Warm anziehen - so lautet heute die Devise für Bundeskanzler Friedrich Merz - denn: Es gibt schlechte Karten vom Wettergott. Dank Schnee und Glatteis können zum Auftakt des Nordseegipfels nur drei statt fünf europäische Regierungschefs mit ihm das Schiff Neuwerk besuchen. Passenderweise ein Eisbrecher. Mit diesem ersten Gefühl von Hochsee geht es dann ins Rathaus - an den Verhandlungstisch:
"Ich persönlich will mich dafür einsetzen, dass wir dieses Konzept, dieses Projekt weiter voranbringen. Energieversorgung im interessantesten wirtschaftlichen Raum, den wir haben, nämlich Offshore-Anlagen bauen."
Und zwar hier: In der Nordsee. Sie soll zum größten Reservoir für saubere Energie weltweit werden. Dafür sind heute Regierungsvertreter GRAFIK aus Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, erstmals auch Island sowie Vertreter der Europäischen Kommission, der Nato und über 100 Unternehmensvertreter in die Gastgeberstadt Hamburg gekommen. Das Ziel: Den Ausbau von Offshore-Windenergieanlagen vorantreiben - für ein unabhängigeres Europa:
Claudia Kemfert,
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
"Das grüne Kraftwerk Europas ist hat riesiges Potenzial, was wir nutzen können. Wir könnten in Europa den gesamten Strombedarf dadurch decken. Aber wir können vor allen Dingen unabhängiger werden von fossilen Energien und damit den geopolitischen Schocks in der Welt."
Dieses Potenzial haben auch die Europäer bereits erkannt: Bis 2050 sollen eigentlich bis zu 300 Gigawatt grüner Strom in der Nordsee produziert werden. Doch aktuell herrscht Flaute: Stand Oktober 2025 haben die Staaten nur rund 35 Gigawatt Leistung installiert, Deutschland gerade einmal 7,3 Gigawatt. Deutsche Ausschreibungen für Bauprojekte erhielten zuletzt keine Bewerbungen.
Damit die Branche wieder Fahrt aufnimmt, schließen die Energieminister am Vormittag einen Investitionspakt mit der Windindustrie und den Netzbetreibern. Die Windparks sollen zukünftig an mehr als ein Land angebunden sein und bis zu 100 Gigawatt Erzeugungsleistung haben. Im Gegenzug verpflichtet sich die Branche die Kosten für die Stromerzeugung bis 2040 um 30 Prozent zu senken. Zudem sollen bis 2030 9,5 Milliarden Euro in neue Produktionskapazitäten investiert und 91.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.
Doch es geht um mehr als Energie in Hamburg. Denn die Nordsee:
Katherina Reiche, CDU
Bundeswirtschaftsministerin
"Denn die Nordsee ist heute mehr denn je ein strategischer Schlüsselraum in Europa. Sie ist Drehscheibe geopolitischer Linien , zentraler Verkehrs und Handelsraum. Kritische Energie und Dateninfrastrukturen führen hier lang. Zentral für uns und unbedingt zu verteidigen."
Sicherheit und Energieunabhängigkeit - die heute gemeinsam gefassten Beschlüsse hierzu sollen in einer politischen Erklärung festgehalten werden - der Hamburg Declaration.