Christiane K. (28) soll in Solingen ihre 5 Kinder getötet haben

Rechtsmedizinerin: Der Todeskampf dauerte bei jedem Kind drei bis fünf Minuten

02. Dezember 2021 - 16:21 Uhr

Prozess im Landgericht Wuppertal

Es war eine Tat, über die Deutschland tagelang gesprochen hat: Eine junge Mutter soll im September 2020 in Solingen fünf ihrer sechs Kinder umgebracht haben. Ein Dreivierteljahr später steht Christiane K. in Wuppertal wegen fünffachen heimtückischen Mordes vor Gericht. Sie soll ihre Kinder betäubt und dann erstickt, erwürgt oder ertränkt haben. Der 6. Prozesstag sollte schwer werden. Denn auch wenn die genaue Todesursache der Kleinkinder immer noch aussteht, gefriert einem bei den Aussagen der Rechtsmedizinerin das Blut in den Adern.

Angeklagte sitzt regungslos im Gerichtssaal und bewegt nur ihre Augen

Die Angeklagte sitzt regungslos auf ihrem Platz. RTL-Reporter Valerio Magno beobachtet, dass Christiane K. einerseits zuhört, aber gleichzeitig sehr weit weg wirkt. Die 28-Jährige habe, wie auch bei den vorherigen Terminen äußerlich keine menschliche Regung gezeigt. Wenn überhaupt habe sie nur die Augen bewegt und immer wieder tief eingeatmet.

RTL-Reporter Valerio Magno
RTL-Reporter Valerio Magno hat die Aussagen der Gerichtsmedizinerin im Saal verfolgt.
© RTL

Solingen: Kinder hatten alle feuchte Haare

Der Bericht der Rechtsmedizinerin, die die Kinder obduziert hat, hat es in sich: Vier der fünf umgebrachten Kinder seien vermutlich erstickt worden. Lediglich bei der zweijährigen Leonie sprächen die Spuren eher für ein Ertrinken des Mädchens. "Es hat sich ein Intoxikationsgeschehen nachweisen lassen. Denkbar ist aber auch, dass es ein Ertränkungsgeschehen gab. Die führende Todesursache aber war Ersticken. Ersticken durch weiche Bedeckung", so die Rechtsmedizinerin. Der Todeskampf habe bei jedem Kind drei bis fünf Minuten gedauert.

Alle Kinder hätten feuchte Haare gehabt und seien in feuchte Tücher gewickelt gewesen. Den Todeszeitpunkt habe sie nicht mehr genau feststellen können, weil die Raumtemperatur zur Tatzeit unklar sei: Die Fenster seien von der Polizei nach dem Eintreffen am Tatort sofort geöffnet worden, weil diese Gas als Todesursache zunächst nicht ausschließen konnte.

Ausschließen könne man eindeutige Abwehrverletzungen bei den Kindern. Dies könne ein Zeichen dafür sein, dass der Medikamenten-Cocktail bei den Kindern gewirkt hat. Die Mutter soll den Kindern diesen verabreicht und die Kinder damit schläfrig gemacht haben. Damit habe die Mutter die Kinder "außer Gefecht" gesetzt oder zumindest dafür gesorgt, dass die Gegenwehr der Kinder offenbar nicht besonders stark war.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Nebenklage: Fünf kleine Kinder, jedes Mal neu angesetzt. Es ist eine Katastrophe

Ob die Kinder erstickt oder ertränkt wurden, darauf komme es letztlich nicht an, sagte Nebenklagevertreter Jochen Ohliger nach der Aussage der Sachverständigen: "Man muss die Brutalität dahinter sehen: Ein Kind so umzubringen und das dann noch vier Mal zu wiederholen." Der Todeskampf habe bei jedem Kind drei bis fünf Minuten gedauert. "Fünf kleine Kinder, fünf Mal neu ansetzen von der Person, die es gemacht hat, fünf mal ersticken oder ertränken – dass das für jedes der Opfer schmerzhaft sein muss. Das ist was anderes als ein Bekloppter, der ein Haus anzündet und da fünf Menschen sterben", so Ohlinger weiter.

Die Frage nach dem Warum bleibt

Die Angeklagte hat die Tat bestritten. Zwischenzeitlich hatte Christiane K. behauptet, ein maskierter Unbekannter sei in ihre Wohnung eingedrungen und habe ihre Kinder umgebracht. Für die Ermittler ist das eine Schutzbehauptung: "Wir sind dem natürlich nachgegangen, haben aber nichts gefunden, was dafür spricht", sagte einer der Ermittler. Tatsächlich habe es über Whatsapp einen heftigen Wortwechsel mit ihrem bereits getrennt von ihr lebenden Ehemann gegeben. Als der Christiane K. verdeutlicht habe, dass es für ihn kein Zurück gebe, habe sie geschrieben, er werde seine Kinder nicht wiedersehen.

Der Angeklagten droht lebenslange Haft. Die Leichen der Kinder waren am 3. September vergangenen Jahres entdeckt worden: Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8). Ihr ältester Sohn blieb unverletzt. Seine Mutter hatte ihn zur Großmutter an den Niederrhein geschickt. Christiane K. selbst hatte sich nach der Tat im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen, aber überlebt. Eine akute Lebensgefahr habe nicht bestanden.

Hilfe bei Suizidgedanken

Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter http://www.telefonseelsorge.de. (dpa/kra)