Dass sich im Internet über Bücher ausgetauscht wird, ist nicht neu. (Meme: „Das Internet ist für uns alle Neuland“). Erst kamen die Blogs und Youtube, dann Instagram und irgendwann Tiktok. Seit etwa 2019 gibt es die Booktok-Community. Während der Corona-Pandemie ist der Hashtag dann richtig explodiert – und plötzlich war Lesen für Millenials und die GenZ ein Riesenthema. "Buchlesen ist nicht eine nerdige abseitige Sache, sondern ist Teil der Jugendkultur geworden", sagt Gerhard Lauer, Buchwissenschaftler an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
Aber der Hype auf Social Media sorgt auch für Kritik. Denn in der Community werden teilweise Bücher gehyped und dadurch viel gekauft, deren Inhalte problematisch sein können. Prominentestes Beispiel: Haunting Adeline und das Dark Romance Genre. In dem Buch wird die Hauptfigur von ihrem Stalker vergewaltigt – kommt aber am Ende mit ihm zusammen. Fans sagen: Das ist feministische Selbstbestimmung pur. Jane S. Wonda, selbst Dark-Romance-Autorin, sagt zum Beispiel: “Ich glaube, dass das definitiv eher eine Form von Feminismus ist, dass die Frau so etwas in der Öffentlichkeit mittlerweile lesen darf, ohne sich verurteilen zu müssen, innerlich, äußerlich. Und ich denke auch nicht, dass es überhaupt um toxische Dynamiken geht, weil wir reden hier immer klar von Bad Boys, von bösen Männern, die böse Dinge tun.“
Das geht vielen aber nicht weit genug: Einfach nur klar zu sagen, dass die Protagonisten Romanfiguren “Bad Boys” sind, macht die dargestellten Beziehungen ihrer Meinung nach nicht weniger problematisch. Im Gegenteil: Kritiker sagen, solche Beziehungen werden in den Büchern romantisiert: “Das ist halt das Schwierige, weshalb man dann so ein Thriller wahrscheinlich doch nicht so gut mit Dark Romance vergleichen kann. Beim Thriller würde man wissen: Okay, das war jetzt eine falsche Handlung, und im Dark Romance Buch sieht es so aus, als hätte sie es ja gewollt, und das ist problematisch“, sagt Jen Huegel, Soziologin und Youtuberin.
Anders als Filme haben Bücher übrigens keine Altersfreigabe: Wer auf Booktok auf solche Bücher aufmerksam wird und sie sich kaufen will, kann das tun, egal ob die Person 13 oder 30 ist.