Stephan A. wirkt fast schon desinteressiert, als er den Saal des Landgerichts Stendal betritt.
Dabei soll er die Frau getötet haben, die trotz seiner Haft immer zu ihm gehalten und ihn regelmäßig besucht hat.
Norbert, Vater des Opfers: "Sie hatte sich wirklich in ihn verliebt. Und du weißt, du kannst sagen, was du willst. Du bist nicht angekommen. Sie war wirklich verliebt in ihn."
Es ist der 3. April 2025 als Franziska in die JVA Burg fährt, um ihren Ehemann Stefan A. in einer sogenannten Liebeszelle zu besuchen. Der 38-Jährige sitzt wegen Betrugsdelikten im Gefängnis. Aber von seiner kriminellen Vergangenheit hat die 35-Jährige sich nie abschrecken lassen.
Das Paar heiratet sogar, während Stefan A. noch im Gefängnis sitzt, erzählt uns ihr Bruder:
Bruder des Opfers: "Wenn er wieder raus ist, wollten sie reisen und wollten ein eigenes Haus bauen."
Aber dazu soll es nie kommen.
In der Liebeszelle, mitten im Gefängnis finden JVA-Angstellte Franziska reglos auf dem Bett liegend - vermutlich erwürgt.
Zuvor hatte das Paar fünf ungestörte Stunden miteinander verbracht.
Jan Siebenhühner, Rechtsanwalt: "Da ist natürlich auch ein Alarmknopf, den ein Besucher gegebenenfalls drücken kann, um Hilfe von JvaBediensteten zu holen."
Und über die installierte Anlage ist sogar solch ein Anruf eingegangen!
Doch beim Prozessauftakt berichtet die diensthabende JVA-Beamtin, dass sie die Geräusche am Hörer als Sex-Laute interpretierte - deshalb wurde sich gegen eine Kontrolle entschieden.
Was Franziska bis zu ihrem Tot wahrscheinlich nicht geahnt hat: Stefan A. hat eine noch dunklere Vergangenheit - war wohl schon immer sehr eifersüchtig:
Jan Siebenhühner, Rechtsanwalt: "In der Akte finden sich Hinweise, dass der Angeklagte bereits wegen gefährlicher Körperverletzung an einer ehemaligen Freundin verurteilt worden ist."
Der Bruder von Franziska ist überzeugt, dass Stefan A. ein falsches Spiel mit seiner Schwester gespielt und sie immer wieder belogen hat.
Bruder des Opfers: "Laut unseres Wissen, was wir von Franziska wissen, was er gesagt hat, sollte er zwei Tage später entlassen werden. Sie hatte ja auch schon einen Therapieplatz für ihn besorgt."
Doch: Zum Zeitpunkt von Franziskas Besuch muss ihr Mann noch ein ganzes Jahr absitzen - und nicht bloß zwei Tage!
Ist die Situation in der Liebeszelle deshalb eskaliert?
Das kann auch im jetzt zu Ende gegangenen Prozess nicht abschließend geklärt werden - Denn der 38-Jährige will sich nicht zu seinem Motiv äußern. Stefan A. wird wegen Totschlags an seiner Frau zu 10 Jahren Haft verurteilt.
Für Franziskas Familie bleibt trotzdem wohl für immer die Frage: Warum?