18 Tage lang groß im künstlichen Koma. Sonst, sagen die Ärzte, wären die Schmerzen unerträglich gewesen. Jetzt ist die 18-Jährige wach und sie erinnert sich an fast alles, was in der Silvesternacht in Crans-Montana passiert ist.
„Manchmal habe ich Albträume. Ich höre Menschen schreien, ich sehe die Szenen immer wieder vor mir. Es war ein einziges Chaos. Alle schrien. Sie zogen sich aus. Einige waren zu 80 Prozent verbrannt."
Leise erzählt Ros ihre Geschichte im Krankenhaus von Lüttich. Ihre Familie weicht nicht von ihrer Seite. Alleinsein kann sie kaum ertragen. Als das Feuer ausbricht, arbeitet sie in der Bar und betreut die Social Media Kanäle.
„Plötzlich drehte ich mich um und sah, wie das Feuer an der Decke ausbrach. Ich habe geschrien: Da ist ein Feuer. Ihr müsst raus. Keine Minute. Dann ist der Raum voller Rauch und Panik. Ich dachte, wir hätten noch Zeit, aber es ging so schnell. Es ist alles sehr schwer zu begreifen. Ich glaube, deshalb haben die Leute weitergefilmt und die Musik weitergespielt. Weil niemandem klar war, wie ernst die Situation war."
Roze schafft es nach draußen und kehrt noch einmal zurück, um eine Freundin zu retten. Sie sieht Menschen, die anderen helfen. Solidarität im Chaos. Doch sie erhebt auch schwere Vorwürfe.
„Die Barbesitzerin war draußen und hat niemandem geholfen. Es waren Menschen dort, die sich in einer wirklich verzweifelten Lage befanden, die geschrien haben. Und sie hätte ihnen helfen können. Außerdem befand sich der Feuerlöscher hinter der Bar und sie stand hinter der Bar, also hätte sie das Feuer löschen können. Dann wären die Folgen vielleicht nicht so schlimm gewesen."
Roze versteht nicht, warum der Notausgang verschlossen war und warum die Betreiber auf freiem Fuß sind. In der Silvesternacht hatten Funkenfontänen den Brand ausgelöst. Flammen breiteten sich rasend schnell aus. Viele scheiterten an der engen Treppe aus dem Keller. Die Zahl der Toten ist inzwischen auf 41 gestiegen.
Mehr als 100 Menschen wurden verletzt, rund 80 davon schwer oder lebensgefährlich. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und Brandstiftung.
Für Roze beginnt ein langer Weg zurück ins Leben:
„Ich hoffe, mich so schnell wie möglich zu erholen. Ansonsten habe ich eigentlich keine Wünsche, denn ich bin noch am Leben."
Ihre Hände sind noch bandagiert. Spezialhandschuhe wird sie monatelang tragen müssen.
Verwendete Quellen: CNN, ENEX, Reuters X: @OsiOsint1, @Worldsource24, TikTok: @ladzdrie92i