Flucht vor hohen Energiepreisen

Langzeiturlaub im warmen Süden statt frieren im Winter in Deutschland

Playa Morro Jable, Fuerteventura, Spanien
Zum Überwintern sind die Kanaren besonderes gut geeignet. (Archivbild)
Erich Teister, picture alliance

von Emelie Drees

Viele Bürger werden im Herbst und Winter mit den explodierenden Energiepreisen in Deutschland zu kämpfen haben. Doch statt täglich an jeder Ecke Energie zu sparen, entschließen sich immer mehr Deutsche für einen ganz anderen weg: Sie fliehen einfach vor den Energiepreisen in den Süden. Der Langzeitaufenthalt finanziert sich im Grunde von selbst.

Statt hohe Energiekosten im kalten Deutschland lieber Langzeitaufenthalt in der warmen Türkei

Langzeitreisen gibt es schon länger, sie sind besonders bei Rentnerinnen und Rentnern beliebt. Aber heutzutage bekommen sie eine ganz neue Bedeutung. Denn jetzt steht nicht nur die Flucht vor dem nasskalten Wetter in Deutschland im Vordergrund. Wer sich in diesem Herbst und Winter nicht in den eigenen vier Wänden aufhalten muss, verbraucht kein Strom, kaum Gas oder Öl und kann somit viel Geld sparen.

Denn in Gebieten, wo das Wetter auch während des deutschen Winters warm bleibt, muss man deutlich weniger heizen als in Deutschland.

Die Reiseveranstalter erwarten deshalb einen deutlichen Anstieg der Buchungen für diesen Winter. Grund hierfür ist ihrer Meinung nach, dass manche Langzeitreisen finanziell günstiger sein werden als ein Winter in Deutschland.

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Reisebüros stellen sich auf eine höhere Nachfrage ein

„Überwintern unter südlicher Sonne wird für mehr Reisende eine attraktive Alternative zum hiesigen Winter“, erklärt der Reiseveranstalter Tui. „Traditionell sind Langzeitreisen natürlich für die Reisenden attraktiv, die schöneres Wetter genießen möchten, dass ja definitiv einen positiven Einfluss auf das eigene Wohlbefinden hat. In der Vergangenheit waren dies oft Rentnerinnen und Rentner, aber mit den neuen Möglichkeiten des Home Office und flexiblen Arbeitszeitmodellen, hat der Trend Workation eine ganz neue Klientel geschaffen“, so Tui weiter.

Der auf längere Aufenthalte spezialisierte Anbieter „langzeitferien.com“ kann eine um bis 30 Prozent höhere Nachfrage verzeichnen. Auch andere Anbieter berichten von steigenden Buchungszahlen: Der kanarische Ferienhausverband (ASCAV) berichtet beispielsweise, dass 2019 rund 131.600 Rentner einen Langzeiturlaub auf den Kanaren verbracht haben. Im Jahr 2022 rechnet man mit 200.000 Urlaubern. Was also einen Anstieg von rund 50 Prozent bedeuten würde. 2020 und 2021 können aufgrund der Corona-Einschränkungen nicht als Vergleichsjahre genutzt werden.

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Diese Reiseziele empfehlen Reiseveranstalter zum Überwintern

Um die Hotelanlagen auch im Winter einigermaßen auszulasten, schnüren Reiseveranstalter preislich attraktive Pakete. Beim Anbieter „langzeitferien.com“ kann man sogar zwölf Wochen Hotelaufenthalt buchen, los geht’s ab 1.500 Euro mit Flug und Transfer. Bei Tui kosten sechs Wochen an der türkischen Riviera ab 1.167 Euro pro Person – im Doppelzimmer mit Flug und All Inclusive (entspricht 27 Euro pro Tag).

Bei den Preisen fangen viele Deutsche sicher an zu rechnen: Hohe Kosten für Energie und Lebensmittel in Deutschland bei nasskaltem Wetter – 27 Euro am Tag All Inclusive am Mittelmeer bei schönem Wetter. Als Reiseziel werden von den verschiedenen Anbietern vor allem die Türkei, Spanien, Ägypten und die Kanaren empfohlen.

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Reisebüro-Verband: Langzeitreisende sparen Energie und unterstützen Wirtschaft

Auch aus der Perspektive der Verbandsvorsitzenden des Verbandes unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR), Marija Linnhoff, ist die Idee des Überwinterns in wärmeren Gebieten ernst zu nehmen, „weil sie – gut gemacht und konzeptioniert – Energie einsparen kann, die wir in Industrie und anderen systemrelevanten Bereichen im kommenden Winter gut gebrauchen können.“ Langzeitreisen kämen außerdem auch der Reisebranche und vielen von der Corona-Pandemie mitgenommenen Tourismus-Regionen zugute, so Linnhoff. Der Staat müsse Rentner für solche Reisen jedoch unterstützen. Die geplanten 200 Euro als Hilfe seien hier ein erster Schritt.

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