Wenn auf dem Weg zur Arbeit die Polizei an jeder Ecke "Guten Morgen" sagt, dann ist was los in der Stadt. Die Flaggen an den Wagen zeigen: Hamburg, das Tor zur Welt, hat die Türen geöffnet.
Thomas Jell, Reporter
"Findet ja hier der Nordseegipfel in Hamburg statt."
Cornelia Oelkers, Rentnerin
"Ja, hab ich grad erfahren, von dem Polizisten da drüben. Bisschen viel in der morgendlichen Rushhour finde ich, an Aufregung."
Denn die Welt einzuladen, bedeutet gleichzeitig, die Hamburger erst einmal auszuladen. Die Innenstadt rund ums Rathaus ist abgeriegelt. Busse werden umgeleitet. Problematisch für die, die es eilig haben.
Thomas Jell, Reporter
"Viele Straßen sind gesperrt. Die Polizei öffnet die Absperrungen nur für die Teilnehmer der Gipfel des Gipfels, die sich jetzt in Richtung Rathaus machen."
Polizeieskorte für die Politik. Alle anderen werden gestoppt. So wie Thore Kobbert, der als Lieferant im Auftrag einer Wäscherei unterwegs ist - und sich ärgert.
Thore Kobbert, 26, Auslieferungsfahrer
"Ist nicht so schön, gerade, wenn man hier liefern muss, ich muss zu ner Arztpraxis und das ist dann natürlich nicht so toll, weil ich jetzt dahin laufen muss. Aber muss man mit durch. Ich frag mich auch, warum man das in der Innenstadt machen muss."
Und so muss Thore Kobbert dann zu Fuß mit der Wäsche über den Schnee. Eine Sperrzone direkt in der Innenstadt - das bringt Komplikationen.
"Es ist zwar für die Politiker wunderbar abgesperrt , Aber die Rollstuhlfahrer kommen hier nicht rüber."
Und dass im Rathaus gerade Weltpolitik stattfindet, die die Zukunft unserer Energiegewinnung formt, davon ist vor dem Rathaus... irgendwie nichts zu sehen.
"Wissen Sie, warum hier so viel abgesperrt ist?"
- "Nein, überhaupt nicht. Ich frage mich auch. Was ist denn hier passiert?"
Dejan Kalanovic, Hauswart
"Heute weiß ich nicht, aber jetzt wird ordentlich Schnee weggeräumt. Bis jetzt war keiner hier. Da kommen bestimmt irgendwelche Politiker."
Nicht nur irgendwelche, sondern so viele Spitzenpolitiker wie seit dem G20-Gipfel 2017 nicht mehr.
Die Bilder von damals, mit Ausschreitungen und Absperrungen, sind bei vielen in der Hansestadt noch präsent.
Die Polizei ist heute mit schwerem Gerät und einem Großaufgebot vor Ort.
Thomas Jell, Reporter
"Was halten Sie davon, dass der hier stattfindet ? In Hamburg, Mitten in der Innenstadt?"
Karin Siebels, Rentnerin
"Für Hamburg. Zwiespältig. Muss wieder alles abgesperrt werden?"
Moritz Norden, Wirtschaftsinformatiker
"Ich bin auch der Meinung, dass wir es 2017 war es glaube ich, mit dem mit dem Gipfel gezeigt haben. Auch, wenn wir Ausschreitungen hatten. Ja , aber an sich sollten wir es können. Und wir sollten es auch machen."
Lina Wetzel, Fotografin
"Von mir aus könnte es auch ländlich geschehen, wo halt nicht so viel los ist, wo nicht so viele Personen mit reingezogen werden. Wenn doch mal irgendwas Schlimmeres passiert."
Proteste und Demonstrationen sind für den Nordseegipfel in Hamburg nicht angemeldet. Bis zum Abend werden die Sicherheitsvorkehrungen und Sperrungen andauern.