Im Restaurant Don Gionavvi in Leipzig gibt es viel zu tun. Neben dem regulären Betrieb ist auch noch ein Kochkurs angesagt. Die geplante Abkehr vom starren Acht-Stunden Tag wird hier unterschiedlich aufgenommen.
Aus dem Restaurant heißt es: „An Tagen, wo viel los ist, wie zum Beispiel an Feiertagen, macht das schon mehr Sinn, auch länger arbeiten zu können. Zehn Stunden wäre zu viel sein, weil das Arbeit ist sehr stark. Und wir müssen viel laufen. „
Doch solche 10 Stunden Tage sollen künftig ganz regulär möglich sein. Die Bundesregierung will eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit. Im Rahmen der Tourismusstrategie hat sie das bekräftigt. Gelten soll die Neuregelung aber für alle Branchen.
Katherina Reiche, CDU, Bundeswirtschaftsministerin: „Wir sollten das für alle anwenden, weil ja nicht nur der Tourismus saisonale Hochs und Tiefs hat. Das haben viele Unternehmen. Insofern halte ich das für einen wesentlichen Baustein unsere Arbeitsproduktivität zu steigern.“
Bislang hat ein Vollzeit-Arbeitstag acht Stunden. In Ausnahmefällen sind auch zehn Stunden möglich. Aber nur, wenn das selten vorkommt und man über ein halbes Jahr gerechnet im Durchschnitt wieder auf acht Stunden pro Tag kommt. Das soll jetzt flexibler werden.
Christoph Ploß, CDU, Toursimusbeauftragter der Bundesregierung: „Es kann sein, dass man zum Beispiel mal zwölf oder 13 Stunden an einem Tag arbeitet und dafür dann an anderen Tagen weniger arbeitet. Das sollen aber die Arbeitgeber mit den Arbeitnehmern gemeinsam besprechen.“
Immerhin: Die Höchst-Wochenarbeitszeit bleibt bestehen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sollen profitieren. Aber auch den Beschäftigten soll die Flexibilität zugute kommen. Etwa um Familie und Beruf leichter unter einen Hut zu bringen.
Die Meinungen sing gespalten:
„Es macht viel mehr Sinn, wenn man die Arbeit dann macht, wenns einem reinpasst. Viele haben Kinder.“
„Der Arbeitnehmer muss derjenige sein, der sagt ich kann das übernehmen oder nicht.“
„Wenn ich jetzt 14/15 Stunden arbeite am Tag, das schlaucht auch.“
So sehen es auch Gewerkschaften und warnen vor Gesundheits-Risiken bei zu langen Arbeitstagen. Gerade bei körperlich anstrengenden Berufen. Arbeitsmarktexperten raten daher zu klaren Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
Enzo Weber, Arbeitsmarktforscher: „Wo Rechte, Pflichten, Verantwortung, Vorgehensweise bei der Arbeitszeiteinteilung wirklich einvernehmlich geklärt werden und auf Gesundheitsschutz und Gesundheitsmonitoring achten, damit man mögliche Schäden wirklich rechtzeitig erkennt und dem vorbeugt.“
Ab 2027 könnte auch so mancher Arbeitstage im Don Giovanni deutlich länger werden. Bis dahin soll das neue Gesetz vom Bundestag beschlossen werden und in Kraft treten.