An der Kasse teurer als am Regal ausgeschildert

Verbraucherzentrale warnt vor falschen Preisen im Supermarkt

ARCHIV - 03.01.2018, Berlin: Eine Hand hält Kassenzettel. (Zu dpa "Zwei Millionen Kilometer mehr Bons: Einzelhandel fürchtet Bon-Pflicht") Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Unterschiedliche Preise am Regal und an der Kasse - eigentlich nicht erlaubt.
may wst, dpa, Andrea Warnecke

von Aristotelis Zervos

Die Verbraucherzentrale Berlin schlägt Alarm: „Es häufen sich Beschwerden zu unterschiedlichen Preisen am Supermarktregal und an der Kasse.“ Ob Absicht oder Versehen – welcher Preis gilt beim Bezahlen an der Kasse?

Kaufvertrag wird erst an der Supermarktkasse geschlossen

Die Rechtslage ist laut der Verbraucherzentrale Berlin eindeutig: „Der Preis, der an der Kasse angezeigt wird, gilt.“ Denn der Kauf findet an der Kasse statt – und damit auch die Vereinbarung über den Preis.

„Mit Preisschildern ist es wie mit Angeboten im Internet: Sie laden Kundinnen und Kunden lediglich zum Kauf ein. Auch wenn am Regal noch ein anderer Preis stand, darf der Supermarkt an der Kasse mehr beziehungsweise weniger verlangen“, erklärt die Verbraucherzentrale Berlin die Rechtslage.

Doch Verbraucherinnen und Verbraucher, denen ein Unterschied auffällt, müssen dies nicht einfach hinnehmen.

Das empfiehlt die Verbraucherzentrale bei unterschiedlichen Preisen im Supermarkt

Aber welche Rechte haben Kundinnen und Kunden, wenn Ihnen der Preisunterschied beim Bezahlen an der Kasse auffällt?

„Der Supermarkt ist zwar nicht verpflichtet, Ihnen den Artikel zum günstigen Preis zu geben. Aber Sie haben das Recht, den Kauf rückgängig zu machen“, sagt Sabrina Schulz von der Verbraucherzentrale Berlin.

„Im besten Fall kontrollieren Sie beim Scannen der Artikel direkt den Preis. Wenn das nicht möglich ist, weil Sie mit dem Einpacken beschäftigt sind, sollte direkt im Laden der Kassenbon überprüft und auf das Problem aufmerksam gemacht werden“, empfiehlt die Verbraucherschützerin.

Schwierig wird es allerdings, wenn erst bei der Kontrolle zu Hause die Unterschiede auffallen. „Dann ist man auf die Kulanz des Händlers angewiesen“, so die Verbraucherzentrale.

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Rewe stellt alle Märkte auf elektronische Preisetiketten um

Aber wie kann es zu den unterschiedlichen Preisen im Supermarkt kommen? „Das Stecken von neuen Papieretiketten hinter die Schienen der Regalböden bei Änderungen von Preisen oder anderen Artikelangaben ist Handarbeit und fehleranfällig bei Stress und Störungen infolge von Arbeitsunterbrechungen“, erklärt die Supermarktkette Rewe auf RTL-Nachfrage.

Eine Reklamation ist bei Rewe jederzeit möglich: „Kunden haben grundsätzlich die Möglichkeit, Produkte sofort oder eben auch später bei Wahrnehmung der Differenz zurückzugeben. Und nicht nur, wenn der tatsächliche Preis ein anderer ist als am Regal ausgezeichnet, sondern etwa auch bei Qualitätsreklamationen“, erklärt ein Rewe-Sprecher. „Oft können Kunden beim Marktverantwortlichen auch mit Kulanz rechnen, wenn sie auf dem Bon eine Preisabweichung feststellen.“

Eine Lösung, die bereits in vielen Märkten von Rewe Einzug gehalten hat: elektronische Preisetiketten. Laut Rewe wurden bereits 2.400 von 3.700 Rewe-Märkte auf das sogenannte Electronic Self Labeling (ESL) umgestellt. Mit dem System können in Zukunft Fehler vermieden werden. „Die größten Mehrwerte der elektronischen Preisauszeichnung liegen in der Vereinfachung von Marktprozessen und in der Gewährleistung der korrekten Preiskommunikation am Regal“, erklärt Rewe.

Vorsätzliche Falschauszeichnung verstößt gegen Gesetz

Ein falsches Preisschild am Regal im Supermarkt – das kann aus versehen passieren, wenn zum Beispiel der Austausch des Angebotspreises aus der Vorwoche nicht oder zu spät erfolgt. Allerdings darf das nicht regelmäßig erfolgen.

„Eine vorsätzlich falsche Preisauszeichnung verstößt gegen gesetzliche Vorgaben und wird als Ordnungswidrigkeit behandelt“, erläutert de Verbraucherzentrale. Zuständig für die Kontrolle ist in dem meisten Bundesländern das jeweilige Ordnungsamt.

Aber auch die Verbraucherzentrale kann tätig werden. So hat die Verbraucherzentrale Hamburg im letzten Jahr Aldi Nord wegen „schlampiger“ Preisangaben verklagt. Als Grund geben die Verbraucherschützer „fehlende Grundpreise“ an. „Was nach einer Lappalie klingt, hat bei dem Discounter anscheinend System“, erklärte die Verbraucherzentrale Hamburg.

„Generell sind Händler dazu verpflichtet, Preise korrekt auszuzeichnen und darzustellen und müssen dieser Pflicht auch nachkommen“, sagt Sabrina Schulz von der Verbraucherzentrale Berlin.

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