In der Schweiz sind 6 Impfdosen pro Fläschchen erlaubt

Biontech bestätigt: Impfstoff kann für viel mehr Dosen reichen - mit den richtigen Spritzen

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30. Dezember 2020 - 10:38 Uhr

KV-Chef Plassmann: Aus 5 mach 6 Impfdosen

Seit dem Wochenende werden endlich die Impfungen gegen des Coronavirus Sars-CoV-2 bundesweit ausgerollt. Der jetzt verabreichte Impfstoff von Biontech und Pfizer ist noch knapp bemessen. Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hamburg, Walter Plassmann, stieß am Montag eine Diskussion an: Die jetzt zur Verfügung stehenden fünf Impfdosen pro Fläschchen können auf sechs vergrößert werden. Experten raten gegenüber RTL von einer solchen Vorgehensweise ab. Biontech selbst bestätigt jetzt: Ja, auch sechs Impfdosen sind drin - allerdings müssen dafür Bedingungen erfüllt sein.

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In der Schweiz dürfen offiziell 6 Dosen entnommen werden

Die Zahl der verfügbaren Impfdosen gegen das Coronavirus könnte in Deutschland auf einen Schlag um 20 Prozent erhöht werden, wenn spezielle Spritzen verwendet würden, bestätigt Jasmina Alatovic, die Sprecherin des Mainzer Impfstoff-Herstellers Biontech, dem "Westfalen-Blatt". Demnach könnten aus einer Ampulle sechs statt fünf Dosen gewonnen werden.

Sie sagt: "In Deutschland und anderen EU-Ländern ist die von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA freigegebene Verabreichung von fünf Dosen auf dem Etikett vermerkt." In Ländern außerhalb der EU sei das anders: "In der Schweiz zum Beispiel sind sechs Dosen erlaubt." Das sei dort auch in der Fachinformation niedergelegt, die von der dortigen Arzneimittelbehörde freigegeben sei.

6 Impfdosen durch Feindosierungsspritzen

Um den Inhalt der Ampullen optimal zu nutzen, seien spezielle Spritzen notwendig, sagt die Biontech-Sprecherin. Dabei handelt es sich um Feindosierungsspritzen, wie sie etwa zum Verabreichen von Heparin oder Insulin verwendet werden. International werden diese Spritzen als "Low Dead Space Syringes" bezeichnet, also Spritzen mit wenig Totraum. Damit ist der Raum gemeint, in dem Flüssigkeit zurückbleibt, nachdem der Kolben vollständig gedrückt wurde. Die Skala auf der Spritze berücksichtigt bereits, dass ein Teil der aufgezogenen Menge in der Spritze bleibt.

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Diskussion sorgt in der Öffentlichkeit für Irritationen

Statt der angegebenen zulässigen Menge von fünf Impfdosen sechs entnehmen? In der Öffentlichkeit sorgt diese Diskussion für Irritationen, viele Menschen empfinden sie als unprofessionell. Sie zeigt aber auch, wie wertvoll der Impfstoff letztlich ist. Doch schadet das Zahlenspiel dem Impfziel am Ende nicht?

Experten rieten gegenüber RTL jedenfalls schnell davon ab, zu diesem Zeitpunkt "zu improvisieren". Die einkalkulierte Übermenge sorge dafür, dass die Gesamtmenge immer garantiert für fünf Impfdosen reiche, erklärt zum Beispiel Medizinexperte Dr. Christoph Specht. Auch Dr. Kerstin Kemmritz, Präsidentin Apothekerkammer Berlin, mahnt zur Vorsicht: "Wenn hier ganz knapp kalkuliert wird, tut man sich keinen Gefallen, bei schneller Arbeit oder weniger Routine geht dann auch mal ein Tropfen verloren und dann würde es nicht mehr für eine volle Dosis reichen."

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Pfizer mahnt: Es darf nicht gepoolt werden

Rebecca Harding, Sprecherin der Zulassungsbehörde EMA, teilt ebenfalls mit, in der Produktinformation des Impfstoffs stehe, dass eine Ampulle den Grundstoff für fünf Dosen enthalte. Deshalb sei es nicht zu empfehlen, restlichen Impfstoff aus Ampullen zusammenzuschütten. Ein Mischen ist vorgesehen. Auch Pfizer stellt nach RTL-Anfrage unmissverständlich klar: "Überschüssiger Impfstoff aus mehreren Fläschchen darf niemals gepoolt werden."

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Impfstoff ist heikel in der Handhabung

Dr. Kerstin Kemmritz, Präsidentin Apothekerkammer Berlin, erklärt: "Der Impfstoff ist relativ heikel in der Handhabung und nach dem Auftauen noch nicht spritzbereit. Man muss erst eine bestimmte Menge Kochsalzlösung als Beigabe zur Verdünnung des eher zähflüssigen Impfstoffes zusetzen." Das müsse sehr korrekt ablaufen, damit das Vakzin klar und dünnflüssig ist und überhaupt gespritzt werden könne. "Schon zu starkes Schütteln zerstört die Proteinlösung", so Kemmritz.

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