Wann bin ich dran? Wie mache ich einen Impftermin?

FAQs zum Impfstart: Alles, was Sie über die Corona-Impfungen wissen müssen!

28. Dezember 2020 - 10:10 Uhr

Im Video: So sieht Spahns Impfplan aus

Es sind zwei kleine Piekser, die Leben retten können. Am Montag hat die Europäische Zulassungsbehörde, wie erwartet, den Impfstoff freigegeben. Bevor in Deutschland die Impfungen ab dem 27. Dezember beginnen, will auch das bundeseigene Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Impfchargen prüfen und freigeben. Spätestens dann muss klar sein, wer die ersten Spritzen bekommt. Mit der unterschriebenen Corona-Impfstoff-Verordnung steht der Zeitplan für die Impfungen in den kommenden Monaten. Wie erfahre ich also, wann ich geimpft werden kann? Wie lange dauert es, bis die Risikogruppen durchgeimpft sind? Und wie viele Impfdosen stehen in Deutschland bereit? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Corona-Impfungen zusammengefasst!

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Wer wird zuerst gegen Corona geimpft?

Im Kern wird die deutsche Bevölkerung in drei Gruppen aufgeteilt, die sich dann nacheinander impfen lassen können.

Gruppe 1: Menschen über 80 Jahren, Hochbetagte und pflegebedürftige Personen, medizinisches Fachpersonal vor allem auf Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdiensten, sowie im ambulanten Pflegebereich. Beginnen werde man vor allem in Pflegeeinrichtungen und Altenheimen.

Gruppe 2: Über 70-Jährige, Demenzkranke, Menschen mit Trisomie 21, Transplantationspatienten, Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen und Schwangeren, Bewohner von Obdachlosen- oder Asylbewerberunterkünften. Ebenso gehören auch Hausärzte zur zweiten Gruppe.

Gruppe 3: Menschen über 60 Jahre, Personen mit chronischen Krankheiten, Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr, Personen in besonders relevanter Position in staatlichen Einrichtungen sowie Erzieher, Lehrer und Mitarbeiter im Einzelhandel.

Als "vierte Gruppe" bezeichnet Gesundheitsminister Jens Spahn heute alle Personen, die nicht in die ersten drei Gruppen fallen würden.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hatte vorab fünf Gruppen empfohlen, die nacheinander geimpft werden sollen.

Wann die Impfung der ersten Gruppe abgeschlossen sein wird und es einen Übergang zur zweiten Gruppe geben wird, könne man nicht eindeutig festlegen, erklärt der Gesundheitsminister: "Das sind fließende Übergänge. Wir machen ein Angebot, aber es wird sich ja nicht jeder impfen lassen wollen. Wir werden die Verordnung auch regelmäßig anpassen müssen. Es wird möglicherweise im Januar bereits einen neuen Impfstoff geben - Moderna - dann muss die Verordnung vielleicht schon wieder angepasst werden."

Die Verordnung sieht außerdem vor, dass Impfwillige anhand von Dokumenten oder ärztlichen Bescheinigungen nachweisen müssen, dass sie zu einer der Gruppen zählen.

Wie weist man nach, dass man zu einer priorisierten Gruppe zählt?

Beim Impfzentrum oder mobilen Impfteam reichen folgende Nachweise:

RTL NEWS empfiehlt

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  • Personalausweis, um das Alter nachzuweisen.
  • Bescheinigung der Einrichtung oder des Unternehmens für Menschen in Alten- und Pflegeheimen und Pflegekräfte.
  • Ärztliches Attest bei Vorerkrankungen.
  • Für enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen und Schwangeren reicht deren Bestätigung oder eine des jeweiligen gesetzlichen Vertreters.
  • Auch postalisch zugewiesene QR-Codes oder Kennnummern sind laut einem Medienbericht als Nachweis im Gespräch.

Ich hatte schon Corona. Muss ich mich impfen lassen?

Personen, die eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, müssen zunächst nicht geimpft werden. Unklar ist noch, ob ihnen später eine Impfung angeboten werden soll.

Wo kann ich mich gegen Corona impfen lassen?

Die Verteilung eines Impfstoffs wird über Impfzentren erfolgen, die von den Bundesländern eingerichtet werden. Des Weiteren wird es voraussichtlich mobile Impfteams geben, die bspw. stationäre Pflegeeinrichtungen aufsuchen. Bei der Impfung in Einrichtungen wie Krankenhäusern oder stationären Pflegeeinrichtungen ist auch der Einsatz von Betriebsärzten für die Impfung eine Option. Die Kassenärztlichen Vereinigungen organisieren die Terminvergabe in den Impfzentren. Dafür soll eine bundesweit einheitliche Telefonnummer erstellt werden, unter der man Information zum Ablauf bekommen kann.

In der zweiten Phase sollen die Impfungen zu einem großen Teil in Arztpraxen durchgeführt werden. Voraussetzung ist, dass ausreichend Impfstoffe für ein Impfangebot an breitere Bevölkerungsgruppen zur Verfügung stehen wird und dass ein großer Teil der Impfstoffe unter Standardbedingungen gelagert werden kann.

Wie erfahre ich, wann ich geimpft werden kann?

Für die Impfungen und die Verteilungen der Dosen sind die Bundesländer zuständig. In ihrer Verantwortung liegt es auch, die Menschen zu kontaktieren. Das könne beispielsweise per Brief geschehen, sagt Spahn. Die Impforganisation erfolgt durch die Städte und Kreise (Organisation, Betrieb und Sicherung, nicht-medizinisches Personal) gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen. Wer sich impfen lassen möchte, kann telefonisch oder online einen Termin vereinbaren. Dieser wird dann entsprechend der Priorisierung der einzelnen Personengruppen vergeben. Entsprechende Telefonnummern oder Online-Anmeldungshinweise entnehmen Sie bitte ihrem jeweiligen Bundesland. Die Behörden werden bekannt geben, wann die nächste Impfgruppe an der Reihe sei.

Wer bezahlt die Corona-Impfung? Brauche ich eine Überweisung?

Für die Bürgerinnen und Bürger soll die Impfung unabhängig von ihrem Versicherungsstatus kostenlos sein. Die Kosten für den Impfstoff übernimmt der Bund. Die Länder tragen gemeinsam mit der gesetzlichen Krankenversicherung und der privaten Krankenversicherung die Kosten für den Betrieb der Impfzentren. Eine Überweisung vom Hausarzt ist nicht erforderlich.

Wie werden Corona-Impfstoffe verteilt?

Ein zugelassener Impfstoff steht zu Beginn nicht automatisch überall und für jeden sofort zur Verfügung. Er muss erst in ausreichender Menge hergestellt und verteilt werden. Zuständig für die Planung und Verteilung nach Einführung eines geeigneten Impfstoffs sind das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und die Bundesländer.

Was ist mit Senioren, die sich nicht von sich aus zur Impfung melden?

In den Pflegeheimen werden mobile Teams die Bewohner und das Personal impfen, damit diese nicht in ein Impfzentrum müssen. Ob es für ältere, alleinstehende Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, Shuttle-Busse in ein Impfzentrum geben wird, müssen die Landkreise entscheiden. Ältere Menschen könnten über das Melderegister ausfindig gemacht und chronisch Erkrankte von den Hausärzten und Krankenkassen benannt werden. In NRW will das Ministerium über die Pflegeversicherung die Adressen von über 600 000 "vulnerablen Personen" identifizieren und diese zur Impfung auffordern. In Hessen sollen die jeweiligen Bevölkerungsgruppen über ein Einladungsverfahren informiert werden.

Was ist mit der Zulassung von anderen Impfstoffen?

Über das Präparat von Moderna will die Ema bis zum 6. Januar entscheiden. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die "anderen" Corona-Impfstoffe.

Als erste werden wohl die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zur Anwendung kommen. Sie sind bislang die einzigen Unternehmen, die bei der Ema einen Antrag auf bedingte Marktzulassung für ihre Impfstoffe gestellt haben. Insgesamt hat die EU bislang mit sechs Unternehmen Liefervereinbarungen geschlossen:

  • Biontech/Pfizer
  • Moderna
  • Astrazeneca/Oxford University
  • Sanofi/GSK
  • Janssen
  • Curevac

Wie läuft die Impfung im Impfzentrum ab?

Vor der Impfung wird mit Impfwilligen ein Termin vereinbart, um Wartezeiten zu vermeiden. Vor Ort haben Experten zu sogenannten "Impfstraßen" geraten. Impfkandidaten werden in diesen über eine Reihe von Stationen geleitet: Anmeldung, Vorgespräch mit einem Arzt (falls gewünscht), eigentlicher Impfvorgang und Ruhezone.

Wie das Impfen dort Schritt-für-Schritt vonstatten geht, erfahren Sie hier!

Welche Daten werden im Impfzentrum erhoben?

Einige Daten zur geimpften Person sollen zentral an das RKI gemeldet werden. Darunter Geburtsjahr und -monat, Geschlecht und Postleitzahl des Wohnorts. Der Name des Geimpften wird jedoch durch ein Pseudonym ersetzt. Auch das Datum der Impfung und der Name des verwendeten Impfstoffs sollen übermittelt werden.

Wie viele Impfdosen bekommt jeder verabreicht?

Bei den am weitesten fortgeschrittenen Impfstoff-Kandidaten ist davon auszugehen, dass zwei Impfdosen im Abstand von wenigen Wochen für den Aufbau eines Immunschutzes nötig sind. So ist es etwa auch bei dem Impfstoff von Biontech/Pfizer.

Werde ich nach der Impfung tatsächlich immun sein?

Eine erste Impfung bringt dem PEI-Präsidenten Klaus Cichutek zufolge eine Grundimmunisierung. Nach drei bis vier Wochen erfolgt eine zweite Impfung. Voraussichtlich zwei bis drei Wochen danach sei voller Schutz aufgebaut. Den bisherigen Analysen und Tests zufolge schützt das Biontech-Serum wohl mit 95-prozentiger Wirkung vor einer Covid-19-Erkrankung.

Wie viele Impfdosen bekommt Deutschland geliefert?

Anfänglich soll es rund 400.000 Dosen des Mittels BNT162b2 von Biontech/Pfizer geben. Im Januar könnten nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums drei bis vier Millionen Dosen zur Verfügung stehen. Im ersten Quartal rechnet Gesundheitsminister Spahn mit 11 bis 13 Millionen Impfdosen. Da das Präparat zweimal verabreicht werden muss, würde diese Menge in etwa für 5,5 bis 6,5 Millionen Menschen reichen. Insgesamt hat sich der Bund über einen EU-weiten Schlüssel und nationale Vereinbarungen bisher rund 300 Millionen Dosen gesichert - von Biontech und anderen Herstellern.

Neben den Biontech-Dosen hat sich die EU auch 160 Millionen von Moderna gesichert. Bei Astrazeneca (400 Millionen Dosen) und Janssen Pharmaceutica (Dosen für 400 Millionen Menschen) hat die Ema ihre Prüfungen begonnen. Daneben hat die EU-Kommission Verträge mit Sanofi-GSK (300 Millionen Dosen) und Curevac (405 Millionen); mit Novavax (200 Millionen) ist Brüssel in Gesprächen. Die Impfstoffe werden unter den Mitgliedsstaaten nach Bevölkerungsanteil verteilt.

Mit welchen Nebenwirkungen muss man rechnen?

Laut PEI und RKI gibt es bei den neuen Impfungen nur die etwa auch bei Grippe-Impfungen möglichen kurzfristigen Nebenwirkungen: vorübergehende Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schmerzen an der Injektionsstelle, leichtes Fieber, Muskelschmerzen. Langzeiterfahrungen gibt es zwar nicht, aber auf spätere schwerere Nebenwirkungen deutet laut PEI auch nach intensiven Überlegungen und auf Basis von Studien nichts hin.

Aus den USA und aus Großbritannien wurden bisher insgesamt drei Fälle gemeldet, bei denen es nach der Impfung zu allergischen Reaktionen gekommen war. Britische Behörden hatten daraufhin Menschen mit einer "signifikanten" medizinischen Vorgeschichte vor einer Impfung gewarnt: etwa sogenannte seltene anaphylaktische Schocks als Reaktion auf Medikamente, Lebensmittel oder Impfstoffe. Aber auch Menschen, die eine Adrenalin-Fertigspritze - einen Autoinjektor - bei sich tragen müssen, könnten betroffen sein.

Mehr zu den Nebenwirkungen des Corona-Impfstoffs von Biontech erfahren Sie hier!

Wie werden etwaige Nebenwirkungen überwacht?

Die Verträglichkeit des Impfstoffs wird auch nach der Zulassung weiter überprüft. Dafür setzt das zuständige PEI auf Meldungen von Herstellern, Ärzten, aber auch von Patienten. Der einfachste Weg führt über die Plattform nebenwirkungen.bund.de. Über eine Melde-App soll es zudem eine Beobachtungsstudie geben. Wer mitmacht, werde "mehrfach kontaktiert und um Angaben zu möglichen Reaktionen gebeten", teilte eine PEI-Sprecherin der dpa mit.

Können Geimpfte andere mit dem Coronavirus anstecken?

Möglich, aber weniger wahrscheinlich. PEI-Präsident Cichutek zufolge kann man sich auch nach einer Impfung noch anstecken - das Risiko sei aber deutlich reduziert. Das gilt auch für die Weitergabe von Viren. Zu einem letzten Urteil ist die Forschung hier noch nicht gekommen. Experten gehen davon aus, dass es noch leichte Corona-Symptome geben könne, aber keine schweren Krankheitsverläufe mehr. Auf jeden Fall wird dazu geraten, auch nach der Impfung weiter Abstand zu halten, Hände zu waschen und Mund-Nasen-Bedeckungen zu tragen.

Wie schnell werden die Impfungen voranschreiten?

Die Kapazitäten sollen so ausgelegt werden, dass in den Ländern jeweils mehrere Tausend Impfungen am Tag möglich sind. In Bayern und Hessen etwa sollen landesweit etwa 30.000 Impfungen am Tag durchgeführt werden können, in Berlin 20.000, in Hamburg und Rheinland-Pfalz bis zu 7000 täglich. Ein Rechenbeispiel mit deutschlandweit täglich 150.000 Impfungen: Weil jeder mit dem Biontech-Serum zweimal gepikst werden muss, dauerte es etwa zwei Monate, bis 4,3 Millionen Menschen vollständig gegen Sars-CoV-2 geimpft wären. Das entspräche etwa der Hälfte derjenigen, die laut Impfverordnung zuerst an der Reihe sind.

Wann werden sich Impfungen spürbar auf die Pandemie auswirken?

Mit einer schnellen Entspannung der Lage rechnet die Bundesregierung nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte zuletzt, Januar und Februar würden nochmals richtig harte pandemische Monate werden. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, rechnet damit, dass Einschränkungen noch über Monate notwendig sein werden. "Auch wenn die Impfungen jetzt früher beginnen als erwartet, wird der Effekt nur allmählich zu einer Verbesserung der Lage beitragen. Wir werden mindestens noch bis Ostern mit verschiedenen Lockdown-Maßnahmen leben müssen", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Was ist mit einer Impfpflicht - könnte diese noch eingeführt werden?

Eine formelle Impfpflicht hat die Bundesregierung ausgeschlossen. "Niemand wird gezwungen werden, sich impfen zu lassen, sondern es ist eine freiwillige Entscheidung", betonte Bundeskanzlerin Merkel. Der Gießener Jura-Professor Steffen Augsberg, Mitglied im Deutschen Ethikrat, wollte ein solches Vorgehen in einem Interview des SWR aber nicht ausschließen: Wenn sich mit anderen Maßnahmen das Infektionsgeschehen zum Beispiel auf Intensivstationen nicht in den Griff bekommen lasse, "dann kann man darüber nachdenken, ob es insoweit eine bereichsbezogene Impfpflicht geben kann". Eine solche Option liege aber in weiter Ferne.

Und was ist mit einer Impfpflicht durch die Hintertür?

Manche befürchten, dass sie ohne eine Corona-Impfung nicht mehr vollständig am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, weil etwa Geschäfte oder Restaurants den Zutritt ohne Nachweis einer Immunität verwehren. Mit Blick auf private Besitzer und Veranstalter sagte Andrea Kießling, Expertin für Infektionsschutzrecht an der Ruhr-Uni Bochum, dem SWR: "Wir können die nicht zwingen, dass sie auch mit Ungeimpften Geschäfte machen." Umstritten bleibt zunächst, ob und wie etwa Restaurantbetreiber eine Immunität kontrollieren könnten. Jurist Augsberg hält "die bloße Variante, dass ich vorzeige, dass ich zum Beispiel geimpft bin, ohne dass das in weiterer Form überprüft oder mir zugeordnet wird", für unproblematisch.

Die australische Fluggesellschaft Qantas hatte angekündigt, nach der Zulassung eines Corona-Impfstoffs nur noch geimpfte Passagiere an Bord ihrer internationalen Flüge zu lassen - die Deutsche Lufthansa plant bisher jedoch keine Impfnachweis-Pflicht. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, plädiert dafür, die Corona-Schutzmaßnahmen aufzuheben, wenn alle impfbereiten Menschen eine Impfung erhalten haben. Wer sich nicht impfen lassen möchte, müsse dann mit dem Risiko leben, an Covid-19 zu erkranken oder gar daran zu sterben, so Gassen.

Quelle: RTL.de/n-tv