RTL-Reporter gönnt sich die geballte Ladung Zucker

Wie ungesund sind Softdrinks wirklich? Der große Extrem-Test

14. Januar 2022 - 13:03 Uhr

von Thorsten Sleegers

"Was passiert, wenn ich ab sofort nur noch süße Erfrischungsgetränke zu mir nehme?" Genau das möchte ich in einem spannenden Selbstexperiment herausfinden. Hintergrund dieses Selbstversuchs ist, dass kaum ein europäisches Land soviel Zucker alleine über Getränke zu sich nimmt, wie es bei uns in Deutschland der Fall ist. Ein Arzt begleitet meinen Selbstversuch, um die Auswirkungen der geballten Ladung Zucker auf meinen Körper und mein Wohlbefinden zu untersuchen. Das ganze Selbstexperiment und die überraschenden Ergebnisse sehen Sie im Video.

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Phase 1: Erst mal den Körper resetten

Mein Selbstexperiment gliedert sich in zwei Phasen. Zunächst soll ich eine Woche lang möglichst wenig Kohlenhydrate zu mir nehmen. Diese Low-Carb-Phase ist wichtig, damit unser Experte, der Allgemeinmediziner Peter Fleischhauer, später gesunde Vergleichswerte hat.

Ich muss nicht auf alle Kohlenhydrate verzichten, sondern nur auf die "schlechten" bzw. einfachen, wie sie z.B. in Weißbrot oder süßen Cornflakes enthalten sind. Ein gesundes Vollkornbrot zum Frühstück ist dagegen vollkommen okay, weil es reich an "guten", langkettigen Kohlenhydraten ist, die besser und länger satt machen. Zu trinken gibt es in dieser ersten Phase überwiegend Mineralwasser, morgens Kaffee oder Tee.

Währenddessen misst ein kleiner Sensor am Oberarm permanent meinen Blutzuckerspiegel. Das Wiegen nach dem Aufstehen und hin und wieder Blutdruckmessen gehören ab sofort zum täglichen Ritual.

Nach einer Woche nimmt Dr. Peter Fleischhauer zum ersten Mal Blut ab und ist genau so gespannt wie ich, was sich nach Phase 2 mit dem Extrem-Konsum von Softdrinks verändern wird. Werde ich deutlich zunehmen? Was geht hormonell in meinem Körper vor? Zu diesem Zeitpunkt ahne ich noch nicht, dass mich das Ganze ziemlich umhauen wird.

Phase 2: Softdrinks rund um die Uhr

Zu Beginn meines Experiments habe ich noch gedacht "Was soll schon dabei sein, eine Woche lang leckere Softdrinks zu trinken?" Doch ich soll schon sehr schnell merken, wie mich der viele Zucker aus der Bahn wirft. Normalerweise trinke ich überwiegend Mineralwasser, um meinen Durst zu löschen. Klar, vor allem im Sommer gerne auch mal eine kalte Cola oder eine erfrischende Limonade. Das lasse ich mir auch nicht nehmen, halte es aber auch nicht für bedenklich. Es ist ja eben nur hin und wieder.

Aktuell erfahren Softdrinks aber wieder einen riesigen Hype, genauso wie die Bubble-Tea-Shops in unseren Städten. Viele Jugendliche fahren auf die bunten Trend-Drinks ab, die auch in den Sozialen Netzwerken massiv beworben werden. Es gibt sogar erfolgreiche Influencer, die dort ihre eigenen Kreationen promoten. Mediziner und Ernährungswissenschaftler halten das für bedenklich, denn gerade für Kinder und Jugendliche kann zu viel Zucker schwerwiegende Folgen haben. "Das sind die Diabetes-Patienten von Morgen", sagt unser Arzt während der Dreharbeiten.

Die einzige und einfache Regel für mein Experiment ist simpel: "Ersetze jedes Getränk, dass Du normalerweise trinken würdest, durch eine Cola, eine Limo oder ein anderes alkoholfreies Mixgetränk, auch Energy Drinks sind erlaubt!" Das Ganze eine Woche lang, tagsüber wie nachts.

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Zwischen Euphorie und "Zucker-Koma"

Am ersten Tag meines Selbstversuchs bin ich noch total motiviert, empfinde auch nichts Schlimmes dabei, morgens meinen Kaffee durch eine kalte und koffeinhaltige Limonade zu ersetzen. "Hauptsache wach werden", scherze ich noch mit meinem Kamerateam, dass mich zwischendurch immer mal wieder besuchen kommt.

Immer wenn ich alleine bin, filme ich mich selbst mit meinem Handy und dokumentiere meinen Tagesablauf im Videotagebuch. Denn währenddessen gehe ich ganz normal meiner Arbeit nach. Mal bin ich zuhause bei meiner Familie, mal unterwegs auf Dreharbeiten. Egal ob im Büro, im Auto oder im Ferienappartement, meine Softdrinks sind immer dabei.

Die ersten zwei Tage trinke ich unglaubliche Menge an Eistee mit Pfirsich-Geschmack. So komme ich schnell auf ca. 2 bis 2,5 Liter pro Tag. Abends kristallisiert sich eine Orangenlimonade als beliebtes Betthupferl heraus. Dumm nur, dass ich davon nach kurzer Zeit wieder unglaublichen Durst bekomme. Ich trinke also weiter, auch nachts. Und das ist ziemlich ekelig, wenn man aus seinen schönsten Träumen erwacht und eigentlich viel lieber ein Glas Wasser trinken würde, um den trockenen Mund zu benetzen. "Da muss ich jetzt durch", sage ich mir immer wieder, sehe aber auch, dass meine Blutzuckerwerte regelrecht Tango tanzen. Es geht rapide rauf und kurz danach wieder senkrecht runter. Von einer Entspannung, wie sie bei einer gesunden und ausgewogenen Ernährung der Fall ist, keine Spur. Bereits nach drei Tagen Extrem-Konsum kämpfe ich mit starken Kopfschmerzen und Verspannungen, bei der Arbeit kann ich mich schlechter konzentrieren. Ich bin durchweg müde.

Pickel und Heißhungerattacken

Der hohe Zuckerkonsum macht sich schnell auch äußerlich bemerkbar. Mein Gesicht sieht morgens nach dem Aufstehen aufgequollen aus, Hautunreinheiten machen sich bemerkbar. Der Appetit bei den normalen Mahlzeiten hält sich in Grenzen, weil ich eigentlich schon durch die hohen Mengen an Softdrinks satt bin. Stattdessen kommen dann aber gerade in der zweiten Tageshälfte Heißhungerattacken auf. Schokolade, Chips etc. – also noch mehr ungesunde Kohlenhydrate.

Eine der Folgen ist extrem unruhiger Schlaf. Ich werde zwischen 3 und 5 Uhr in der Nacht regelmäßig wach, kann oft nicht mehr liegen, weil ich starke Verspannungen und Kopfschmerzen habe. Ich fühle mich ausgelaugt, und immer häufiger rebelliert jetzt auch mein Magen.

Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich mir ständig die Zähne putzen muss. Mich nervt der permanent süße Geschmack im Mund, und Lust auf Karies habe ich auch nicht. Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass das innerhalb einer Woche passiert.

Die tägliche Dosis macht´s

Diese Dosis fällt bei jedem Menschen unterschiedlich aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa empfiehlt Erwachsenen, nicht mehr als 50 Gramm Zucker pro Tag zu sich zu nehmen, bei Kindern ist es die Hälfte. In unserem Experiment verdeutlichen wir, wie man mit ein paar Gläsern Softdrinks die Empfehlungen ganz locker sprengt.

In meiner Abschlussuntersuchung bei Dr. Peter Fleischhauer sagen meine Körper- und Blutwerte eine Menge darüber aus, was ein regelmäßiger und zu hoher Zuckerkonsum mit unserem Körper anrichtet.

Sprechstunde bei "Doc Peter"

Der Allgemeinmediziner Peter Fleischhauer begleitet seit mehr als zehn Jahren regelmäßig meine Selbstexperimente. Er kennt mich und weiß, wie sensibel mein Körper auf Veränderungen bei der Ernährung reagiert. Er sagt aber auch "Man sollte Softdrinks nicht generell verteufeln. Es kommt halt immer auf die Menge an."

Was dabei zu beachten ist, erzählt er uns noch einmal ausführlich im Video-Interview.

GESUND GEFRAGT - Der Podcast zum Thema

"Dein Leben ohne Zucker!" – geht das überhaupt? Um diese Frage kümmern wir uns im Podcast GESUND GEFRAGT bei Audio Now. Dort steht der Ernährungswissenschaftler Alexander Nicolai Rede und Antwort. Immer mehr Deutsche sind nämlich übergewichtig, und das liegt vor allem daran, dass sie sowohl über Getränke als auch feste Nahrung nahezu das Doppelte an Zucker zu sich nehmen, als von Gesundheitsexperten empfohlen.