"Hände fangen an zu zittern": 12.000 Euro Schulden – so entkam Zişan ihrer Shopping-Sucht
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Kaufsucht wird leider zu oft unterschätzt. Doch Abhängige geraten schnell in die Schuldenfalle. So ging es auch der heute 35-jährigen Zişan. Lange Zeit ignorierte sie ihr Konto, gab auch mal 2.000 Euro monatlich fürs Shoppen aus. Als ihr Konto mit 12.000 Euro im Minus ist, ist Zişan klar: Sie muss die Notbremse ziehen.
Ein entspannter Einkaufsbummel – für die 35-jährige Zişan war das bis vor kurzem noch undenkbar. „Wenn ich in der Innenstadt zum Beispiel war, bin ich immer mit Tüten nach Hause gekommen. Ich würde sagen jeden Tag. Selbst wenn es was Kleines war.“ Zişan lebt seit über zehn Jahren mit Kaufsucht. Anfangs dachte sie, sie sei einfach modebegeistert und habe Spaß am Shoppen. Bis sich immer mehr Pakete zu Hause stapelten. Lange Zeit schaute sie gar nicht auf ihr Konto, dann der Schock: „Dann waren da über 12.000 € Minus. Und das nur für Shoppen. Klar gab es auch Monate, wo es dann so eng wurde. Dann gibt es halt 6,7,8 Tage mal Nudeln oder so, aber ich muss diese Schuhe haben. In besonders schlimmen Phasen gab die junge Sachbearbeiterin 2.000 Euro monatlich für Kleidung, Taschen, Schmuck aus. Für sie war Kaufen ein innerer Drang. Oftmals trug sie die Kleidung nicht mal. „Es ging noch nicht mal immer nur darum, dass die Sachen mich glücklich gemacht haben, sondern einfach das Gefühl, dass man als Mensch selber etwas entscheiden darf.“ Im Gehirn läuft bei Kaufsucht das gleiche Belohnungsprinzip ab wie beispielsweise bei Spiel- oder Drogensucht. Das Kaufen setzt Glückshormone frei. Wenn mal nicht geshoppt wird, kann es dann sogar zu Entzugserscheinungen kommen. So ging es auch Zişan, sie startete eine „nicht-Shoppen-Challenge“ - mit Folgen. „Dann ist diese komische Leere in mir und meine Hände fangen an zu zittern, zu kribbeln. Mir wird schlecht. Und da habe ich bemerkt okay, das ist nichts Kleines, sondern wirklich eine ernst zu nehmende Sucht.“ Auslöser sind sehr häufig traumatische Erlebnisse. „Ich hatte eine sehr turbulente Kindheit. Ich war als Kind sehr krank und die Ärzte hatten damals höchstens sechs, sieben Monate gegeben. Und ich bin immer so groß geworden, dass man mir gesagt hat Du musst jetzt kämpfen. Also habe ich ganz früh gelernt, meine ganzen Gefühle unter den Teppich zu kehren.“ Beim Shoppen hat Zişan Selbstbestimmung, kann ihren Gefühlen nachgehen. Heute geht die 35-Jährige einmal die Woche zur Verhaltenstherapie. Ich hatte eine sehr turbulente Kindheit. Ich war als Kind sehr krank und die Ärzte hatten damals höchstens sechs, sieben Monate gegeben. Und ich bin immer so groß geworden, dass man mir gesagt hat Du musst jetzt kämpfen. Also habe ich ganz früh gelernt, meine ganzen Gefühle unter den Teppich zu kehren. Beim Shoppen hat Zişan Selbstbestimmung, kann ihren Gefühlen nachgehen. Heute geht die 35-Jährige einmal die Woche zur Verhaltenstherapie. Schulden hat sie keine mehr und sie kann auch wieder unbeschwerter in die Mall oder Einkaufsstraße gehen. „Ich gehe zum Beispiel jetzt mittlerweile mit einer Liste raus und das kreise ich dann auch wirklich so ein, dass ich sage Du brauchst nur das, sonst gar nichts. Zu zweit einkaufen hilft mir sehr gut. Also entweder mit einer Freundin oder mit meiner Schwester oder mit meinem Mann, dass ich dann so eine gewisse Sicherheit habe. Kaufsucht ist eine ernstzunehmende Krankheit. Der Drang zu kaufen ist noch da, doch mit Hilfe der Therapie gewinnt Zişan zunehmend die Kontrolle zurück.

