Prozess in Berlin: Eltern schlagen nörgelndes Kind – so rechtfertigen sie sich bei RTL!
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In Berlin musste sich ein Elternpaar vor Gericht verantworten. Sie sollen ihr Kind mit der flachen Hand geschlagen haben – und das nur, weil es sie genervt hat! Eine mutige Augenzeugin zeigt sie daraufhin an. Jetzt ist das Urteil gefallen.
Dass Michaela M. heute mit ihrem Mann vor Gericht steht, kann sie nicht glauben. In unserem Interview will sie unerkannt bleiben.
„Es war ein Klaps, mehr was das nicht. Und fünf Minuten später war wieder alles ok."
Aber genau diese Kurzschlussreaktion könnte jetzt Folgen haben. Denn eine Passantin beobachtet, wie die beiden den damals sechsjährigen Paul angehen.
„Der Kleine hat so geweint.... Dann bin ich zur Polizei hin..."
Mal überfordert zu sein – das kennen wohl alle Eltern. Aber dann handgreiflich werden, wenn man nicht mehr weiter weiß?
„Ich bin gegen Gewalt gegen Kinder und das sollte kein Ausrutscher sein. Also man sollte sich als Erwachsener schon im Griff haben und möglichst sein Kind lieben und auch Dinge erklären können."
„Ich habe selber schon solche Situationen erlebt und bin eingeschritten in der Bahn. Und die Eltern schauen mich dann fragend an. Aber das ist ja auch nur ein Produkt. Die Eltern wissen ja auch nicht weiter."
„Eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet. So kenne ich das. Bin ein bisschen älter. Ja, das muss man ganz klar sagen. Die Zeiten haben sich geändert. Heutzutage ist man ja ein bisschen vorsichtiger. Ich habe selber ein Kind. Mein Kind hat noch nie eine gekriegt."
Auch wenn die Gesellschaft sensibler geworden scheint. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache, denn die Gewalt gegen Kinder nimmt tatsächlich sogar zu. Im letzten Jahr gab es 72.800 Kindeswohlgefährdungen – das sind ein Drittel mehr als noch vor fünf Jahren. Und die Folgen können gravierend sein.
„Wir wissen gerade bei kleinen Kindern gar nicht, was auch physisch durch eine Ohrfeige ausgelöst werden kann an Schädigungen. Und außerdem gibt es ja auch psychische Konsequenzen davon. Das Selbstwertgefühl von Kindern nimmt ab. Viele zeigen auffällige Verhaltensmuster, auch Aggression, und haben Angstzustände."
Und auch rechtlich ist die Sache klar. Seit über 20 Jahren gilt: Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Auch der sogenannte „Klaps“ ist verboten. Warum landen solche Fälle aber so selten vor Gericht?
„Also man kennt das ja von sich selbst, dass man oft nicht so richtig weiß, wie man auf solche Situationen reagieren soll. Aber Gewalt gegen Kinder ist keine Privatsache."
Heißt: Wenn die Hand ausrutscht, können die Eltern bestraft werden – sogar mit einer mehrjährigen Gefängnisstrafe.
Dass ihr Handeln Konsequenzen hat, bekommen jetzt auch die Eltern des kleinen Paul zu spüren. Sie werden zu einer Geldstrafe von knapp zweieinhalbtausend Euro verurteilt.
