Schwerer Vorwurf

Verbraucherzentrale verklagt Aldi wegen "schlampiger" Preisangaben

Aldi-Nord-Markt
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© dpa, Rolf Vennenbernd, ve hjb wok lof

04. Mai 2021 - 14:19 Uhr

Verbraucherzentrale Hamburg klagt gegen Aldi Nord wegen fehlender Grundpreise

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat beim Landgericht Itzehoe eine Klage gegen Aldi Nord eingereicht. Als Grund geben die Verbraucherschützer "fehlende Grundpreise" an. "Was nach einer Lappalie klingt, hat bei dem Discounter anscheinend System", so die Verbraucherzentrale.

"Die Schlampigkeit hat anscheinend System"

Denn für den Einzelhandel in Deutschland gilt die Preisangabenverordnung. Laut diesem Gesetz gelten die Grundsätze von Preisklarheit und Preiswahrheit. Außerdem müssen die Händler neben dem Verkaufspreis für fast alle Lebensmittel sogenannte Grundpreise angeben. Das ist der Preis je Mengeneinheit, in der Regel pro Kilogramm oder pro Liter. Nur bei wenigen Ausnahmen darf der Grundpreis am Einkaufsregal fehlen.

"Wegen der mangelhaften Kennzeichnung von Grundpreisen haben wir eine Regionalgesellschaft der Aldi GmbH & Co KG verklagt. Konkret geht es in dem Verfahren um einen veganen Aufschnitt, der in einer 70-Gramm-Plastikpackung in mindestens zwei Hamburger Filialen des Discounters ohne Grundpreis auf dem Preisschild verkauft wurde", so die Verbraucherzentrale Hamburg.

Der vegane Aufschnitt scheint laut der Verbraucherzentrale allerdings kein Einzelfall zu sein. "Wir haben viele weitere Verstöße gegen die Preisangabenverordnung in Geschäften von Aldi Nord festgestellt", erklärt die Verbraucherzentrale Hamburg auf ihrer Homepage. Mehr als 100 Verstöße sollen es in fünf stichprobenartig überprüften Hamburger Filialen von Aldi Nord gewesen sein. In einer einzelnen Filiale wollen die Verbraucherschützer sogar 30 Verstöße festgestellt haben. "Es gab fehlende Grundpreise, falsche Grundpreise, fehlende und falsche Preisschilder, auch vereinzelt irreführende Angaben zu Preissenkungen sowie verwirrende Angaben mit Beispielpreisen auf dem Preisschild. Die Schlampigkeit hat anscheinend System", lautet die Zusammenfassung der Stichprobenkontrollen.

Auch andere Supermärkte sollen es bei den Grundpreisen nicht besonders genau nehmen

Laut der Verbraucherzentrale hatte sich Aldi Nord geweigert, für die fehlenden Grundpreise beim veganen Aufschnitt eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen. Deshalb geht es jetzt vor Gericht.

Das Gerichtsverfahren gegen Aldi Nord scheint erst der Anfang zu sein. Denn die Verbraucherzentrale Hamburg geht davon aus, dass andere Supermärkte auch nicht sorgfältiger bei der Angabe von Grundpreisen sind: "Fehlende oder fehlerhafte Grundpreisauszeichnungen gelten im Einzelhandel als Kavaliersdelikt. Die Supermärkte und Discounter wissen, dass praktisch niemand die Grundpreise kontrolliert und die Rechtsvorschriften durchsetzt." Das soll sich jetzt ändern.

AZE

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