Ermittler. Es habe zudem einen Polizeieinsatz gegeben. Die Familie war dem städtischen Jugendamt vor der Tat bereits bekannt. Ihr seien "erforderliche Unterstützungen" gewährt worden, teilte ein Sprecher der Stadt Solingen mit. 

Zwei Kinder hatte die Mutter aus vorherigen Beziehungen. Keiner der drei Väter ist tatverdächtig. Der 28 Jahre alte Vater der vier Kinder sei noch am Donnerstag informiert worden, so die Ermittler.

Reaktion in Solingen

Am Tag danach herrscht am Tatort Sprachlosigkeit. Stille ist eingekehrt. Alle Absperrungen sind aufgehoben. Die Beamten haben die Spuren vor Ort gesichert, sind abgezogen. Vor dem Hauseingang, an den Briefkästen, brennen am Freitag Kerzen. Anwohner haben auch Stofftiere und Blumen niedergelegt. Am Samstagabend nahmen Hunderte Menschen an einer Mahnwache teil, mit einem Kerzenmeer, Luftballons und Botschaften gedachten sie der getöteten Kinder.

Hilfe bei Suizidgedanken

Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de.

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