Verhandlung vor dem Landgericht Wuppertal

5 Kinder in Solingen getötet: Christiane K. kündigte ihrem Ex an, er werde seine Kinder nie wieder sehen

15. Juni 2021 - 11:14 Uhr

Mordprozess am Wuppertaler Landgericht

Fünf ihrer sechs Kinder soll Christiane K. aus Solingen im September betäubt und anschließend in der Badewanne ertränkt haben. Zu Beginn des Prozesses wegen Mordes am Wuppertaler Landgericht schwieg sie zu den Vorwürfen. Christiane K. werde weder zur Sache noch zu ihrer Person aussagen, erklärten ihre Verteidiger am Montag. Mehr dazu im Video.

Angeklagte wirkt zum Prozessbeginn unsicher

RTL-Reporter Ulrich Klose
RTL-Reporter Ulrich Klose beim Prozess gegen Christiane K. am Wuppertaler Landgericht.
© RTL

Die 28-jährige Angeklagte wirkte unauffällig, als sie am Mittag in den Gerichtssaal geführt wurde. "Sie trug eine schwarz-weiß karierte Bluse, darunter ein T-Shirt, dunkle Hose, lange, blonde Haare", berichtet RTL-Reporter Ulrich Klose. "Eine sehr unscheinbare Person, sie guckte immer wieder auf den Tisch vor sich, das ist ein Zeugnis von Unsicherheit."

Christiane K. droht lebenslange Haft

Prozessbeginn gegen Mutter aus Solingen
Die angeklagte Christiane K. beim Prozessauftakt am Montag.
© dpa, Oliver Berg, obe kde

Dem vorläufigen Gutachten zufolge hat die 28-Jährige keine psychischen Erkrankungen und ist voll schuldfähig. "Das würde bei einer Verurteilung bedeuten, dass eine lebenslange Strafe sehr wahrscheinlich ist", erklärt Ulrich Klose. Zudem könnte das Gericht die besondere Schwere der Schuld feststellen. "Das ist ein Unterschied zwischen 15 Jahren bei 'klassisch lebenslänglich' und 22 Jahren mit besonderer Schwere der Schuld", erläutert der Reporter.

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Anwälte lehnen psychiatrischen Gutachter ab

Christiane K.  aus Solingen soll fünf ihrer sechs Kinder grausam getötet haben
Christiane K. soll fünf ihrer sechs Kinder grausam getötet haben - nur der älteste Sohn Marcel überlebte.
© Privat

Die Anwälte der Frau lehnten aber den psychiatrischen Gutachter des Verfahrens ab. Ihre Mandantin habe ihn nicht von der ärztlichen Schweigepflicht befreit. Sondern der Gutachter habe ihr eine Teilschweigepflicht "vorgegaukelt" und sie damit getäuscht, sagte Rechtsanwalt Thomas Seifert. Der Staatsanwalt entgegnete, eine solche Befreiung sei gesetzlich auch nicht vorgesehen.

Zudem habe sich der Gutachter nach relevanten Ermittlungsverfahren nicht einmal erkundigt, geschweige denn die Akten eingesehen, erklärten K.s Anwälte.

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Solingen: Kinder betäubt und dann getötet

Laut Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt hatte Christiane K. ihren Kindern "hohe Dosen" eines Gemischs aus drei Medikamenten verabreicht und bei ihnen so "gezielt einen Dämmerzustand herbeigeführt", um ihre Gegenwehr zu mindern. Nacheinander habe sie ihre Kinder dann ins Badezimmer gebracht und in der Badewanne erwürgt, erstickt oder ertränkt. Anschließend habe sie jedes Kind in Handtücher gewickelt und in jeweils ein Kinderbett gelegt.

Fünf tote Kinder in Wohnung in Solingen

Polizisten entdeckten am 3. September in der Wohnung von Christiane K. die Leichen von Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8). Ihren ältesten Sohn Marcel hatte Christiane K. zur Oma geschickt. Anschließend wollte sie auch ihrem eigenen Leben ein Ende setzen, überlebte aber schwer verletzt.

Zwischenzeitlich hatte Christiane K. behauptet, ein maskierter Unbekannter sei in ihre Wohnung eingedrungen und habe ihre Kinder umgebracht. Für die Ermittler eine Schutzbehauptung: "Wir sind dem natürlich nachgegangen, haben aber nichts gefunden, was dafür spricht", sagte einer der Ermittler. Tatsächlich habe es über Whatsapp einen heftigen Wortwechsel mit ihrem bereits getrennt von ihr lebenden Noch-Ehemann gegeben. Als der Christiane K. verdeutlicht habe, dass es für ihn kein Zurück gibt, habe sie geschrieben, er werde seine Kinder nicht wiedersehen.

Das Landgericht Wuppertal hat elf Verhandlungstage für den Fall angesetzt. Der Prozess soll am Donnerstag fortgesetzt werden.

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