Bundesgesundheitsminister sorgt für Klarheit

Spahn: Verwendung von 6 Impfdosen pro Impfstoff-Fläschchen ist möglich und dringend empfohlen

30. Dezember 2020 - 13:11 Uhr

Irritiationen um Anzahl von Impfstoff-Dosen pro Ampulle

Wie viele Dosen Impfstoff können die Impfer aus einem Fläschchen der Firma Biontech entnehmen? Rein rechnerisch bis zu sieben, freigegeben sind von der Europäischen Arzneimittel-Agentur bislang offiziell nur fünf. Biontech selbst sagt: Sechs Dosen sind okay, mit den richtigen Spritzen. In der Schweiz ist das jetzt schon so erlaubt. Aber die EU sieht nur fünf Dosen vor. Der Leiter eines Hamburger Impfzentrums sagt: Alle wollen es - und wir erwarten dafür eine Freigabe. Tatsächlich erklärt auch Gesundheitsminister Jens Spahn jetzt in der Pressekonferenz zur Corona-Lage in Deutschland: Die Verwendung von sechs Impfdosen pro Impfstoff-Fläschchen ist möglich und empfohlen – wenn die Voraussetzungen gegeben sind.

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"Man kann mehr entnehmen, weil mehr drin ist"

Sechs Dosen statt der jetzt von der EU erlaubten fünf aus den Biontech-Impfstoff-Fläschchen entnehmen? Ja, das geht, bestätigt Dr. Dirk Heinrich, einer der ärztlichen Leiter des Impfzentrums Hamburg, gegenüber RTL: "Man kann aus diesen Fläschchen sechs entnehmen, weil einfach mehr drin ist." Man müsse dies allerdings sehr präzise machen, unter kontrollierten Bedingungen, so der Mediziner.

Und prompt erteilt auch Gesundheitsminister Jens Spahn in der Pressekonferenz zur Corona-Lage in Deutschland quasi das Go für diese Vorgehensweise. "Mit den richtigen Instrumenten können Ärzte schon jetzt sechs statt fünf Impfstoffdosen verwenden." Aus technischen Gründen sei seitens Biontech eine entsprechende Überfüllung erfolgt, um auch bei nicht idealen Spritzen für eine ausreichende Menge vorzusorgen. Wichtig sei, dass der Arzt immer sicherstelle, dass die vorgeschriebene Menge von 0,3 ml des Impfstoffs verimpft werde.

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Die ersten Impfdosen sind im Impfzentrum Harz in Quedlinburg eingetroffen. Von hier hat das erste mobile Impfteam Bewohner und Pflegepersonal einer Einrichtung in Halberstadt geimpft.
Die ersten Impfdosen sind zum Impfstart im Impfzentrum Harz in Quedlinburg eingetroffen. Von hier hatte das erste mobile Impfteam Bewohner und Pflegepersonal einer Einrichtung in Halberstadt geimpft.
© picture alliance, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild, Matthias Bein

Impfdosen-Menge auf einen Schlag um 20 Prozent erhöhen

Bereits am Montag hatte der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hamburg, Walter Plassmann, die Diskussion in Deutschland angestoßen. Experten rieten gegenüber RTL zwar von einer solchen Vorgehensweise ab. Aber sogar Biontech selbst sagte kurz darauf: Die Zahl der verfügbaren Impfdosen gegen das Coronavirus kann auf einen Schlag um 20 Prozent erhöht werden. Um den Inhalt der Ampullen optimal zu nutzen, seien allerdings spezielle Spritzen notwendig, erklärte Biontech-Sprecherin Jasmina Alatovic dem Westfalen-Blatt.

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Auch bei sechs Dosen ist Übermenge gewährleistet

Der Biontech-Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-Cov-2 ist bislang der einzige in der EU zugelassene. Das Vakzin des Herstellers Moderna soll Anfang Januar rasch folgen. Großbritannien hat sogar jetzt schon den Corona-Impfstoff der Universität Oxford und des Pharmakonzerns Astrazeneca zugelassen. Ein Fläschchen mit dem Biontech-Vakzin enthält nach der notwendigen Verdünnung mit einer Kochsalzlösung 2,25 ml des wertvollen Impfstoffs. Rechnerisch ergibt das sogar sieben Impfstoffdosen - denn die vorgeschriebene Dosis pro Spritze beträgt 0,3 ml. Die für Impfstoff-Ampullen vorgesehene Sicherheits-Übermenge ist also auch bei sechs Dosen gewährleistet.

IM VIDEO: Großbritannien will im Januar mit Massenimpfungen starten

In Moers wurde üppige Übermenge schon zum Start genutzt

Vereinzelt wurden mit dem Impfstoff schon beim Impfstart mehr Personen als geplant geimpft. So blieb in einer Altenpflegeeinrichtung in Moers nach der Impfung von 180 Bewohnern noch genug Material für weitere rund 50 Spritzen übrig. Der überschüssige Impfstoff wurde daraufhin am Montag dem Pflegepersonal des Intensiv- und Coronabereichs in einem Krankenhaus in Moers verabreicht, wie der Kreis Wesel mitteilte.

Impfstoff ist relativ heikel in der Handhabung

Dr. Kerstin Kemmritz, Präsidentin Apothekerkammer Berlin, erklärt, warum es zum Anfang diese große Vorsicht gibt: "Der Impfstoff ist relativ heikel in der Handhabung und nach dem Auftauen noch nicht spritzbereit. Man muss erst eine bestimmte Menge Kochsalzlösung als Beigabe zur Verdünnung des eher zähflüssigen Impfstoffes zusetzen." Das müsse sehr korrekt ablaufen, damit das Vakzin klar und dünnflüssig ist und überhaupt gespritzt werden könne. "Schon zu starkes Schütteln zerstört die Proteinlösung", so Kemmritz.

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