14 Tote bei Seilbahn-Unglück in Italien: Eltern, Bruder und Ur-Großeltern tot

Fünfjähriger überlebt als einziger seiner Familie: Tapferer Eitan erwacht aus dem Koma!

Eitan (re) mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder (†2)
Eitan (re) mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder (†2)

27. Mai 2021 - 10:32 Uhr

Fünfköpfige Familie aus Israel stirbt bei Seilbahn-Unglück - jüngstes Opfer ist zwei Jahre alt

Eitan (5) ist der einzige seiner Familie, der das Seilbahnunglück in Stresa nahe des Lago Maggiore überlebt hat. Seine Eltern, sein Bruder und seine Ur-Großeltern sind tot. Der Junge wurde nach dem Unglück in ein Krankenhaus in Turin geflogen. Überlebte er, weil sein Vater ihn mit seinem Körper vor dem Aufprall schützte? Seit Sonntag kämpfte der kleine Junge um sein Leben und lag sogar im Koma. Jetzt ist Eitan laut italienischen Medienberichten endlich aufgewacht.

Kinderklinik in Turin
Eitan (5) wurde nach dem Seilbahn-Unglück schwer verletzt in die Kinderklinik in Turin gebracht.
© RTL

Nach dem Absturz der Gondel am Lago Maggiore ist Eitan aus dem Koma erwacht

Das Kind sei immer noch in einem kritischen Zustand, erklärte Giovanni La Valle, Direktor der Universitätskliniken in Turin, am Montag. Die Ärzte kämpften um Eitans Leben. Sie mussten sein Herz und seine Lunge stabilisieren. Zudem hat Eitan mehrere Knochenbrüche erlitten. Der Fünfjährige sei kurz nach seiner Einlieferung in Turin operiert worden. Die OP sei gut verlaufen.

Inzwischen ist der Junge laut italienischer Medien aus dem Koma erwacht. Gegenüber dem italienischen Fernsehsender "Rai News" äußerte der Klinikdirektor La Valle, dass die ersten Reaktionen des Jungen beim Aufwachprozess positiv seien. Trotzdem sei noch Vorsicht geboten, wie La Valle dem Sender mitteilte: "Zu diesem Zeitpunkt sind wir besorgt über mögliche Komplikationen. (...) Vergessen Sie nicht, dass er vor zwei Tagen operiert wurde, um die Frakturen zu stabilisieren (...)." Eitan befinde sich auch noch immer auf der Intensivstation.

Die italienische Zeitung "Quotidiano Nazionale" berichtete unter Berufung auf das Krankenhaus, dass der Vater den Jungen bei dem Absturz wohl in seine kräftigen Arme genommen haben müsse und ihn mit seinem Körper geschützt habe. Anders hätte Eitan den Aufprall wohl nicht überlebt. Die Schwester des Vaters sowie seine Eltern seien zu dem Kind ins Krankenhaus geeilt. Auch die Großmutter mütterlicherseits wolle aus Israel anreisen, berichtet die Zeitung.

Giovanni La Valle, Direktor der Universitätskliniken in Turin
Giovanni La Valle, Direktor der Universitätskliniken in Turin, erklärt, wie es Eitan (5) nach dem Seilbahnunglück geht.
© RTL

Eitans ganze Familie wurde bei dem Seilbahn-Unglück in Italien ausgelöscht

Nach dem Absturz einer Seilbahn mit 14 Toten in Norditalien geht die Suche nach der Unglücksursache weiter. Die Gondel mit den Ausflüglern war am Sonntag beim Ort Stresa westlich des Lago Maggiore aus zunächst ungeklärter Ursache in die Tiefe gestürzt.

Das israelische Außenministerium bestätigte den Tod einer fünfköpfigen Familie. Es handele sich um ein Ehepaar und ihren zweijährigen Sohn, die in Italien lebten und arbeiteten. Gestorben seien zudem die Großeltern der Mutter, die zu Besuch in Italien waren. Der fünfjährige Eitan ist der einzige seiner Familie, der lebend aus der Seilbahn-Gondel herauskam.

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Gondel soll vor dem Absturz gegen einen Pfeiler geprallt sein

Bilder der Feuerwehr und der Polizei zeigten die völlig zerbeulte Kabine an einem steilen Hang in einem Waldstück.
Bilder der Feuerwehr und der Polizei zeigen die völlig zerbeulte Kabine an einem steilen Hang in einem Waldstück.

Die Seilbahn war zwischen dem Ort Stresa am Westufer des bei Touristen beliebten Sees und dem Monte Mottarrone unterwegs als sie plötzlich abstürzte. Ein Ermittler der Carabinieri sagte laut Nachrichtenagenturen, ein Stahlseil habe sich gelöst. Die Gondel soll vor dem Absturz gegen einen Pfeiler geprallt sein.

Der 1.491 Meter hohe Monte Mottarrone ist für seine Aussicht auf die Borromäischen Inseln im Lago Maggiore und sein Berg-Panorama bekannt. Im Winter ist das Gebiet Ziel vieler Skifahrer. Bilder der Feuerwehr und der Polizei zeigen die völlig zerbeulte Kabine an einem steilen Hang in einem Waldstück. Das Gebiet sei schwer zugänglich gewesen, hieß es von den Rettern.

RTL-Reporter Christof Lang berichtet, dass die Ermittlungen zur Unfallursache nur schleppend vorankämen. "So schlecht, wie das Wetter im Moment ist, kann an der Unfallstelle ohnehin nur wenig geschehen", sagt er.

Rettungskräfte an Unglücksstelle in Italien
Die Bergung der Opfer ist schwierig für die Rettungskräfte - die Gondel stürzte an einem Hang des Monte Mottarone ab.
© AP

Gondel soll nahe der Bergstation des Monte Mottarone abgestürzt sein

Wie genau es zu dem Unglück kommen konnte, ist noch unklar. Laut der Nachrichtenagentur Ansa war die Seilbahn von 2014 bis 2016 überholt worden. Erst seit Samstag dürfen in Italien die Seilbahnen wieder ihren Betrieb aufnehmen. Das hatte die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi im Zuge von Lockerungen der Corona-Beschränkungen kürzlich beschlossen.

Stresa-Mottarone-Seilbahn
Eine Gondel der Stresa-Mottarone-Seilbahn in Italien ist abgestürzt.
© dpa

Schwierige Rettungs- und Bergungsaktion am Monte Mottarone

Laut Bergrettung waren zwei Hubschrauber im Einsatz, wegen der Geländeverhältnisse gestaltete sich die Rettung jedoch schwierig. Die Seilbahn verbindet den Ort Stresa mit dem knapp 1.500 Meter hohen Monte Mottarone. Die Gegend um den Lago Maggiore ist bei Urlaubern beliebt.

"Mit großer Trauer habe ich von dem tragischen Unfall der Stresa-Mottarone-Seilbahn erfahren", teilte Italiens Ministerpräsident Mario Draghi mit. Er drücke den Familien der Opfer sein Beileid aus. Auch Außenminister Luigi Di Maio und andere aus dem Kabinett Draghi zeigten sich via Twitter bestürzt über das Unglück. Der Präsident der Region Piemont, Alberto Cirio, machte sich Medienberichten zufolge umgehend auf den Weg in das Gebiet. Im Sender Rainews 24 forderte er die Aufklärung des Unglücks. Italien sei ein Land der Sicherheit. (dpa/vdö/jgr)