Die Wahrheit über unsere Strompreise

Über 100 Stadtwerke erhöhen 2023 Tarif für Grundversorgung um bis zu 100 Prozent

ILLUSTRATION - Vor einem Wechselstromzähler in einem Stromkasten eines Haushaltes in Dresden (Sachsen) sind am 15.10.2013 mehrere Euro Geldscheine zu sehen. Die Verbraucher in Deutschland müssen sich auf spürbare Strompreiserhöhungen einstellen. Die
Der Strompreis wird bei vielen Energieversorgern im Jahr 2023 deutlich angehoben.
dpa, Arno Burgi

von Aristotelis Zervos

Die Preise für Strom gehen ab Januar 2023 noch einmal durch die Decke. Betroffen sind jetzt ausgerechnet die treuen Kundinnen und Kunden der Stadtwerke. Denn bei ihnen kann sich der Strompreis fast verdoppeln.

Klingt gut, aber es gibt viel Kritik Strompreisbremse ab Januar?
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Strompreisbremse ab Januar?
Klingt gut, aber es gibt viel Kritik

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Starker Preissprung bei Grundversorgung

Für November, Dezember und Januar haben bereits knapp 100 Stromgrundversorger Preiserhöhungen angekündigt, teilweise um mehr als 100 Prozent im Vergleich zum Preis Ende September, teilt Edgar Kirk vom Vergleichsportal Check24 auch Nachfrage von RTL mit.

So erhöht zum Beispiel der Energieversorger Rhein-Energie, der vor allem die Millionenstadt Köln mit Strom und Gas versorgt, die Preise heftig. Auch für langjährige Bestandskunden kommt es fast zu einer Verdoppelung der Verbrauchspreise. So steigt der Arbeitspreis pro Kilowattstunde von 30,50 Cent auf 54,98 Cent.

Etwas besser stehen Kundinnen und Kunden, die einen Vertrag mit fester Laufzeit abgeschlossen haben. Sie zahlen bis zum Ende der Laufzeit weiter den beim Vertragsabschluss vereinbarten Preis.

Warum die Strompreise noch einmal so stark steigen

Dabei ist der Einkaufspreis für Strom in den letzten Wochen stark gesunken. „Der durchschnittliche Börsenstrompreis am Spotmarkt lag in den vergangenen Wochen um die 108 Euro pro Megawattstunde (MWh). Mitte August lag er bei einem Rekordwert von 579 Euro pro MWh. Zum Vergleich: In 2019 (vor Corona- und Energiekrise) lag er bei durchschnittlich 37 Euro pro MWh“, sagt Strompreis-Experte Kirk. Das bedeutet: Der Preis ist gesunken, liegt aber weiter deutlich über dem alten „normal“ vor der Energiekrise.

So kommt auch die Rhein-Energie an den allgemeinen Marktentwicklungen derzeit nicht vorbei. „Durch unsere langfristige Beschaffung sind zum einen bei uns die Preise teils deutlich später gestiegen, zum anderen mildert sie jetzt auch die Preise ab Januar etwas ab. Natürlich ist das für uns alle momentan eine immense Belastung“, erklärt Rhein-Energie-Vorstand Achim Südmeier im Gespräch mit dem „Kölner Stadtanzeiger“.

Das bestätigt auch Edgar Kirk von Check24: „Die Preisentwicklung an den Strombörsen kommt immer erst mit Verzögerung bei Endverbraucher an. Viele Versorger, vor allem die Grundversorger, kaufen zumindest einen Teil ihrer Strommengen sehr langfristig ein. So entstehen je nach Einkaufsstrategie sehr unterschiedliche Kaufzeitpunkte für die Versorger und entsprechend müssen sie zu unterschiedlichen Zeiten sehr unterschiedliche Preise an ihre Kunden weitergeben. So kann es auch dazu kommen, dass die Börsenstrompreise bereits sinken, Versorger aber Preiserhöhungen für Endkunden durchführen.

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Gehen die Strompreise auch wieder runter?

Die Frage, die viele Verbraucher in Deutschland interessieren wird: Wie geht es weiter mit den Strompreisen?

„Die Entwicklung in der Zukunft ist nur schwer vorhersehbar. In unserem Strompreisindex für 2.000 kWh Verbrauch sind wir seit Januar konstant über 40 ct/kWh im Schnitt. Wenn wir davon ausgehen, dass Laufzeiten von zwölf Monaten bei Stromverträgen die Regel sind bzw. Grundversorger alle sechs Wochen Preise anpassen können, dann werden spätestens ab Anfang des kommenden Jahres ein Großteil der Stromverbraucher Verträge haben, in denen sie mehr als 40 ct/kWh Zahlen und dann von der Strompreisbremse profitieren“, erklärt Kirk die Lage auf dem Strommarkt.

Auch Vertriebs-Vorstand Achim Südmeier von Rhein-Energie erklärt im Gespräch mit dem „Kölner Stadtanzeiger“, dass der Strompreis nicht nur mit dem Krieg in der Ukraine zusammenhängt: „Im ablaufenden Jahr gab es viele andere Faktoren, die die Energiepreise getrieben haben, etwa abgeschaltete Kraftwerke in Frankreich, Wettereinflüsse, schwieriger Brennstofftransport wegen Niedrigwasser in Flüssen und allgemein viel Unsicherheit, das trägt zu den hohen Preisen bei.“

Der Energiemanager verspricht aber auch: Sobald die Rhein-Energie eine Chance für Entlastungen sehe, werde sie diese nutzen.

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