Schnäppchen oder Masche?: Wie viel Italien steckt wirklich in den Italien-Produkten im Supermarkt?
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Wir lieben es doch eigentlich alle: italienisches Essen. Und wie praktisch, dass es in so gut wie jedem Supermarkt beliebte Klassiker wie Lasagne, Tortellini, Tiramisu und Co. zu kaufen gibt. Doch wie authentisch sind die Lebensmittel, die man uns für wenig Geld dort anbietet? Sind sie so italienisch, wie eine echte Hausfrau aus einem unserer Lieblings-Urlaubsländer sie zubereiten würde? Das haben wir für euch getestet!
Wir schauen uns heute diese italienischen Klassiker ganz genau an: Pesto alla Genovese, Tiramisu, Tortelloni, Lasagne, Büffelmozzarella und Olivenöl – wie authentisch sind die Produkte aus dem Supermarkt und Discounter? Das testet Reporterin Anke Reichardt gemeinsam mit Italien Fan Gabriela. Sie vergleichen zuerst die Lasagne vom Discounter für 4 Euro auf 1000 Gramm mit einer Lasagne aus dem Supermarkt für 6,23 Euro. Enthalten sind jeweils 4 Lasagneplatten und jede Menge Soße. „Wir haben…51% Tomaten-Schweine-Hackfleischsoße..wir haben Tomatenmark aber zweifach konzentriert.“ Die Zutatenliste ist ziiiiieeemlich lang. Viele Zusatzstoffe, Säuerungsmittel, Zucker und Co. Unser Tipp: Je kürzer die Liste, desto besser. Und noch etwas fällt auf: „26% nach Art Bechamel..und Zucker..Extrakte.. Ist das für dich ne Bechamel Soße dann? NEIN!“ „Naja dass die da mit Butter und Mehl nicht anfangen ist klar..bei 4€ kannst auch nichts verlangen..da erwarte ich kein Bio Hackfleisch und soll satt machen und gut ist.“ Auf eine italienische Lasagne gehört eigentlich auch Parmesankäse. „Rate mal, wieviel Prozent Käse da drin ist..?“ „5%“ „Fast richtig..6% Emmentaler gerieben ist da drin. Aber sieht man auch. Man sieht, dass man ihn nicht sieht, den Käse..“ Kann die fast doppelt so teure Lasagne vom Supermarkt eher überzeugen? „Es klingt schon sympathischer…mehr Rindfleisch.“ „Kleinere Verpackung, mehr Rindfleisch, mehr Tomate..Vielleicht rechtfertigt das den Preis..?!“ Machen wir mal den Geschmackstest: „Es schmeckt italienischer.“ „Aber wirklich Italienisch ist es nicht.“ Klassisch italienische Lasagne würde zusätzlich Oregano und etwas Gemüse, Olivenöl, Knoblauch, Muskatnuss und Parmesan enthalten. Davon finden wir in diesen Lasagnen fast nichts. Jetzt zu den Tortelloni. Hier werben die Hersteller offensiv mit italienischer Flagge und Herstellung. Unsere Discounter-Tortelloni für 99 Cent vergleichen wir mit den Tortelloni für 1,79€ - macht der Preis hier den Unterschied? „Es riecht bisschen nach Fleisch.“ „Sollte! Sollte! …nicht gut, wenn`s nicht nach Fleisch riechen würde.“ Wir nehmen die Tortelloni auseinander und wiegen Teig und Füllung separat. Welches Verhältnis dabei rauskommt - gleich. Vorher bewertet Verbraucherschützerin Britta Schautz diese Produkte: Pesto alla Genovese, Olivenöl, Büffelmozzarella und der beliebte Nachtisch Tiramisu. Schon in der Verpackung steckt viel Marketing, erklärt die Expertin. „Das Ganze ist nicht europäisch verbindlich geregelt. Das heißt, es ist jetzt nicht in diesem europäischen Katalog der geschützten Lebensmittelbezeichnung aufgenommen und genau deshalb darf man leider in Deutschland die Rezeptur auch variieren. Und das nutzen die Hersteller ganz klar aus, um Geld zu sparen.“ Beim Pesto zum Beispiel. Basilikum als Grundlage darf bei Pesto Genovese nicht fehlen und eigentlich auch Olivenöl und Pinienkerne. „Olivenöl ist deutlich teurer als Sonnenblumenöl und auch Cashewkerne Pinienkerne sind in den letzten Jahren wirklich sehr teuer geworden, lassen sich gut durch Kerne ersetzen im Pesto. Aber das hat natürlich mit der italienischen Rezeptur nicht so viel zu tun… Wenn ich Pesto kaufe, dann achte ich mal darauf. Haben wir wirklich auch Olivenöl oder am liebsten nur Olivenöl? Diese Anbieter gibt es sogar am Markt und habe ich auf jeden Fall Pinienkerne drin, denn das sind so die wichtigsten teuren Zutaten.“ Und beim Tiramisu? Bei klassischer Herstellung sollte NICHT fehlen: Zucker und Kakao, etwas Ei, kalter Espresso, Löffelbiskuit und Mascarpone. In unserer Stichprobe finden wir nur Tiramisu, das wenig Mascarpone enthält, stattdessen Mascarpone-Frischkäse. Statt Espresso gibt es „Instant-Kaffee“ und jede Menge Emulgatoren, Fettsäuren und Zusatzstoffe. „Was hat das noch mit Tiramisu zu tun?“ „Ja, wahrscheinlich nicht so viel. Die Aufmachung sieht aus wie ein Tiramisu, aber das ist so ein bisschen das Tiramisu mit den Sparzutaten. Also möglichst viel Geld gespart habe ich das Wasser und Kokosnussöl ergänzt worden. Und ja, ich glaube, jeder Italiener würde sagen, das ist überhaupt kein Tiramisu.“ Bei Olivenöl fällt wieder etwas auf: Sogenannte Mischöle aus der EU sind ein Hinweis darauf, dass das Olivenöl nicht nur aus Italien kommt – laut Frau Schautz sind die Öle dadurch aber nicht schlechter. Achten Sie für gutes Öl auf die Formulierung „Natives Olivenöl extra“ – „nativ“ bedeutet naturbelassen und „extra“ heißt mechanisch aus den Oliven gepresst, ohne chemische Mittel. Und die Büffelmozzarella? Die kommt mit italienischem Design und vermeintlich authentischer Verpackung. „Also ich dürfte so eine Verpackung nicht verwenden, wenn es dann täuscht über die Herkunft. Gucken wir mal, was hier zu finden ist. Oh, ganz klein. Hergestellt in Italien mit Milch aus der EU.“ „Was bedeutet das?“ „Das bedeutet, dass die Milch aus Italien stammen könnte, aber auch nicht unbedingt muss.“ Achten Sie auf das Siegel DOP - die italienische Abkürzung für „geschützte Ursprungsbezeichnung“. Es schützt vor Nachahmungen und sichert zu, dass sie italienische Originale bekommen. Zurück zu Gabriela und Anke und der Frage: Wie authentisch sind Tortelloni aus dem Supermarkt? Traditionelle italienische Tortelloni haben DREI Fleischanteile: Schweinelende, Mortadella UND Rohschinken. Das Verhältnis Füllung und Teig sollte in etwa halb halb sein. Die günstigen Tortelloni bestehen gemessen auf ein Gesamtgewicht von 500 Gramm aus einem Viertel Füllung und Dreiviertel Teig. Die hochpreisigen Tortelloni punkten mit mehr Fleischfüllung. Sie bestehen 1/3 aus Füllung und 2/3 aus Teig. „Ideal wäre wir haben ein ausgewogenes Verhältnis von Teig + Füllung, dann man kann eventuell auch von Italienisch sprechen.“ Aber auf was können wir beim Einkauf achten, um wirklich typisch italienische Produkte zu bekommen? „Ich würde ja erstmal bewusst einkaufen gehen. Wenn ich eine italienische Flagge sehe, nicht blind vertrauen, sondern immer die Zutatenliste kontrollieren …oder einfach nur eine Werbemasche?!“ „Und letztendlich dauert das nicht lange, ich gehe durch den Supermarkt und ich bekomme vielleicht ein bisschen mehr Italia.“ Und authentische Produkte sind meist auch leckerer.

