Sorgerechts-Streit um Seilbahn-Jungen Eitan (6)

Gericht in Israel drängt verfeindete Familien zur Einigung - das sagt der Anwalt

Eitan (r.) überlebte als Einziger die Seilbahn-Katastrophe am Lago Maggiore.
Eitan (r.) überlebte als Einziger die Seilbahn-Katastrophe am Lago Maggiore.
© .

23. September 2021 - 19:35 Uhr

Außergerichtliche Einigung im Streit um entführten Eitan?

Er überlebte als Einziger das schwere Seilbahn-Unglück am Lago Maggiore, bei dem 14 Menschen starben – jetzt streitet seine Familie erbittert um das Sorgerecht für den kleinen Eitan (6). Das Familiengericht in Tel Aviv entscheidet, ob der Junge in Zukunft in Israel oder Italien lebt. Obwohl die Fronten verhärtet sind, scheint eine außergerichtliche Einigung beider Parteien möglich zu sein. Das deutete der Anwalt von Eitans Opa (mütterlicherseits) im RTL-Interview an.

Prozess in Israel wird im Oktober fortgesetzt

"Wir haben uns darauf verständigt, die Empfehlung des Gerichts anzunehmen. Es hat vorgeschlagen, dass wir versuchen, uns außergerichtlich zu einigen", sagte Ronen Dlayahu, der Eitans Opa (mütterlicherseits) vertritt. "Dabei hat das Wohl des Kindes für uns höchste Priorität, seine Sicherheit, Gesundheit und Zufriedenheit." Die Parteien hätten sich darauf verständigt, keine weiteren Mitteilungen über Eitans Wohlbefinden an die Presse zu geben.

Die nächste Sitzung ist für den 8. Oktober geplant, wie Rechtsanwalt Shmuel Moran ergänzte. Er vertritt in dem Prozess Eitans Tante (väterlicherseits) Aya Biran-Nirko. Dann soll drei Tage verhandelt und eine juristische Entscheidung getroffen werden.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Tante des Jungen macht im Prozess nervösen Eindruck

Eitans Tante (väterlicherseits) Aya Biran-Nirko wirkte zum Prozessbeginn traurig und nervös. Sie scheint außerdem deutlich an Gewicht verloren zu haben. Biran-Nirko will den Sechsjährigen nach Italien zurückholen, nachdem er von seinem Großvater (mütterlicherseits) Shmuel Peleg nach Israel entführt worden war. Die Tante hat laut dem Beschluss eines italienischen Gerichts die Vormundschaft für Eitan.

Shmuel Peleg gibt den fürsorglichen Opa

Vor der Verhandlung hatten beide Seiten schwere emotionale Geschütze aufgefahren. "Eitan ist hier bei seiner Familie. Er ist froh, hier muss er sein, hier ist sein Zuhause in Israel", erklärte Shmuel Peleg in einem Interview mit einem israelischen TV-Sender. Dabei gab er sich als selbstloser und besorgter Großvater: "Das Wohl des Kindes übertrifft mein persönliches Interesse. Deshalb habe ich mich entschlossen, das Kind zu retten und ihn nach Israel zu bringen."

Die italienische Justiz sieht das anders: Die Staatsanwaltschaft der italienischen Stadt Pavia ermittelt gegen Eitans Opa wegen Kindesentführung. Die Großmutter des Jungen ist ebenfalls unter Verdacht. Doch davon will Peleg nichts wissen: "Ich habe ihn nicht entführt, ich habe ihn nach Hause gebracht, will nur das Beste für Eitan." Er sei mit dem Jungen ganz legal nach Israel eingereist.

Anwalt von Eitans Tante: Großvater ist ein "gefährlicher Mensch"

Anwalt Shmuel Moran
Anwalt Shmuel Moran vertritt Eitans Tante Aya Biran-Nirko in Israel vor Gericht.
© RTL

RTL-Reporterin Raschel Blufarb sprach mit dem Anwalt von Aya Biran-Nirko über den Fall: "Der Großvater versucht, emotional rüberzukommen. Aber er ist ein gefährlicher, verzweifelter Mensch, der selbst gesagt hat, dass er nichts mehr zu verlieren hat", erklärte Shmuel Moran. Tatsächlich wurde Eitans Großvater mehrfach wegen Gewalt gegen seine Exfrau verurteilt. Darauf angesprochen, antwortete Peleg in seinem TV-Interview: "Vorfälle von vor 20 Jahren, die während eines Scheidungsprozesses geschehen sind, stehen nicht im Geringsten in Verbindung zu Eitan."

Anwalt Moran dagegen sagt, Peleg versuche gezielt, die Öffentlichkeit auf seine Seite zu ziehen und damit vielleicht auch das Gericht zu beeinflussen. "Doch es handelt sich um ein reines Verbrechen und Entführung." (bst)