Erzieher soll Kinder sexuell missbraucht haben

Mutter am Boden zerstört: "Meine Tochter weint und sieht nur noch Männer"

13. September 2021 - 9:19 Uhr

Erzieher (32) soll sich an Kindern sexuell vergangen haben

Es sind schlimme Tage der Ungewissheit für die Eltern jener Kinder, die die Kita "Feldhäuschen" in Berlin-Spandau besuchen. Aushilfserzieher Martin (32) steht unter Verdacht, sich dort an mindestens fünf Kindern sexuell vergangen zu haben. Auf einem emotionalen Elternabend am Freitag schilderte ein Vater, wie bei seiner Tochter plötzlich Anzeichen dafür auftauchten, dass etwas nicht stimmt. Sie habe angefangen, sich einzunässen – und weitere Kinder der Kita ebenfalls.

Martin, verdächtiger Erzieher einer Kita in Berlin-Spandau
Gegen den 32-jährigen Erzieher liegen mindestens fünf Anzeigen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern vor.

Berlin: Mehrere Kita-Kinder nässten sich ein

"Wir haben unsere Tochter von der Kita abgeholt, sie hatte sich eingepullert", erinnert sich der Vater. "Und vier weitere Kinder hatten sich eingepullert, obwohl sie trocken sind." Doch offenbar ahnte niemand, was dahinterstecken könnte. "Die Kita hat gesagt: 'Das ist ein komischer Tag gewesen.'"

Aber es blieb nicht bei dem einen Mal. "Als wir mal essen waren, hat sie sich achtmal eingepullert", erzählt der Vater über seine Tochter. "Und das, obwohl sie trocken ist. Als wir dann gehört haben, was in der Kita los ist, war uns einiges klar."

Betroffene wirkten bei Elternabend aufgewühlt

Der Elternabend in Berlin war von Anti-Mobbing-Trainer Carsten Stahl initiiert worden. Viele der betroffenen Eltern wirkten aufgewühlt, wie RTL-Reporterin Marylin Müller berichtet. Einige zeigten sich davon überzeugt, dass ihr Kind Opfer sexuellen Missbrauchs geworden ist: Die Kinder hätten es ihnen erzählt, erklärten die Väter und Mütter. Mehrere Eltern schilderten konkrete Vorfälle, die sich in der Kita zugetragen haben sollen.

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Mutter: "Meine Tochter lässt uns unten nicht mehr richtig dran"

Die Mutter, die bei einem Elternabend in der Kita zusammenbrach, erzählt im RTL-Interview: "Als mein Mann ihn [den Erzieher] das erste Mal gesehen hat, kam er nach Hause und meinte: 'Was ist das denn für ein Typ? Der sieht aus wie ein Pädophiler.'" In der Kita habe sie dann nachgefragt: "Meine Tochter hat solche Angst vor Martin, ist hier irgendwas passiert?" Daraufhin habe die Kita geantwortet: "Ja, der ist schon komisch, der ist anders als wir Erzieher."

Weiterhin berichtete die Frau, ihrer Tochter sei in der Kita auf Toilette gewesen und habe die Erzieherin zur Hilfe gerufen. "Aber dann kam Martin. Was er mit meiner Tochter gemacht hat, weiß ich nicht. Seitdem lässt meine Tochter uns unten nicht mehr richtig dran. Sie blockt, sie macht die Beine zu und schreit: 'Es tut weh, es tut weh.' Das tut mir als Mutter einfach nur weh", erzählt sie unter Tränen. Die Mutter fragt sich, weshalb die anderen Erzieher nichts davon mitbekommen haben.

"Meine Tochter ist viereinhalb", sagte sie. "Seit diesem Vorfall muss ich mit ihr im Zimmer schlafen. Meine Tochter weint, sie ist jeden zweiten Tag immer nass. Die Bettwäsche – alles komplett nass."

Kinder aus Berliner Kita "Feldhäuschen" sollen vernommen werden

Der Verdächtige ist weiterhin auf freiem Fuß. "Es liegt eine Strafanzeige wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs vom Februar bis August vor. Der Anfangsverdacht war stichhaltig genug, um Ermittlungen einzuleiten", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft zu RTL.

Am Dienstag wurde die Wohnung des 32-Jährigen durchsucht. Dabei stellten die Ermittler laut Staatsanwaltschaft Datenträger sicher. Sie wollen nun Zeugen zu dem mutmaßlichen Missbrauchsfall vernehmen. Auch Kinder aus der betroffenen Kindertagesstätte "Feldhäuschen" in Berlin-Spandau sollen befragt werden.

Offenbar führt der verdächtige Erzieher ein unauffälliges Leben. Nachbarn beschreiben ihn als ruhig und haben kaum Kontakt zu ihm.

Vorwürfe von Eltern an Leitung der Kita "Feldhäuschen"

Im RTL-Interview erklärten Eltern, die Kita-Leitung vor dem Erzieher gewarnt zu haben. Die Einrichtung habe darauf allerdings zu spät reagiert. Die Kita wies dies zurück und erhob ihrerseits Vorwürfe gegen das Landeskriminalamt.

Am Montag waren die Eltern bei einem ersten Elternabend über die Vorfälle informiert worden. Dabei kam zu emotionalen Szenen. Die Mutter brach zusammen und musste von einem Notarzt versorgt werden. Die Kita blieb bis zum Ende dieser Woche geschlossen. (bst)