Experten: Sogar 5 Prozent möglichBauzinsen wieder bei über 4 Prozent: Immobilien bleiben unbezahlbar

Die Bauzinsen für zehnjährige Finanzierungen sind erneut über die Marke von vier Prozent gestiegen. Experten halten sogar fünf Prozent für wahrscheinlich. Das hat dramatische Folgen für jene, die nun eine Immobilie kaufen möchten. Zumindest so lange, wie Mondpreise für Häuser und Wohnungen verlangt werden.
Lese-Tipp: Finanzaufsicht warnt vor Teilverkauf von Immobilien
Die Leitzinserhöhung durch die EZB hat Immobilienkredite massiv verteuert
Vor allem Immobilienkäufer profitierten bei der Finanzierung ihrer Objekte in den vergangenen Jahren von traumhaften Konditionen. Auch wenn das die Nachfrage und - wegen des beschränkten Angebots - die Preise in die Höhe trieb. Doch die Bauzinsen haben sich seit Jahresbeginn 2022 bereits mehr als vervierfacht. Laut FMH-Finanzberatung liegt der Durchschnittszinssatz für ein Zehn-Jahres-Darlehen derzeit bei knapp über vier Prozent. Und auch fünf Prozent bis Jahresende hält Gründer Max Herbst für im Bereich des Möglichen.
Lese-Tipp: Weniger Immobilien verkauft – Preise steigen landesweit
Verantwortlich für die Entwicklung am Zinsmarkt ist die Europäische Zentralbank (EZB), welche in den letzten Monaten verschärft auf die hohen Inflationsraten im Euroraum reagiert und den Leitzins auf mittlerweile 3,0 Prozent erhöht hat. Und: Der EZB-Rat stellt weitere Zinserhöhungen in Aussicht. Die nächste Ratssitzung ist am 16. März.
Dabei beeinflusst die EZB-Entscheidung die Bauzinsen nur indirekt. Wichtigster Indikator sind die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen. Denn sie bestimmen maßgeblich die Renditen für Pfandbriefe, die wiederum von Banken für die Refinanzierung von Immobilienkrediten genutzt werden. Schon jetzt hat sich die Immobilienfinanzierung dadurch seit Anfang 2022 massiv verteuert. Zudem agieren Banken restriktiver bei der Kreditvergabe.
Aufwärtstrend beim Bauzins wird wohl anhalten: So steigt die monatliche Belastung
Konkret bedeutet die verteuerte Baufinanzierung zu einem effektiven Zinssatz (die Gesamtkosten, die für einen bestimmten Kreditbetrag insgesamt bezahlt werden müssen) von 4,0 Prozent für ein Darlehen über 500.000 Euro einen höheren Zinsaufwand von rund 142.000 Euro bis zum Ende der zehnjährigen Sollzinsbindung. Anfang des Jahres lag der effektive Zinssatz noch bei 0,8 Prozent. Sollte sich die Prognose der FMH-Finanzberatung bewahrheiten und die Bauzinsen sogar auf fünf Prozent steigen, würde dies den Kredit bei Neuabschlüssen um circa 171.000 Euro verteuern, bei jeweils einer verbleibenden Restschuld von weit über 300.000 Euro. Die monatlichen Belastungen würden sich so auf über 3300 Euro belaufen. Bei drei Prozent Tilgung. Unfassbare Zahlen.
Lese-Tipp: Bauzinsen steigen über vier Prozent
Damit wäre die Immobilienfinanzierung auch für den gehobenen Mittelstand nicht mehr zu stemmen. Es sei denn, die Preise für Immobilien würden rapide sinken. Was durchaus denkbar ist, denn auch die Preisfindung am Immobilienmarkt funktioniert über Angebot und Nachfrage. Sollte Letztere wegbrechen, dürften auch die Preise für Wohnungen und Häuser deutlich nachgeben.
Dass die Bauzinsen linear zur Inflation steigen, erwartet die FMH hingegen nicht. Der Aufwärtstrend dürfte aber anhalten, zumal die EZB in den kommenden Monaten immer weniger auslaufende Anleihen verlängern wird - und damit die Preise und die Zinsen weiter treibt.
Immobilien-Schnäppchen per Zwangsversteigerung noch nicht in Aussicht
Ein Schnäppchen via Zwangsversteigerungen bietet sich hingegen womöglich erst in einigen Jahren. "2013 hatten wir noch Zinsniveaus, die gar nicht so weit weg sind von heute. Die, die damals eine zehnjährige Hypothek abgeschlossen haben, die fällig wird, können das noch gut verkraften", sagt Portfoliomanager Andreas Beck. "Interessant wird es 2015 und 2016. Wer da eine zehnjährige Hypothek abgeschlossen hat, hat für unter ein Prozent abgeschlossen. Wenn die jetzt refinanzieren müssen mit vier oder fünf Prozent, dann werden das viele nicht schaffen."
Zur Beruhigung: Bei laufenden Hypothekenkrediten ändert sich durch die Zinserhöhungen nichts. Bauherren und Käufer werden sich aber über kurz oder lang einer Normalität aus vergangenen Zeiten stellen und höhere Zinsen bezahlen müssen. Eine Niedrigzinsphase wie in den Jahren 2015 bis 2022 wird es sobald nicht mehr geben, ist sich die FMH sicher - selbst dann, wenn die Inflationsrate tatsächlich irgendwann wieder bei zwei Prozent landen sollte.
Wer vor der Entscheidung für eine längere oder kürzere Zinsbindung steht, muss daher überlegen, welche Zinsentwicklung er erwartet. Geht man davon aus, dass die Zinsen in fünf Jahren deutlich niedriger sein werden als heute, empfiehlt sich eine kurze Laufzeit. Geht man hingegen davon aus, dass sich die Zinsen eher nach oben bewegen, wäre eine langfristige Absicherung von 20 Jahren sinnvoll. Sicherheit kostet Geld, schafft aber langfristige Gewissheit über die eigene Belastung.
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst bei n-tv.de
Mehr News-Videos aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und Mobilität
01:19Warum ist Matcha so teuer?
02:02Stalker-Romantik: Wie problematisch sind die Bücher auf Booktok?
02:46Das steckt hinter In-Game-Käufen bei Gratis-Spielen
02:28Das müsst ihr über "Buy now, pay later" wissen
02:08So wird man zum reichsten Menschen Deutschlands!
01:20Hype um Pokemon! Diese Karten sind ein Vermögen wert
01:33Diese drei Versicherungen braucht wirklich jeder!
02:13So unterstützt der Staat Studierende und Azubis
02:40So gelingt der Verkauf mit Flohmarkt-Apps
01:37Was sind Vermögenswirksame Leistungen?
02:41Warum ist der Rasierer für Frauen teurer als für Männer?
01:39Darum wird der Stanley Cup auf Social Media gehypt
02:47So behaltet ihr den Überblick über eure Finanzen
01:52Wie KI diesem Frisör bei der Arbeit hilft!
01:36Wie Schwäbisch Gmünd für 1.000 Menschen ein Zuhause findet
01:50Was ist eigentlich ein ETF?
03:01Polizeigewerkschaft fordert Tempo 30 innerorts
02:42Wie das Ehe-Aus nicht zur Existenzbedrohung wird
02:22Unternehmer schlagen Alarm
01:13Wie teuer wird unser Kaffee?
02:25So teilt ihr euch die Arbeit im Haushalt fair auf
04:03Männer überschätzen ihren Anteil an der Hausarbeit
01:30Galeria hat große Pläne für Innenstädte
03:56Das kommt jetzt auf Mieter zu
03:49Darauf solltet ihr beim Einkauf mit Rabatt-Apps achten
02:13DIESE Modelle sind betroffen
01:08Wer dieses Jahr vom Führerschein-Umtausch betroffen ist
02:45Superreiche werden immer mächtiger
01:14Tech-Milliardäre liefern sich Wettlauf ums All
03:21Das kann das neue Vergleichsportal der Bafin
03:40Jeder Dritte schläft im Homeoffice!
02:44Ab jetzt gibt's ICE-Tickets für unter 11 Euro!
03:02Die Bonusprogramme der Supermärkte im Test
03:06Wir machen den Secondhand-Baumarkt-Check!
01:38"Für die Rente machen die eigentlich nichts"
04:45Deutsche verdienen so viel wie noch nie
01:43Hier verlieren Pendler jährlich 60 Stunden Zeit
02:25Bürgergeld-Empfänger sollen gemeinnützige Arbeit leisten
01:45Die Highlights der Technikmesse CES 2025
01:56Lebensmittelpreise werden auch 2025 steigen
01:33"Kein Lohn für den ersten Krankheitstag"
02:59So bringt ihr eure Finanzen zum Jahresbeginn auf Vordermann
02:41Lohnt sich der Wechsel? Unser Experte klärt auf!
01:36Das ist dran an Linnemanns Kritik
01:57Das sagen die Wahlprogramme zur Wirtschaft in Deutschland
01:43Morgens krank, nachmittags arbeiten – ist das sinnvoll?
01:17Ist das Weihnachtsgeschäft noch zu retten?
00:31Droht in Großbritannien die Guinness-Krise?
01:45Darum können sich betroffene Unternehmen nicht wehren
01:26So lebt es sich im ersten Haus aus dem 3D-Drucker
"Retouren-Wahnsinn - Die dunkle Seite des Onlinehandels“ auf RTL+
Zu groß, zu klein, gefällt nicht - jede sechste Online-Bestellung wird zurückgeschickt, bei Kleidung sogar jede zweite. Für den Kunden einfach, für den Handel eine logistische Herausforderung. Denn die Pakete müssen nicht nur abgeholt werden, die Ware muss auch noch geprüft werden. RTL+ zeigt in der Doku "Retouren-Wahnsinn - Die dunkle Seite des Onlinehandels" alles – von der Rücksendung bis zur Verwertung der Ware.


