Gurgel: Einen schönen guten Abend, Herr Hüppe. Das Jahr 2026. Ja, das hat ja gerade erst begonnen. Wird das jetzt ein Jahr, in dem sich vieles auch zum Positiven wenden kann? Oder bleibt alles beim Alten? Wie ist denn momentan die Stimmung bei den Unternehmen bei uns in Niedersachsen?
Hüppe: Also es ist ein zartes Hoffnungspflänzchen da, aber wir kommen aus drei Jahren Rezession und Stagnation. Das wird jetzt ein herber Anstieg und das wird für uns alle sehr herausfordernd, da wieder rauszukommen.
Gurgel: Welche Folgen wird das am Ende aber haben? Also werden wir 2026 ebenso viele Insolvenzen Firmenpleiten haben. Wie blicken Sie auf das Jahr?
Hüppe: Ich fürchte, ja .
Gurgel: Warum?
Hüppe: Weil wir sehen, dass alle Indikatoren dahin zeigen, wenn es wieder bergauf geht. Wenn also Wirtschaft wieder anspringt, muss man Geld in die Hand nehmen, muss man investieren, ähnlich wie man das zu Hause dann auch machen muss. Wenn der Kühlschrank kaputt ist, muss ein neuer her. Und wenn sie sich den nicht leisten können, dann haben sie ein großes Problem. Und das führt bei den Unternehmen dann zu Insolvenzen. Deswegen fürchten wir, in 26 wird das so weitergehen. Erst Erstmal. Was bedeutet all das? Das sind ja doch schon düstere Aussichten am Ende.
Gurgel: Was bedeutet das für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer? Werden wir da alle tatsächlich auch in den sauren Apfel beißen müssen, länger arbeiten müssen? Das kann es am Ende ja dann auch nicht sein.
Hüppe: Also ich fürchte schon, dass wir alle einen Beitrag leisten müssen. Das ist dann ein solidarisches Prinzip. Ich mache mal das Beispiel mit der Wochenarbeitszeit. Wir haben klassischerweise einen 40 Stunden Vertrag, und wir haben viele jetzt auch in der gesellschaftlichen Diskussion gehört. Viele Beispiele, wo es darum ging, weniger zu arbeiten, Teilzeit zu arbeiten. Und wenn Sie sich selbst zu Hause dann auch hinterfragen, wie arbeite ich eigentlich? Schaffe ich mein Pensum? Was brauche ich da an Zeit? Und Sie reduzieren das immer wieder? Dann werden Sie irgendwann an einen Punkt kommen, wo es dann einfach nicht mehr geht. Dann schaffen Sie die Arbeit nicht. Das ist jetzt ein bisschen vereinfachend, aber zeigt Ihnen auch in den Unternehmen Irgendwann muss die Arbeit ja gemacht werden. Oder es müssen viel, viel mehr Menschen da sein. Letzteres haben wir nicht, also müssen wir mehr arbeiten. Und bevor Sie die Frage stellen Meine Generation, ich bin jetzt knapp unter 40, gehe fest davon aus, dass wir bis 70 arbeiten müssen. Warum? Weil wir einfach mit den Lohnnebenkosten wir haben es gerade im Beitrag gehört nicht mehr zurande kommen. Das ist ein Umlagesystem, das ist ein System, was sich auf Solidarität aufbaut. Und in der Situation, in der wir uns gerade befinden, müssen wir entscheiden Entweder wir müssen alle länger arbeiten, oder wir müssen an den Leistungen dieses Systems arbeiten. Also beides wird nicht funktionieren, und deswegen müssen wir das ausdiskutieren auf veränderte Bedingungen, die sich natürlich auf die Wirtschaft auswirken, unter anderem bei uns in Niedersachsen, ganz besonders auf den Maschinenbau, die Autoindustrie. Wir wollen uns das eben noch mal etwas genauer anschauen.
Gurgel: Herr Hüppe, da sind ja einige Punkte genannt worden. Inwieweit hat die Politik da in vielen Bereichen auch falsche Prioritäten gesetzt?
Hüppe: Also man muss, glaube ich, so nüchtern feststellen, dass wir in der Vergangenheit zu sehr uns auf den Erfolgen der vergangenen Jahre ausgeruht haben. Und jetzt sind wir an der Situation, wo einfach die Veränderungen schon schmerzhaft werden. Und in dem Beispiel wurde ja sehr deutlich noch mal auf die Automobilindustrie abgehoben. Wir sehen dort einfach, dass wir politisch gewünscht schnellere Veränderungen haben wollen, als es der Markt für sich gemacht hätte. Und diese Veränderungen sind sehr herausfordernd gewesen für die Unternehmen, und zwar in einer Situation, in der es uns allen noch gut ging, in denen die Amerikaner, unsere Freunde waren, es dort noch keine Veränderungen gab, indem es auch noch keinen Angriff auf die Ukraine gab und in denen China auch noch nicht provoziert, hat in Taiwan. Und das sind alles Veränderungen, die so nicht mehr da sind. Das heißt, die Rahmenbedingungen als große Herausforderungen sind zusätzlich zu den von uns aufgebürdeten Herausforderungen gekommen. Und das macht es jetzt so unglaublich schwierig für diese Branche, das Geschäftsmodell erfolgreich fortzusetzen.
Gurgel: Nun ist das ja eine Branche die Automobilindustrie mit Volkswagen und Continental, anderen Zulieferern, die ja immer als Vorzeigebranche galt . Inzwischen ist ja eher vom Sorgenkind die Rede. Woher kommt das? Beziehungsweise Wie schnell lässt sich das auch wieder umkehren?
Hüpper: Also die sind alle, soweit ich das beurteilen kann, auf einem sehr guten Weg. Sie müssen aber jetzt eben diesen ersten Schritt machen. Für alle ist klar Wir müssen verändern, wir müssen investieren. Und wir müssen viele, viele Dinge so umbauen, dass wir in diese berühmte Transformation jetzt reinkommen, dass also die Unternehmen daraus gestärkt hervorgehen. Und diese Transformation ist derart herausfordernd für die Unternehmen, dass es eben am Ende auch sehr schmerzlich ist. Also auch mit Jobabbau zu tun hat und das kaskadiert. Also geht in der Reihenfolge dann am Ende auch durch bis zu den Zuliefererbetrieben. Weswegen das in Niedersachsen ganz besonders durchschlägt. Perspektivisch habe ich aber die Hoffnung, dass das weitergeht. Wir müssen jetzt nur schaffen. Und deswegen hat auch der Ministerpräsident ja unter anderem das Aus vom Verbrenner aus verkündet, weil er auch erkannt hat Wir sind da zu schnell. Was die Wirtschaft leisten kann, ist nicht das, was die Politik fordert. Wir sind zu schnell. Wir müssen jetzt die alternativen Möglichkeiten in den Raum stellen. Wo sind denn eigentlich die Bereiche, wo wir in Niedersachsen noch echt Performance haben, wo wir Chancen haben, die neben der Automobilwirtschaft auch die Perspektive bieten, vielen Menschen gute Arbeitsplätze zu bieten?
Gurgel: Sie hatten den Ministerpräsidenten angesprochen Was muss denn die Landesregierung tun , damit Niedersachsen wirtschaftlich tatsächlich jetzt auch langfristig wieder auf die Beine kommt?
Hüpper: Also aus unserer Sicht ganz wichtig, mal ideologische Scheuklappen abzulegen und Realpolitik zu machen. Wir schauen drauf und sehen Niedersachsen hat viele, viele Stärken. Wir können. Wir haben Superforschungsbereich, zum Beispiel auch in der Quantentechnologie. In diesen Bereichen jetzt frühzeitig dabei zu sein, damit wir daraus Technologien entwickeln können, die dann auch in andere Branchen hineinstrahlen, dass dort gute, bezahlte Industriearbeitsplätze entstehen, das ist die Herausforderung. Und die Voraussetzung dafür ist erst mal Vorfahrt für Wirtschaftspolitik. Das scheint unser Wirtschaftsminister und auch unser Ministerpräsident erkannt zu haben.
Gurgel: Sagt der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände bei uns in Niedersachsen, Benedikt Hüpper. Ganz herzlichen Dank für Ihren Besuch hier bei uns im Studio.
Hüpper: Sehr gerne. Vielen Dank für die Einladung.
Vielen Dank!